Die neue Maskenpflicht spaltet die Gemüter. Für die neue Verordnung äußert sich LZ-Redakteur Werner Kolbe (l.), dagegen LZ-Chefredakteur Marc Rath. (Fotos: be)

Mundschutz als Pflicht?

Pro

Mehrere Millionen Masken werden verteilt. Täglich. Zum größten Teil kostenlos. Damit kann jeder Bürger problemlos die Pflicht zum Tragen dieses Schutzes im Einzelhandel und im öffentlichen Verkehr erfüllen. Zumindest in Österreich. Dort, beim kleinen Nachbarn, hat man diese große Lösung schon vor mehr als einer Woche gewählt. Deutschland hat zu lange gezögert.

Es mag unpopulär sein, auch Wählerstimmen kosten, den Bürgern neben bereits bestehenden freiheitlichen Einschränkungen jetzt auch noch das Tragen von Masken zuzumuten. Und ja, es stimmt, dass die meisten Masken den Träger kaum oder gar nicht gegen eine Corona-Infektion schützen.

Klar ist aber, dass eine Maskenpflicht – auch aus Sicht der meisten Experten – sinnvoll ist. Das belegen Erfahrungen in vielen asiatischen Ländern, wo Masken schon in der Vor-Corona-Zeit zum täglichen Bild gehörten. Denn jede Maske, egal, ob es sich um Schutzklasse FFP1, 2 oder 3 oder um Marke Eigenbau handelt, hilft dabei, die Ausbreitung des Virus zu verzögern. Denn man schützt damit zwar nicht sich selbst, aber sein Gegenüber.

Natürlich gibt es auf der einen Seite sehr unterschiedliche Angaben darüber, was eine Maskenpflicht überhaupt bringt. Auf der anderen Seite besteht weiterhin die Gefahr einer zweiten Corona-Welle in Deutschland. Unmut in der Bevölkerung und der Verlust einiger Wählerstimmen sind eher zu verkraften als jedes vermeidbare Opfer. Jedem Bürger dürfte einleuchten, dass er mit einer simplen Maßnahme Leben retten kann.

Von Werner Kolbe

Contra

Es ist noch nicht einmal eine Woche vergangen, da wird aus einem „Gebot der Rücksichtnahme“ die Pflicht zum Tragen eines so genannten „Alltagsmundschutzes“. Es ist das nächste Beispiel, dass Corona-Vereinbarungen unter den Ländern nicht lange überdauern. Ein klarer, durchdachter und abgestimmter Kurs sieht jedenfalls anders aus.

So ist es dann auch mit dem Nasen- und Mundschutz. Er hilft, dass das Virus sich nicht verbreitet – aber eben nur ein bisschen. Sicher ist man damit nicht, es ist eher eine trügerische Sicherheit und sollte nicht dazu verleiten, etwa die Abstandsregeln zu vernachlässigen. Und kaum einer wird vergessen haben, dass diese Maßnahme von Wissenschaftlern und Politikern lange Zeit als wenig zielführend eingestuft worden war.

Gerade das Gefühl von Sicherheit ist es aber, wofür Politik in diesen Tagen die Rahmenbedingungen schaffen muss. Und da ist ein Aspekt, mit dem die Wissenschaftler der Leopoldina nach Ostern die Diskussion eigentlich eröffnen wollten, leider völlig untergegangen: Die Experten hatten vorgeschlagen, sowohl repräsentativ als auch regional zu erfassen, wie es um den Infektions- und Immunitätsstatus im Land bestellt ist. Mehr Tests würden hier mehr Fakten und eine Basis schaffen, um planvoll gegen diese Pandemie agieren zu können.

Diese Maskenpflicht in Geschäften, Bussen und Bahnen führt uns dagegen nur eines deutlich vor Augen, Nase und Mund: Ein Restaurant- oder Cafébesuch wird so offenbar nicht allzu bald zu unserem Alltag gehören können.

Von Marc Rath