Montag , 21. September 2020
Renald Morié (2. v.l.) übergab mit Tim Perlepes und Nina Vogt aus dem 11. Jahrgang das Paket mit dem Kartenstapel an Klinikum-Geschäftsführer Dr. Michael Moormann. Foto: t&w

„Es gibt hier eine große Spannung“

Lüneburg. Es ist eine Situation, die fast bizarr anmutet: Während die Medien voll sind mit Berichten von Krankenhäusern am Limit, herrscht im Lüneburger Klinikum eine geradezu unheimliche Ruhe. Nur 60 Prozent der Betten sind belegt, dazu kommt ein generelles Besuchsverbot. Entsprechend leer ist es auf den Gängen. „Aber es gibt hier eine unglaubliche Spannung, weil schlagartig alles anders sein kann. Deshalb finde ich diese Aktion gerade jetzt so großartig“, sagt Dr. Michael Moormann.

Gymnasiasten wollen ein Zeichen der Solidarität setzen

Der Geschäftsführer des Klinikums ist vor den Haupteingang gekommen, um Tim Perlepes und Nina Vogt aus der Jahrgangsstufe 11 sowie Schulpastor Renald Morie zu begrüßen – auch für das Trio von der Herderschule ist der Eintritt in diesen Wochen nicht gestattet. Die drei überreichen im Auftrag von 125 Schülern verschiedener Lerngruppen einen Karton mit 333 Dankeskarten. „Es war uns ein Bedürfnis, dieses Zeichen der Solidarität zu setzen“, sagt Morie.

Die Kinder und Jugendlichen haben überlegt, wie sie den Pflegekräften und Ärzten des Klinikums für ihren unermüdlichen Einsatz Danke sagen können. Herausgekommen sind 333 individuell und bunt gestaltete Karten mit den Gedanken der Schüler. „Ich danke dir für dein Dasein und deine unfassbar wichtige Arbeit, die du Tag für Tag meisterst!“, schreibt eine Schülerin. „Ich sende dir hiermit eine riesengroße Portion Dankbarkeit, Kraft und Liebe!“

Es sind Ermutigungen, die das Personal derzeit gut gebrauchen kann, ist Moormann überzeugt. Momentan gibt es nur wenige Covid 19-Patienten im Klinikum, „doch wir können ganz schnell überlaufen“. Die große Sorge sei es, dass wie jüngst in Amt Neuhaus ein Seniorenheim von einer Corona-Infektion betroffen sein könnte. „Die Bewohner stecken sich dann ganz schnell an, es gibt viele schwere Krankheitsverläufe und es ist dann übervoll bei uns“, zeichnet der Geschäftsführer ein mögliches Szenario. Dann reicht womöglich auch die Aufstockung von 15 auf 38 Intensivbetten, die allesamt mit Beatmungsgeräten ausgestattet sind, nicht aus.

Nach der Krise wartet ein Berg an Operationen

Bis dahin aber herrscht gespannte Ruhe. Der reguläre Krankenhausbetrieb muss natürlich auch weitergehen. Alle aufschiebbaren Operationen wurden vorerst abgesagt. „Wir bauen eine riesige Bugwelle auf, die wir nach der Covid 19-Welle wieder abbauen müssen. Dann ist aber eigentlich auch unser Personal urlaubsreif“, schildert Moormann die Problematik, die in einigen Monaten auf das Lüneburger Klinikum zukommt.

Die Danke-Karten der Herderschüler sollen nun auf den einzelnen Station des Krankenhauses als „Mutmacher“ verteilt und aufgehängt werden. Doch die Jugendlichen haben noch eine eitere Botschaft: Sie wollen die Aktion als Impuls verstanden wissen, die politischen Rahmenbedingungen für eine deutlich bessere Bezahlung der Menschen im Gesundheitswesen zu gewährleisten.

Von Thomas Mitzlaff