Dienstag , 29. September 2020
Erstmals seit fast 25 Jahren nisten wieder Weißstörche in Jürgenstorf. (Foto: Düllberg)

Die Rückkehr der Weißstörche

Jürgenstorf. Lange nicht gesehene Sommergäste haben den Weg nach Jürgenstorf gefunden. Heinz Georg Düllberg von der vogelkundlichen Arbeitsgemeinschaft Lüneburg hat in dem Dorf in der Elbmarsch etwas entdeckt, das es seit fast einem Vierteljahrhundert dort nicht mehr gab: Weißstörche. „Nach vielen Jahren ohne Störche scheint sich jetzt wieder ein Paar anzusiedeln, auf einem Mast nahe der Ortsdurchfahrt Richtung Bleckede“, berichtet er.

Zuletzt habe 1997 ein Storchenpaar versucht, zu brüten. Doch es sei bei dem Versuch geblieben, erinnert er sich. Es gab keinen Nachwuchs. „Die beiden neuen Vögel in Jürgenstorf haben wohl noch nicht mit der Brut begonnen, aber sie schnäbeln schon kräftig“, sagt der Ornithologe.

22 Storchenpaare im Landkreis Lüneburg

Auch ein paar Dörfer weiter, um die Ecke in Hittbergen, scheint es ein neues Storchennest zu geben. Ebenfalls auf einem Mast. Dieser befindet sich unweit des Friedhofs. „Der Pfahl steht da schon länger, wurde aber bislang nicht von Störchen als Brutstätte angenommen“, erzählt Düllberg.

Er vermutet, weil ein anderes Nest auf einem Scheunendach an der Dorfstraße seit Jahren besetzt war, die beiden Horste sich dadurch zu nahe waren, Luftlinie nur gut 500 Meter voneinander entfernt. „Doch inzwischen landen auf der Scheune keine Störche mehr. Die einstige Brutstätte ist verlassen. Deshalb glaube ich, dass die Tiere am Friedhof andere sind.“

Hans Georg Düllberg berichtet, dass linkselbisch im Landkreis Lüneburg 22 Storchenpaare Nester bezogen haben. „Das sind rund zwei Drittel aller Störche, die wir hier erwarten können. Im vergangenen Jahr hatten wir insgesamt 36 Paare“, sagt der Vogelfreund.

Erste Küken vielleicht Anfang Mai

Dazu gesellen sich ein und zwei Jahre alte Junggesellen in unbekannter Zahl. „Sie zu zählen, ist unmöglich, weil sie nicht ortsgebunden sind und stattdessen herumvagabundieren. Sie suchen und probieren mögliche künftige Standorte für sich aus.“ Denn erst im Alter von drei Jahren beginnen sie in der Regel, selber zu brüten.

Wann die ersten Küken bei Adebar schlüpfen, weiß Düllberg nicht genau, kann es nur vermuten. „Vielleicht ist es Anfang Mai soweit. Den Auftakt könnte das Paar in Bleckede machen, denn die Störche dort waren schon früh wieder da.“

Insgesamt sei es ohnehin viel zu früh für eine Prognose, wie das Storchenjahr wird. „Es sind ja schließlich noch nicht einmal alle Störche da. Und wie das Nahrungsangebot sein wird für den Nachwuchs, weiß auch noch niemand.“ Aber: „Alles, was über 30 Jungvögel am Ende des Sommers liegt, würde ein gutes Storchenjahr bedeuten.“

Von Stefan Bohlmann