Stefan Wabnitz vom Weinfass Wabnitz hofft, dass bald weitere kleine Läden in der Rackerstaße wieder öffnen dürfen. Foto: t&w

Noch Monate bis zur Normalität

Lüneburg. Sie stehen in den Startlöchern – doch die hiesigen Kaufleute rechnen nicht mit einem Sprint von 0 auf 100, wenn sich die Bundeskanzlerin und die Minis terpräsidenten heute tatsächlich auf eine Lockerung der Einschränkungen für die Geschäftswelt einigen sollten. Denn bis wieder Normalität einkehren wird in Lüneburgs Innenstadt, werden wohl noch einige Monate vergehen. Dieses Stimmungsbild zeichneten einmütig Gewerbetreibende, die die LZ am Dienstag zur aktuellen Situation befragte.

„Natürlich hoffen wir, dass es ab nächster Woche weitergeht. Aber nur mit Aufmachen wird es dann nicht getan sein“, sagt etwa Cornelius Schnabel, Inhaber des gleichnamigen Schuhhauses. Die Vorbereitungen für eine Öffnung hat er getroffen, Mundschutz für alle Mitarbeiter ist gekauft, die Trassierbänder, mit denen Kunden in Zeiten der neuen Abstandsregeln in die richtigen Laufwege gelenkt werden sollen, stehen bereit. Doch viele Fragezeichen bleiben. Wie viele Kunden werden wirklich kommen in den nächsten Wochen, werden sich angesichts der Einlassbeschränkungen Warteschlangen bilden? „Uns ist völlig klar, dass ein geregelter Geschäftsablauf nicht möglich sein wird und ein weiteres Umsatzminus vorprogrammiert ist“, sagt Schnabel.

Die logische Folge sei klar: „Wir müssen für den Rest des Jahres neue Wege denken und beschreiten, um unsere Kunden in gewohntem Umfang bedienen zu können. Für Schnabel gehören längere Öffnungszeiten dazu, „auch Sonntage dürfen kein Tabu sein“. Er selbst hat schon Modelle durchgespielt, „man könnte auch darüber nachdenken, die Mitarbeiter in zwei Schichten arbeiten zu lassen“.

Geschäfte rüsten sich für verschiedene Szenarien

Problematisch dürfte es gerade in kleineren Geschäften mit intensiver Kundenberatung werden, weiß auch Florian Rollert, der in vierter Generation das Juweliergeschäft Süpke betreibt. Aufgrund der geringen Quadratmeterzahl dürfen sich gerade einmal eine Handvoll Personen zeitgleich im Verkaufsraum aufhalten. Vor der verordneten Corona-Schließung beriet nicht selten ein halbes Dutzend Mitarbeiter gleichzeitig die Kunden, doch das wäre womöglich nach den neuen Vorgaben schon deutlich über dem Limit. „Mein Team ist aber bislang immer sehr flexibel gewesen, da finden wir schon gute Lösungen“, ist sich Rollert sicher. Von der Belegschaft habe er schon das Signal bekommen, dass man die Arbeit vermisse, „wir könnten auch sehr kurzfristig wieder hochfahren“, sagt er.

Einer, der schon wieder geöffnet hat, wartet auch voller Spannung auf die Resultate der heutigen Runde. Stefan Wabnitz darf an der Rackerstraße weiter Wein verkaufen, während alle anderen Geschäfte im Umkreis geschlossen haben. Eine Handvoll Kunden hat er vormittags, am Nachmittag kommt meist keiner mehr. „Ich hoffe, dass vor allem von den kleineren Läden bald ein paar mehr aufmachen dürfen, damit hier ein bisschen mehr Leben in der Straße ist“, wünscht er sich. Die Abstandsregel hätten die meisten Kunden mittlerweile verinnerlicht, sagt Wabnitz: „In meinem relativ großen Geschäft ist das auch praktikabel, man muss sehen, was die kleineren für Lösungen finden.“

„Wir werden uns natürlich an alle Vorgaben halten"

„Natürlich möchte jeder so schnell wie möglich aufmachen. Aber an erster Stelle steht natürlich die Gesundheit aller“, betont Heiko Meyer, Vorsitzender des Lüneburger City Managements (LCM). Er bescheinigt der Bundesregierung, in Sachen Corona einen guten Job zu machen, „man sieht ja, wie die Zahl der Neuinfektionen verlangsamt wurde“. Daher verlasse er sich auch darauf, dass entsprechend abgestuft und differenziert die Vorgaben für eine schrittweise Wiedereröffnung der Geschäfte getroffen werden. „Es ist natürlich ein Unterschied, ob man Schmuck verkauft oder jemand sich zur Probe einen Pullover überstreift, den dann drei Minuten später der nächste anprobiert“, betont Meyer.

„Ich hoffe, dass die Politik mit Unterstützung der Fachleute das Richtige entscheidet“, sagt auch Jan Orthey von Lünebuch. „Wir werden uns natürlich an alle Vorgaben halten, schließlich geht es in erster Linie um Menschenleben und nicht um Umsatz.“ Er könne sein Geschäft relativ schnell wieder hochfahren, „wir haben den Vorteil einer großen Fläche und die Regale sind voll“. Nichts wäre aber schlimmer als die vorschnelle Aufhebung aller Beschränkungen, die die Fall- und Todeszahlen in die Höhe schnellen ließe und einen weiteren Shutdown nötig mache, findet der Buchhändler.

Von Thomas Mitzlaff

 

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