Mit Ausblick: Die Lüneburgerin Helena von der Heide mit Tochter Ariane müssen bis auf weiteres in der Schweiz bleiben. Foto: privat

Klimafasten im Exil

Lüneburg/Fällanden. Ich halte Klimaschutz für sehr wichtig, und ich war mir sicher, dass wir in der App „Ein guter Tag hat 100 Punkte“, die den individuellen CO ₂-Ausstoß in Punkte umrechnet, eine ganz vorbildliche Punktzahl erreichen würden: Wir leben zu zweit, gehen zu 90 Prozent zu Fuss, sonst mit Bus und Bahn. Unseren Konsum versuche ich möglichst gering zu halten.

Es folgte eine böse Überraschung: Mehr als 200 CO₂-Punkte pro Tag verbrauchen wir laut App, ein ökologischer Lebensstil erlaubt aber maximal 100. Also beschloss ich, an der LZ-Klimafastenwoche teilzunehmen und zu versuchen, Punkte einzusparen. Geplant war die Teilnahme zu Hause in Lüneburg. Doch seit Ende Februar sind wir zu Besuch in der Schweiz, dank Corona bleiben wir auch erstmal dort.

Tag 1

...startet unspektaulär. Wir bleiben brav überwiegend zu Hause. Nur ein Spaziergang im angrenzenden Wald am Nachmittag ist drin, mit dem Rad geht es in einen der Hofläden in der Nähe. Kartoffeln, Eier, Zwiebeln, Möhren aus Lagerware. Ansonsten wird zu Hause gemalt, gespielt und gelesen. Meine Tochter protestiert schon einige Zeit dagegen, Pampers zu tragen. Also üben wir es ohne und es klappt erstaunlich gut. Zur Sicherheit gibt es eine Stoffwindel, die sie wohl nicht als solche ansieht. Sie wird geduldet.

Tag 2

...beginnt mit Haferbrei, Apfel und Hafermilch. Heute muss kein Einkauf erledigt werden. Duschgel und Shampoo sind ausgetauscht gegen Tonerde. Diese wird mit Wasser vermischt, macht eine richtige Schweinerei und funktioniert erstaunlich gut. Genauso wie mehrfach verwendbare Wattestäbchen. Eine Möglichkeit, über die Zeit viel Müll einzusparen.

Tag 3

...widme ich dem Haushalt. In der Vergangenheit hatte ich mindestens einen Badreiniger, einen für die Küche, Fensterputzmittel und einen Fussbodenreiniger. Nun habe ich einen biologisch abbaubaren Allzweckreiniger (sogar zum Händewaschen geeignet) gefunden, laut Herstellerangaben in einer Kunststoffflasche aus Recycle-Plastik. Und tatsächlich, da man eine Lösung herstellt ist er sehr ergiebig, riecht kaum, es wird alles sauber, Fenster, Fliesen, Küche, Bad.

Tag 4

...und wir haben schon zwei Pakete Einmalwaschlappen für meine Tochter eingespart. Wir nutzen diese Woche ausschließlich waschbare Baumwolltücher, mit abgekochtem Wasser als wiederverwendbare Feuchttücher. Zu Fuß geht es heute durch den Wald und eine kleine Schlucht, an einem rauschenden Bach entlang hinunter ins Dorf. Hafermilch ist dort leider ausverkauft, Bio-Eier aus der Region bekomme ich aber sofort. Unverpacktes saisonales Gemüse auch, dazu Dinkelbrot vom Bäcker. Eigene Tüten oder Behälter? Wegen Corona verboten. Für meine Tochter gibt es heute zum Gemüse Frikadellen aus der Dorfschlachterei. Sie haben Fleisch aus der Region und auch noch richtige Schlachttage, „Metzgete“ genannt.

Tag 5

... ist ein Sonntag. Wir färben ausgepustete Eier. Mit Kurkuma werden sie gelb – den hatte ich noch. So wie die Fingerfarbe, damit durfte dann meine Tochter ans Ei. Nach zwei Eiern, die sehr schön geworden sind, ist die Begeisterung dann aber vorbei. Eine Freundin bringt mich auf selbstgemachte Knete aus Mehl, Wasser und Öl. Das bereitete Ariane viel Spaß. Und zur Feier des Tages gibt es (für mich) einen Hafermilchkakao. Der hat eine sehr schlechte Ökobilanz, war aber noch im Schrank – wegschmeißen sollte man ihn deshalb nicht. Ansonsten gibt es die Woche nur Leitungswasser.

Tag 6

... und wir haben schon eine sehr gute Pampersbilanz. Nur noch eine konventionelle Plastikwindel zur Nacht, mehr nicht. Anfangs hatten wir einen Verbrauch von einem halben Dutzend Windeln in 24 Stunden, dazu noch Einmaltücher. Ein wahnsinniger Müllberg. Zu Beginn der Klimafastenwoche waren es dann noch etwa drei Windeln, vor allem unterwegs. Jetzt eben nur noch eine. Da wir nicht alle Kleidungsstücke unserer Tochter aus Lüneburg in die Schweiz mitgenommen haben, gucke ich nach Kleinanzeigen. Second Hand ist ökologisch, klimafreundlich und natürlich auch günstiger.

Tag 7

... beginnt mal wieder mit einem kleinen Einkauf mit dem Rad. Toilettenpapier, Mehl, Hafermilch, alles da. Zum Frühstück gibt es für Ariane ein Brötchen vom Bäcker auf die Hand. Mit einer Zange und genügend Abstand gereicht, Hände später desinfiziert. Wieder zurück beginnt unser Waschtag. Mit Pulverwaschmittel in ergiebiger Menge im Pappkarton, anstelle des Flüssigwaschmittels in der Plastikflasche. Kurz hatte ich überlegt Waschmittel selbst herzustellen, im Internet gibt es verschiedene Rezepte. Da es wohl aber auch Risiken gibt, habe ich lieber davon abgesehen.

Fazit

Die Woche war recht schnell um. Unsere Müllproduktion konnten wir deutlich reduzieren. Alleine schon durch die Windeln. Die Coronasituation hat es mir etwas leichter gemacht. Die persönliche Mobilität ist reduziert. Man kauft nicht mehr „nebenbei“ ein, sondern plant ganz anders, damit man nicht täglich losgehen muss. Ich persönlich habe auch weniger aufwändig gekocht als sonst. In den Geschäften gibt es nur noch Lebensmittel und den allernötigsten Bedarf. Alles übrige ist mit Folien oder Absperrbändern abgetrennt und unverkäuflich. Somit reduziert sich automatisch der Konsum. Laut App-Berechnung konnten wir insgesamt 54 Punkte pro Person und Tag einsparen.

Von Helena von der Heide

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