Samstag , 31. Oktober 2020
Serena Bouwer und Thomas Switala (rechts im Bild) mit Serenas Schwester Maya und Farmbesitzer Henner. (Foto: privat)

Im völligen Nirgendwo unterwegs

Lüneburg. Als Serena Bouwer und Thomas Switala vor genau einem Jahr mit einem One-Way-Ticket nach Jamaika zu ihrer Reise rund um den Globus aufbrachen, war die Welt noch eine andere. Die Marketing-Managerin (26) und der Automobilkaufmann (28) wollten damals nicht wie viele ihrer Freunde heiraten, ein Haus bauen und eine Familie gründen, sondern entschieden sich zunächst für einen anderen Weg: Raus aus der Komfortzone und dem deutschen Sicherheitsnetz, Abenteuer erleben, fremde Nationen kennenlernen. Als das Coronavirus sich über alle Kontinente ausbreitete, bekamen die beiden davon in Botswana zunächst wenig mit. Als die Situation dann immer konkreter wurde, entschieden sie sich anders als Deutsche in aller Welt dagegen, in ihre Heimat zurückzukehren. Stattdessen warten sie jetzt auf einer Rinder- und Gästefarm in Namibias Hochland darauf, dass die Pandemie abklingt.

Zeitpunkt für neue Herausforderung war ideal

„Wann, wenn nicht jetzt?“ Diese Frage stellten sich Serena Bouwer und Thomas Switala im Jahr 2019, als der Gedanke einer Weltreise sich immer mehr konkretisierte. „Wir sind beide gut ausgebildet, haben studiert, mehrere Jahre Berufserfahrung und von neuen Herausforderungen kann man schließlich nur lernen und persönlich daran wachsen.“ Also ließen die beiden in Lüneburg alles zurück. Das erste Ziel Jamaika war eher zufällig gewählt, der Flug dorthin war am günstigsten. „Ohne Plan, ohne Route und nur mit einem Zehn-Kilo-Rucksack auf dem Rücken sind wir angekommen“, notiert die 26-Jährige in ihrem Tagebuch.

Die beiden bereisen Zentral- und Südamerika, erleben viele schöne, aber auch schwierige Situationen und ließen sich über die Kontinente treiben. „Wir sind vom vorausplanenden, gewissenhaften Deutschen zum spontanen, offenen und flexiblen Reisenden mutiert, der einfach mal macht“, schildert ihr 28-jähriger Lebensgefährte. „Wir haben gelernt, im Jetzt zu leben und es hundertprozentig auszukosten.“ Es sei ein Gefühl von Freiheit, „von dem wir wissen, dass wir es im geregelten Leben später wahrscheinlich nie wieder fühlen werden können.“

Am 1. Dezember verließen Serena Bouwer und Thomas Switala Südamerika und reisten von Brasilien nach Südafrika, um dort möglichst viele Nationalparks zu besuchen. Für die 26-Jährige ist es eine Reise zurück zu ihren familiären Wurzeln, ihr Vater ist Südafrikaner und ihre Familie wohnt dort sowie in Namibia. Weiter geht es nach Botswana, ins völlige Nirgendwo. Tagelang kein Internet, über die Corona-Pandemie weiß hier niemand Bescheid. Doch Zuhause in Lüneburg bekommt die Mutter mit, dass auch immer mehr afrikanische Länder ihre Grenzen schließen. Sie drängt die beiden jungen Leute dazu, schnell noch nach Namibia zu fahren. Serena Bouwer und Thomas Switala kommen noch mit Mühe durch, bevor auch hier alles abgeriegelt ist.

An Elefantenherden, Giraffen und Affen vorbei erreichen sie schließlich die Farm von Henner Garbade, der mit Serenas Schwester im Khomas Hochland lebt. Dort sollten eigentlich im April die ersten Touristen ins Gästehaus einziehen, doch die Corona-Pandemie macht diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Und so ist es einsam auf 7000 Hektar Grundstück, mit 500 Rindern sowie in freier Natur Zebras, Springböcken, Schakalen und Giraffen.

Ihre Tour wollen die Lüneburger fortsetzen

Zu tun gibt es genug: Übergelaufene Dämme müssen repariert werden, ausgebüxte Rinder wieder eingefangen, Zäune geflickt, Zuchtpferde geritten werden, Möbel für das Gästehaus aufgebaut und die Räumlichkeiten gestrichen werden. Schließlich sollen künftige Touristen sich hier wohlfühlen.

Und auch das ist eine neue Erfahrung: Auf der Farm ist man kompletter Selbstversorger, vom selbst geschlachteten Tier wird vom Fuß bis zum Kopf, vom Haar bis zum Knochen alles verwertet. „Körperlich sind wir sehr aktiv, eine völlig andere Arbeit als in Lüneburg im Büro. Es tut wahnsinnig gut, draußen in der Natur zu sein“, schildert Serena Bouwer.

Noch bis zum 16. Mai gilt das Visum der beiden Weltreisenden für Namibia, wenn möglich, wollen sie dann ihre Tour fortführen. Mosambik steht unter anderem noch auf dem Plan, auch Australien und Neuseeland, um dort auch wieder Geld zu verdienen.

Von Thomas Mitzlaff