Dienstag , 29. September 2020
Spätestens ab Montag muss jeder Fahrgast des ÖPNV eine Maske tragen. (Foto: t&w)

Pflicht kommt – aber wie?

Hannover. Niedersachsen bekommt nun doch eine landesweite Maskenpflicht zur Eindämmung des Coronavirus. Vom kommenden Montag an ist das Tragen einer „einfachen Mund-und-Nasen-Bedeckung“ im Nahverkehr und beim Einkaufen Pflicht. Das kündigte die Landesregierung nach einigem Zögern am Mittwoch an.

Warum schwenkt die Landesregierung jetzt um?
Noch am Dienstag hatte es geheißen, Niedersachsen wolle die nächsten Bund-Länder-Gespräche in der kommenden Woche abwarten und belasse es bei einer dringenden Empfehlung zum Tragen von Alltagsmasken. Doch weil immer mehr Länder vorpreschten, setzte ein Umdenken ein. Die Maskenpflicht sei damit „nicht mehr aufzuhalten gewesen“, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) und räumte ein: Das Verhalten einiger Länderchefs hat in Niedersachsen für Verärgerung gesorgt, sachliche Aspekte seien in den Hintergrund geraten.

Was bringen die Masken?
Die meisten Experten gehen davon aus, dass ein Stoffstück vor Mund und Nase vor allem ein Fremd- und kein Selbstschutz ist. Der Stoff kann vor größeren Tröpfchen schützen und Schleimhautkontakt mit virusbehafteten Händen verhindern. Abstands- und Hygieneregeln gelten aber weiterhin, wie Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) betonte. Gesundheitsministerin Reimann sagte, für die Masken spreche auch, dass sie ein sichtbares Signal der Solidarität seien und dafür, dass die Coronavirus-Pandemie noch nicht ausgestanden ist.

Gibt es Ausnahmen?
Das lässt sich im Detail erst am Donnerstag beantworten. Dann will die Landesregierung die Maskenpflicht in die Corona-Verordnung aufnehmen. Fragen wie etwa, ob es Ausnahmen für den Schulverkehr gibt, ob die Verkäufer in den Geschäften die Masken durchgängig tragen müssen oder wie Verstöße geahndet werden, ließen sich erst dann beantworten, sagte Reimann. Wer wegen Erkrankungen durch eine Maske nicht gut Luft bekomme, sei von der Regelung aber ausgenommen.

Muss ich mir jetzt eine professionelle Atemschutzmaske kaufen?
Nein. Mit der Maskenpflicht ist „ausdrücklich auch das Tragen eines Schals oder eines Tuchs gemeint“, betonte Reimann. «Es muss sich also niemand Sorgen machen, wenn er das bis Montag nicht schafft, noch eine Alltagsmaske zu kaufen oder zu nähen.“ Die Ministerin rief sogar dazu auf, keine medizinischen Atemschutzmasken zu kaufen, um Versorgungsengpässe bei Ärzten und Pflegern zu vermeiden.

Wie trage ich die Maske richtig?
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät, sich vor dem Anziehen die Hände gründlich mit Seife zu waschen. Erreger, die man eventuell an den Händen trägt, können so nicht die Innenseite der Maske kontaminieren. Auch nach dem Ausziehen der Maske sei es ratsam, sich die Hände zu waschen. Die Maske sollte Mund und Nase abdecken und eng an den Wangen anliegen, damit möglichst wenig Luft an den Seiten eindringen kann. Wenn der Stoff durchfeuchtet ist, sollte die Maske abgesetzt oder ausgetauscht werden.

Wo gilt die Maskenpflicht in Deutschland noch?
Künftig bundesweit. Neben Niedersachsen haben am Mittwoch auch Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und, als letztes Bundesland, Bremen die Regelung angekündigt. In einzelnen Städten in Niedersachsen, wie Wolfsburg ,gilt eine Maskenpflicht sogar schon jetzt, weitere Städte wie Osnabrück und Braunschweig hatten entsprechende Regelungen für Samstag angekündigt.

Wie geht es weiter?
Die Landesregierung sieht in der Maskenpflicht auch eine Chance, den Weg zurück zur Normalität zu ebnen. «Wir unterstützen damit auch zukünftige Lockerungen, die zu einer weiteren Belebung führen können“, erklärte Ministerpräsident Weil. Und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sagte: „Je besser die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind, desto schneller können wir Fortschritte erzielen, die uns schrittweise wieder mehr Lockerungen im Alltag bringen können.“

Von Christopher Weckwerth