Sonntag , 27. September 2020
Marco Valero spielt Freddy. Dessen Schulfreundin Pia (Clara Apel) engagiert sich gegen den Reeder Feddersen – ausgerechnet Freddys Vater. Foto: ARD/Nicole Manthey

Reicher Reedersohn trifft engagierte Umweltaktivistin

Lüneburg. Er hatte keinen leichten Start: Der neue Schüler in Pias Klasse heißt Friedrich, wahrhaft kein cooler Name, da hilft auch ein betont lässiges „Ihr kön nt Freddy zu mir sagen“ nichts. Als er dann auch gleich noch das vermeintliche Goethe-Zitat des Lehrers als Spruch von Schiller enttarnt, steht das Urteil der neuen Mitschüler fest: „Was für ein Streber!“ – „Der ist bestimmt schwul.“ Nur Pia (Clara Apel) hält nichts von Vorverurteilungen und plädiert dafür, ihm eine Chance zu geben. Die bekommt er – zumindest bei Pia, die ihm einen Deal anbietet: Stadtführung gegen Nachhilfe, der Beginn einer Freundschaft. Auch für Marco Valero ist die Rolle des Freddy eine große Chance.

„Ich habe mich riesig gefreut, als ich im Januar die Zusage von den Roten Rosen bekam“, erzählt der 19-jährige Berliner im Telefoninterview. Nach einem kleinen Auftritt in der RTL-Serie „Nachtschwestern“ ist dies seine erste größere Rolle. Vielleicht hat ihm ja bereits der Besuch des Theaterkindergartens Appetit auf das Schauspiel gemacht? Auf seinen eigenen Wunsch meldete ihn die Mutter schon im Grundschulalter bei einer Agentur an. Den ersten Werbetrailer drehte er als Sechsjähriger.

Wohlbehütetes Muttersöhnchen

Ist Freddy ein Klugscheißer? „Über irgendetwas muss er ja reden“, räumt sein Darsteller ein. Die Mühe, die Freddy sich gibt, um an Pia heranzukommen, findet er rührend. Denn eines ist klar: längst hat er sich in seine neue Mitschülerin verliebt. Das hat auch ihre Mutter Astrid (Claudia Schmutzler) schnell gemerkt. Pia will davon nichts wissen. Nur widerwillig nimmt sie Freddy in ihre Fridays-for-Future-Gruppe auf. Dabei ist es manchmal ganz nützlich, was der Neue so draufhat, beispielsweise die Ökobilanz der Baumwolltasche im Vergleich zur Papier- oder Plastiktüte. Auch den Praktikumsplatz bei Anwalt Torben Lichtenhagen (Joachim Kretzer) verdankt Pia ihrem Mitschüler. Damit will er gutmachen, dass er sie angelogen hat, als er sich als Bluter ausgab – eine Notlüge, die erklären sollte, warum seine Mutter ihn jeden Tag mit dem SUV zur Schule fährt.

Das reiche, wohlbehütete Muttersöhnchen und die selbstbewusste, kämpferische Umweltaktivistin – zwei Welten prallen aufeinander. Richtig kompliziert wird es, als Pia eine Demonstration gegen den Reedereibesitzer Johann Feddersen (Nick Wilder) anzetteln möchte, dessen Kreuzfahrtschiffe sie für Klimakiller hält. Jetzt ist Freddy in der Zwickmühle, denn er muss Pia gestehen: Feddersen ist sein Vater.

Sein Vater stammt aus Kolumbien

In den kommenden Folgen erfahren die Zuschauer mehr über den 16-jährigen Freddy, der nach der Scheidung seiner Eltern mit der Mutter ständig umgezogen ist und somit kein wirkliches Zuhause und keine Freunde hatte. „Kein Wunder, dass er zum Nerd geworden ist“, findet Marco Valero. Von seinem Vater, der nun in Lüneburg auftaucht, wünscht Freddy sich mehr Anerkennung. Ob Pia zwischen den beiden vermitteln kann?

Selbst sieht Marco Valero sich nicht als Überflieger. Sein Vater stammt aus Kolumbien, Spanisch ist seine zweite Muttersprache. Er habe in der Schule immer Französisch lernen wollen, aber der Kurs sei nie zustande gekommen. Entsprechend langweilte er sich dann im Spanischunterricht und hielt Präsentationen, von denen seine Mitschüler nicht viel verstanden. „Da war ich dann vielleicht doch so etwas wie ein Streber,“ räumt er lachend ein.

Er spielt Gitarre und Ukulele

Nach dem Abitur im vergangenen Jahr ließ er es zunächst ruhig angehen. Er absolvierte ein zweimonatiges Praktikum und reiste zwei Wochen durch Europa. Dann kamen auch schon das Casting und die Zusage bei den Rosen. Während der Dreharbeiten fuhr er an den Wochenenden nach Hause, nur einmal blieb er in Lüneburg, um sich die Stadt anzuschauen. „Ich musste unbedingt mal die Brücke aus dem Vorspann sehen! Lüneburg gefällt mir gut und die Leute sind sehr nett hier.“

Die Corona-bedingte Drehpause verbringt er zuhause in Berlin. „Ich nutze die Zeit, um mir darüber Gedanken zu machen, wie es nach dem Engagement bei den Rosen weitergehen soll.“ Eine Schauspielausbildung zu absolvieren, sei auf jeden Fall eine Option. Der 19-Jährige tanzt Ballett und Hip-Hop und spielt Gitarre und Ukulele. Bei einer Musicalproduktion hat er auch schon mitgespielt. „Theater, Film – am liebsten würde ich alles einmal ausprobieren“, gesteht er.

Wie es weitergeht zwischen Freddy und Pia? „Es wird auf jeden Fall noch interessant“, verrät der Nachwuchsdarsteller. Auf die Frage, wie es privat mit der Liebe aussehe, antwortet der 2001 geborene Berliner diplomatisch mit einem Songtitel, der lange vor seiner Zeit geschrieben wurde: „You can’t hurry love!“

Von Ruth Heume