Sonntag , 27. September 2020
Viele Studenten haben derzeit ein leeres Portemonnaie: Ihre Nebenjobs sind dem Coronavirus zum Opfer gefallen. (Foto: t&w)

Kein Geld, kein Studium

Lüneburg. Etwa 2000 Studenten in Lüneburg sind auf einen Nebenjob angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, in ganz Niedersachsen sind es rund 49 000. Viele dieser Jobs in der Gastronomie und im Einzelhandel sind wegen des Coronavirus verloren gegangen. Die Arbeitsgemeinschaft der niedersächsischen Studentenwerke (ARGE) fordert deshalb in einem Brief an Wissenschaftsminister Björn Thümler 19 Millionen Euro als Nothilfefonds für betroffene Studenten.

Unterstützt wird diese Forderung auch vom Studentenwerk Ostniedersachsen. Der Geschäftsführer Sönke Nimz erklärt, dass die 49 000 Studenten im Schnitt monatlich jeweils 385 Euro verdienen, das macht rund 19 Millionen Euro, die nun insgesamt fehlen. Mit dem Geld könnte also erstmal ein Monat überbrückt werden.

Annika Möller (22) aus Lüneburg sieht darin einen guten Ansatz: „Ich finde: Haben oder nicht haben. Wenn man von seinem Nebenjob abhängig ist, ist eine Einmalzahlung besser als gar nichts.“ Die Lehramtsstudentin verdient sich einen Großteil ihres monatlichen Einkommens selbst, wird jedoch zudem von ihren Eltern finanziell unterstützt. „Das ist gerade jetzt ein großes Glück, denn meinen Job im Schuhgeschäft in der Lüneburger Innenstadt kann ich derzeit nicht ausüben. Also fehlen mir 450 Euro, das merkt man schon.“

„Nur wenn Studierende ihr Studium unterbrechen, haben sie Anspruch auf Hartz 4.“ – Sönke Nimz Geschäftsführer des Studentenwerks Nordostniedersachsen

Nimz sieht in der aktuellen Situation vor allem ein Problem: „Die Sorge besteht, dass Studierende ihr Studium abbrechen müssen, wenn jetzt ihr Einkommen wegfällt. Denn nur, wenn sie ihr Studium zumindest unterbrechen, haben sie Anspruch auf Hartz 4. Alternativ müssen sie sich einen Job suchen, der dann nicht unbedingt mit dem Studium vereinbar ist, zum Beispiel in der Landwirtschaft.“

Eins von beidem hätte auch Juliane Ostarhild (28) gedroht, die als studentische Hilfskraft im Schreibzentrum der Leuphana arbeitet und sich dadurch vollständig selbst finanziert. „Als die Kontaktsperre kam, hatten wir schon Sorge: Bekommen wir unser Gehalt weiter bezahlt?“, meint die Kulturwissenschaftsstudentin, für die ihr Nebenjob ihre größte Finanzierungsquelle ist. Sie hatte jedoch Glück: Die Beratungsangebote zum wissenschaftlichen Schreiben finden nun online statt: Finanzielle Einbußen hat sie vorerst nicht.

Ausgleich über das BAföG

Trotzdem kann sie sich gut in die Situation von betroffenen Studenten hineinversetzen und hält eine Unterstützung jener für notwendig. In der Einmalzahlung sieht sie jedoch einen Haken: „Da fehlt mir die Kontinuität. Was bringen mir einmal 385 Euro, wenn ich mir sonst von dem Job mein ganzes Leben finanziere?“ Nimz aber hat die Hoffnung, dass die Mittel am Ende länger als einen Monat reichen: „Wir würden sehen, wie viel Geld tatsächlich abgerufen wird. Schließlich gehen nicht alle der 49 000 Studentenjobs jetzt verloren.“

Zudem verweist er auf die anderen Unterstützungsmöglichkeiten. Ein Weg wäre das Ausnahme-BAföG, das derzeit auf Bundesebene von dem Dachverband der Studentenwerke gefordert wird. Studenten, die keinen eigenen BAföG-Anspruch haben, könnten, wenn sie nachweisen, dass sie durch Corona ihren Job verloren haben und sich jetzt in einer Notlage befinden, für mehrere Monate einen Ausgleich über das BAföG erhalten. „Man könnte dies in der gewohnten Form als Mischung aus Zuschuss und Darlehen anlegen und könnte die bestehende BAföG-Infrastruktur nutzen“, erklärt Nimz den Verfahrensvorschlag.

Das Deutsche Studentenwerk ist gleichzeitig in Verhandlungen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, um eine ähnliche bundesweite Lösung zu schaffen. Sollte diese in Kraft treten, ist vermutlich keine eigene Regelung in Niedersachsen mehr nötig, schätzt Nimz.

Von Lilly von Consbruch