Montag , 21. September 2020
Da war noch alles im weiß-blauen Bereich, doch in diesem Jahr könnte das Oktoberfest in Lüneburg ausfallen. Benno Fabricius warnt aber vor voreiligen Entscheidungen. (Foto: be)

„Volksfeste nicht voreilig absagen“

Lüneburg. Mit dem Münchener Oktoberfest ist gestern nunmehr auch das größte Volksfest der Welt abgesagt worden – und unter den Lüneburger Schaustellern geht die Sorge um, dass diese Entscheidung eine Strahlkraft auch bis Norddeutschland entwickelt. „Dass wir bis Ende August keine Einnahmen mehr haben würden, war uns ja schon klar. Aber das Aus des Oktoberfestes darf nicht automatisch die Absage aller deutschen Volksfeste in diesem Jahr bedeuten“, betont Benno Fabricius, Vorsitzender des Lüneburger Schaustellerverbandes.

Wohl keine Branche verzeichnet vor dem Hintergrund der Corona-Krise einen so langen Verdienstausfall wie das Schaustellergewerbe. „Die letzten Einnahmen hatten wir auf den Weihnachtsmärkten“, sagt Fabricius. Viele in der Branche hätten Soforthilfe des Staates beantragt und auch zum Teil schon bekommen, „aber das reicht nicht, um einen größeren Betrieb über Wasser zu halten“. Schließlich habe man laufende Kosten, von den Versicherungen bis zur laufenden Krediten.

Das Oktoberfest sei allein schon wegen seiner Größe und der mehr als sechs Millionen Besucher einmalig und dürfe deshalb nicht als Maßstab für die Bewertung anderer Feste gelten, betont der Schaustellerverbandschef. „Es ist nicht repräsentativ für die knapp 10 000 anderen Volksfeste, es ist in seiner Einzigartigkeit nicht mit ihnen vergleichbar“, betont Fabricius. Während das Oktoberfest 140 000 Plätze für Besucher aus aller Welt biete, wende sich das klassische deutsche Volksfest an die Einheimischen vor Ort und aus Gäste aus dem nahen Umland und bilde vielerorts den alljährlichen Höhepunkt des lokalen Veranstaltungskalenders.

Daher der eindringliche Appell, die Feste ab Ende August nicht voreilig abzusagen. Sie seien für die Schausteller von existenzieller Bedeutung und für die einheimische Bevölkerung „zentraler Anker ihres gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenlebens“.

Von Thomas Mitzlaff