Dienstag , 27. Oktober 2020
Mit einem Abhol- und Lieferservice versucht das Team des Steakhauses Zur Alten Schmiede um Küchenchef Thomas Guhl den Kontakt zu Kunden zu halten. (Foto: t&w)

Mit Mundschutz gemütlich ins Café?

Lüneburg. Sie sind diejenigen, denen aktuell überhaupt keine zeitliche Perspektive aufgezeigt wird. Als Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten am Mittwoch Szenarien für die Öffnungen von Handel und Schulen, und selbst für Großveranstaltungen skizzierten, blieben die Gastronomen außen vor. Restaurants, Kneipen und Cafés bleiben geschlossen, das war die einzige Information. „Eine Überraschung ist das nicht. Uns war schon klar, dass es vorerst bleibt, wie es ist“, sagt dazu Claudia Klamp, Betreiberin des Cafés Zeitgeist. Auch wenn wie Michael Röhm von Röhms Deli einige die leise Hoffnung hatten, dass zumindest eine Außenbestuhlung eingeschränkt wieder genehmigt würde.

Doch Lüneburgs Gastronomen machen sich derzeit nicht nur darüber Gedanken, wie sie die Zeit ohne jegliches Einkommen überstehen sollen, sie sind bereits einen Schritt weiter: Welche Zukunft hat die Gastwirtschaft überhaupt, wenn halbwegs wieder Normalität einkehrt nach der Corona-Krise? „Das Ausgehverhalten wird sich ändern“, da ist sich Claudia Klamp sicher. Denn Gastronomie-Besuche hätten ja immer etwas zu tun mit Geselligkeit, der Wolhlfühlfaktor spiele eine entscheidende Rolle. „Wir aber servieren Lebensmittel, und welchen Eindruck macht das, wenn wir etwa Kaffee und Kuchen mit Mundschutz servieren?“, fragt sich die Zeitgeist-Inhaberin. Sie und ihre Kollegen sind sich im Klaren darüber, dass die nächsten Monate finanziell brutal bleiben, selbst wenn vielleicht im Frühsommer wieder geöffnet werden darf. Denn zum einen dürfen dann wegen der Abstandsregeln wohl nur deutlich weniger Gäste einkehren, zum anderen ist die Frage, wie viele überhaupt noch kommen. „Es wird irgendwann ein Stück Normalität geben, aber das kann dauern“, ergänzt Michael Röhm.

„Gäste werden nicht auf einen Schlag zurückkommen“

„Die Gäste werden ja nicht auf einen Schlag zurückkommen, für viele von ihnen sind es schließlich auch finanziell unsichere Zeiten“, weiß auch Thomas Guhl, Küchenchef im Steakhaus Zur Alten Schmiede. Dort versucht man mit einem Außer-Haus-Verkauf sowie einem Lieferservice den Kontakt zu den Stammkunden zu pflegen, aber finanziell sei das natürlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die aktuelle Situation sei „brutal“, sagt Lutz Stoffregen, Chef der Krone. Und zwar nicht nur für die Betreiber der Betriebe. Auch die Belegschaft, die in einem Niedriglohnsektor tätig ist, trifft die Corona-Krise besonders hart. Denn durch die Kurzarbeit bekommen sie zum einen nur zwei Drittel ihres Lohns, „zum anderen fällt auch das Trinkgeld weg und das ist ein wichtiger Einnahmefaktor“, weiß Claudia Klamp. Für sie ist klar: Das werde ein „knallhartes Rechengeschäft, wer letztlich in der Branche überlebt“. Und da müsse sich auch die Politik Gedanken machen, ob der Wille vorhanden sei, die Gastronomie in der heutigen Form aufrecht zu erhalten und entsprechend zu stützen.

Und wie soll es nun weitergehen in den nächsten Wochen? Einig sind sich die von der LZ befragten Gastwirte, dass ein Zickzack-Kurs bezüglich der Öffnung fatal sei. „Halbe Sachen bringen uns gar nichts“, sagt Holger Klenz, Betreiber des Brauhauses Mälzer. Schon in den Tagen vor der kompletten Schließung habe es ja den Kompromiss gegeben, dass Kneipen bis 18 Uhr öffnen durften. „Das war unter dem Strich ein geringerer Umsatz bei gleichbleibenden laufenden Kosten und brachte gar nichts“. Auch Krone-Wirt Stoffregen erklärt, die eingeschränkten Öffnungszeiten seien „reines Geldverbrennen“ gewesen. „Jetzt wieder aufmachen und dann eine Zwangsschließung würde uns den Rest geben“, warnt Stoffregen vor einem künftigen politischen „Rumgeeiere“. Schon beim letzten Mal habe er große Mengen Waren vernichten müssen.

„Für uns geht es jetzt nur noch darum, die Fallhöhe zu minimieren.“
Claudia Klamp, Inhaberin „Zeitgeist“

Was bleibt, ist für viele zumindest die Hoffnung auf den Sommer. „Wir können im Außenbereich die Tische weiter auseinander stellen, das ist kein Problem“, sagt Holger Klenz vom Mälzer. Und auch in der Alten Schmiede sieht man es angesichts von zwei Ebenen als unproblematisch an, die Abstandsregelungen einhalten zu können – auch wenn es Geschäfte wie bis zu 70 Konfirmations-Reservierungen in diesem Jahr, die allesamt storniert wurden, wohl vorerst nicht mehr geben wird.

Claudia Klamp fasst die Situation der Gastronomen in zwei Sätzen zusammen. „Für uns ist es eine mega schwere Zeit. Und es geht jetzt nur noch darum, die Fallhöhe zu minimieren.“

Von Thomas Mitzlaff