Donnerstag , 13. August 2020
Claus Dieter Clausnitzer hockt in seiner Gartenlaube, die ihm bei den Rosen in seiner Rolle als Hannes Lüder als Zuhause dient. Hier repariert er Schuhe oder macht Musik. Foto: be

Für den BVB immer nach Hause

Lüneburg. Er gehört zweifellos zu den bekanntesten Gesichtern und beliebtesten Darstellern der Roten Rosen. Auf Theaterbühnen in ganz Deutschland, Österreich un d der Schweiz hat er gespielt, in zahlreichen Serien, Filmen und auch in Comedy-Formaten war er im TV zu sehen, den allermeisten ist Claus Dieter Clausnitzer aber bekannt als „Vadder“ Thiel aus dem Münsteraner Tatort, der skurrile Alt-Achtundsechziger, der als stets klammer und kiffender Taxifahrer ein ums andere Mal seinen Sohn, Kommissar Frank Thiel, in die Bedrouille bringt. Eine „echte Type“ wie im Tatort spielt der 83-jährige Clausnitzer auch bei den Rosen – Hannes Lüder, den buddhistisch angehauchten Schuhmacher, der als Witwer in einer Gartenlaube haust. Im Interview mit der LZ sprach Clausnitzer …

…über Heimat: „Ich lebe seit 1976 im Ruhrgebiet und bin dort heimisch geworden. Am Theater Dortmund war ich 34 Jahre engagiert und habe als Gast auch auf anderen Bühnen in NRW gespielt. Was heißt Heimat? Ich bin in Saarbrücken geboren, in Erlangen aufgewachsen und habe meine Sturm- und Drangzeit in München erlebt. Übrigens verbringe ich seit 20 Jahren auch viel Zeit auf Lombok, einer kleine Nachbarinsel von Bali mit wenig Tourismus und viel Natur.“

…über den Beginn seiner Schaupielkarriere: „Nach der Schauspielschule in München habe ich am dortigen Staatstheater angefangen, am Resi, mit Stückverträgen. Wir waren eine tolle Clique: Studententheater mit Otto Sander, Gila von Weitershausen, Martin Lüttge und Wichard von Roell, der später bei Klimbim den Großvater spielte. Nach München ging es unter anderem weiter über St. Gallen in der Schweiz, Tübingen und Göttingen nach Bremen.“

…über Arbeit im fortgeschrittenen Alter: „Mal ein Hörspiel, diverse Lesungen und die Produktion der Reihe ,Zeitzeichen‘ beim WDR lassen sich noch einplanen, aber regelmäßig Theater spielen, das geht zeitlich nicht mehr. Verschiedene TV-Produktionen ja, aber so richtig fest ,verbandelt‘ bin ich seit zig Jahren mit Tatort Münster und Rote Rosen – warum sollte ich aufhören? So lange mich das Publikum sehen mag, bin ich dabei, kein Thema!“

…über Lüneburg: „Wenn ich hier drehe, habe ich eine Ferienwohnung. Inzwischen wohnt meine Frau mit hier, sie fühlt sich auch wohl in Lüneburg. Ein paar Lieblingslokale – Pizza und Fisch – gibt‘s schon und ich weiß auch, wo ich Spargel und Erdbeeren direkt am Hof kaufen kann, doch am Wochenende geht‘s meistens ab nach Dortmund: Ich habe eine Dauerkarte beim BVB.“

…über die Kollegen beim Münster-Tatort: „Eine tolle Truppe. Nadeshda ist ja künftig leider nicht mehr dabei. In unserem Team der drei Mädels und drei Buben, wie ich immer sage, war sie von Anfang an dabei. Für Nadeshda kommt jetzt ein junger Mann, Björn Meier, der schon mal die Urlaubsvertretung für sie gemacht hat und außerdem sehr gut Kaffee kochen kann.“

…über Projekte abseits von Rosen und Tatort: „Nächstes Jahr im Juni präsentieren die Dortmunder Philharmoniker den Sommernachtstraum von Mendelssohn Bartholdy und ich erzähle frei nach Shakespeare die Geschichte. Letzten Sommer war ich mit Professor Ingo Reihl und seinem jungen Orchester NRW in verschiedenen Städten damit unterwegs, hat uns allen viel Spaß gemacht.“

…über Tee wie Hannes Lüder oder einen Joint wie Vadder Thiel: (grinst) „Einen Joint.“

Eine Instagram-Story finden Sie in den „Highlights“ auf instagram.com/landeszeitung.

Von Alexander Hempelmann