Freitag , 30. Oktober 2020
Kinder und Erwachsene erleben die Corona-Krise unterschiedlich. Deshalb hat die LZ Kinder wie Leif gefragt: „Wie geht’s euch?“ Foto: t&w

Wachbleiben und ausschlafen

Lüneburg. Corona ist für alle eine Belastungsprobe. Aber Kinder erleben den Ausnahmezustand anders als Erwachsene. Es ist langweilig, dafür gibt es viele neue R egeln. Wie sich das nach knapp vier Wochen ohne Schule für sie anfühlt, berichten die Geschwister Insa (10) und Henri (7) aus Lüdershausen und Leif (11) aus Lüneburg.

Wie war das denn, als ihr erfahren habt, dass ihr erstmal nicht mehr in die Schule dürft?
Insa: Bei uns kam eine Durchsage vom Schulleiter, dass wir in die Pausenhalle kommen sollen. Unsere Lehrer haben uns erklärt, dass die Schule ein paar Wochen ausfällt wegen dem Coronavirus.

Wie fandet ihr das, habt ihr euch gefreut?
Leif: Wir fanden es erst alle total cool. Aber dann wurde es schnell langweilig.
Henri: Ich fand es gleich total blöd, weil wir richtig viel aufbekommen haben. Alleine machen die Aufgaben weniger Spaß. Außerdem fand ich die Pausen cool, weil ich mich da immer mit meinen besten Freunden treffen und was spielen konnte.
Insa: Ich fand es erstmal gut, aber dann wurde es richtig langweilig, weil man sich dann ja auch nicht mehr treffen konnte.
Henri: Aber meine Schwester hat wenigstens ein Handy, weil sie schon in der fünften Klasse ist. Ich bin ja erst in der zweiten. Erst durften wir noch andere Kinder sehen aus Lüdershausen, aber immer nur zu zweit. Und jetzt nur noch draußen Fahrrad fahren, mit zwei Metern Sicherheitsabstand.
Insa: Reden geht auch, aber die meisten Spiele nicht. Gestern war ich mit Mama im Dorf. Manchmal dürfen wir auch ans Tablet oder Fernsehen gucken.

Insa und Henri spielen gerade gerne im Garten mit dem Familienhund Rocky. Foto: t&w

Spielt ihr denn jetzt mehr mit euren Geschwistern oder streitet ihr öfter als sonst?
Insa: Beides. Als noch Schule war haben wir uns nicht so viel gesehen. Ich musste morgens schon um 6 Uhr aufstehen und wenn ich acht Stunden hatte, bin ich erst um 16 Uhr nach Hause gekommen, da konnten wir uns gar nicht so viel streiten.
Henri: Wir haben sonst auch immer Fußballtraining, und Insa ist auch bei der Jugendfeuerwehr und ich bei der Kinderfeuerwehr.
Leif: Ich habe drei Brüder, der älteste ist viel draußen, der zweit­älteste spielt am PC. Und der kleine kommt jetzt immer in mein Zimmer und will mit mir spielen, der ist eine ganz schöne Nervensäge… Meistens werfe ich ihn dann raus. Aber ohne die wäre es noch langweiliger. Zum Hockey kann ich jetzt ja auch nicht mehr, das ist blöd.

Was wisst ihr über Corona?
Insa: Das war ganz oft in der Tagesschau, dass in China und in Italien viele Leute das haben und sehr krank sind. Lungenkranke können davon sterben.
Henri: Aber auch Leute, die richtig viel geraucht haben. Ältere und Leute, die schon mal Krebs hatten.
Leif: Viele Begriffe verstehe ich nicht. Ich weiß, dass es eine Lungenkrankheit ist und Großeltern daran sterben können, aber Eltern und Kinder nicht.

Macht ihr euch denn auch Sorgen wegen Corona?
Leif: Wenn ich Corona hätte, fände ich es nicht schlimm: Ich würde einfach im Bett bleiben und warten bis es vorbei ist.
Henri: Ich habe keine Angst, aber ein bisschen um Oma und Opa. Wenn die das bekämen, wäre das schlimm. Opa ist ganz krank und Oma ein bisschen.
Insa: Die Eltern von meinem Papa und meine Tante und meine Cousine wohnen in Bardowick, die können wir jetzt gar nicht mehr sehen. Die darf auch keiner besuchen.
Henri: Unsere Tante kauft aber für sie ein. Die sind schon alt, so 80.

Und wie ist das, dass ihr eure Großeltern nicht sehen könnt?
Henri: Doof, aber dafür rufen wir ganz oft an. Die sind auch traurig und gucken sich viele Bilder von uns an. Mit Opa aus Lüdershausen darf ich noch Fahrrad fahren im Dorf, aber da passen wir ganz doll auf.
Leif: Ich vermisse meine Großeltern in Bremen. Mein Opa hat eine Riesenmodelleisenbahn im Keller und mit denen gehe ich auch gerne ins Museum, dazu hat hier immer keiner Lust.

Ist es schön, dass ihr jetzt mehr Zeit für euch habt, oder ist es nur langweilig?
Alle: Es ist nur langweilig…
Insa: Ich freue mich schon so doll auf die Schule. (Zustimmung von den anderen.) Unsere besten Freunde wohnen in Artlenburg und Adendorf, die können wir erst wieder sehen, wenn Corona weg ist.
Henri: Naja, ich finde es schon ein bisschen gut. Ich darf länger aufbleiben und heute Nacht durfte ich sogar bei Mama und Papa im Bett schlafen. Sonst muss ich immer alleine schlafen, und das finde ich doof. Und wir dürfen auch mehr Fernsehen gucken. Gestern haben Papa und ich was richtig Witziges geguckt, „Das Leben des Brian“. Und wir können länger schlafen.
Leif: Ja das finde ich auch cool, ich schlafe jetzt so bis halb zehn und zocke abends mit meinen Brüdern Videospiele, bis halb elf. Sonst muss ich schon um neun ins Bett. Dass ich nicht in die Schule kann, ist mir egal, aber nur noch in den Garten gehen und Computer ist auf Dauer echt langweilig.
Insa: Am bescheuertsten ist, dass es kein Osterfeuer gab. Da sind alle und man kann richtig gut toben. Dieses Jahr hätte ich das erste Mal mit der Jugendfeuerwehr Süßigkeiten verkauft. Ostern macht viel mehr Spaß, wenn die ganze Familie da ist.
Leif: Wir sind Ostern sonst immer bei der Mutter meines Vaters, die hat einen Riesengarten, da kann man ganz toll Eier suchen. Mit unserer Oma war es immer besser.

Und wie vertragt ihr euch gerade mit euren Eltern?
Insa: Mit denen streiten wir uns auch öfter, weil sie jetzt immer zu Hause sind.
Henri: Meistens über Geräte, weil wir kein Ende finden können. Neulich hat Papa mir sogar das WLAN ausgeschaltet, weil ich noch weiter gucken wollte. Manchmal sind unsere Eltern auch sauer, wenn wir uns anziehen sollen, wir aber lieber noch in Insas Bett bleiben und kuscheln. Mama und Papa streiten sich auch manchmal, aber ich weiß nicht über was.
Leif: Unsere Eltern sind wie immer. Ich glaube, meine Mutter ist sogar weniger gestresst, weil sie uns nicht die ganze Zeit durch die Gegend fahren muss.

Worauf freut ihr euch jetzt am meisten?
Insa: Freunde treffen.
Henri: Fußballtraining.
Leif: Auf meine Hobbies, Hockey und Klavier spielen. Klavier hat mit Videokonferenz keinen Spaß gemacht.

Von Lea Schulze

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