Montag , 28. September 2020
Die Blumenverkäufer des Wochenmarktes haben ihre Stände in der Innenstadt verteilt aufgebaut und konnten so die Lüneburger mit Ostersträußen versorgen. (Foto: ca)

Lüneburg: Blumenverkäufer zufrieden – trotz Marktverbot

Lüneburg. Die Solidarität der Kunden ist da: Obwohl die Blumenstände des Wochenmarktes über die Innenstadt verteilt wurden, fanden die Lüneburger den Weg, um einen Osterstrauß oder Pflanzen für den Garten zu kaufen. „Wir sind zufrieden“, sagt Cord Wöhnecke, der seinen Stand an der Münze in Höhe des Scala-Kinos aufgebaut hatte. „Aber wir hatten auch keine andere Chance.“ Der Vorsitzende der Marktbeschicker ist froh, dass er mit Landkreis und Stadt den Kompromiss aushandeln konnte. „Von den Leuten bekommen wir nur positive Resonanz auf unsere Aktion von Mittwoch. Und sie freuen sich, dass sie uns doch in der Stadt finden.“

Wie berichtet, hatte das Land angeordnet, dass aufgrund des zu erwartenden Andrangs Gärtnereibetriebe von den Wochenmärkten verschwinden müssen. Wöhnecke und eine Handvoll weiterer Kollegen stellt das vor existenzielle Nöte: Ostern gehört zu den umsatzstärksten Tagen im Jahr. In ihren Treibhäusern züchten die die Bauern ihre Pflanzen sozusagen termingenau. Um darauf aufmerksam zu machen, hatten Wöhnecke und seine Mitstreiter am Mittwoch symbolisch einen Sarg auf dem Markt abgestellt – ihr Berufsstand vor dem Exitus. Die eilens herbeigeeilte Polizei beendet die Veranstaltung – Infektionsschutz contra Demonstration.

Während Oberbürgermeister Ulrich Mädge angeboten hatte, dass die Gärtner auf den Marienplatz ausweichen und dort quasi luftig aufbauen dürfen, hatte Landrat Jens Böther das abgelehnt: Es sei trotzdem ein Markt. Das habe Hannover nicht erlaubt. Nun also der Umweg über einen „Hofverkauf“, der sei mit den Vorgaben vereinbar.

Kunden reagieren mit Unverständnis

Der vom Sozialministerium befürchtete Massenansturm blieb jedoch zumindest in Lüneburg aus. Die Kunden standen mit Abstand an, um etwa Gurkenpfanzen und Osterglocken zu kaufen. In den Schlangen und an den Ständen schüttelten viele den Kopf, Tenor: Warum dürfen Baumärkte Pflanzen verkaufen und die Blumenläden wieder öffnen, aber die Marktleute haben diese Probleme?

Dirk Meyer aus Stove, mit Gemüse auf dem Marktplatz vertreten, hatte seine Außenstelle am Alten Kran aufgebaut. Er sagte auf dem Markt: „Die Leute kommen. Aber wir hören auch, wenn wir das empfehlen, zum Kran zu gehen: ‚Da jetzt hinlaufen.‘ Die Lösung der Stadt mit einem zentralen Punkt wäre besser gewesen. Der Oberbürgermeister hat mit dem Marienplatz für uns gekämpft. Wir verkaufen etwas, das ist besser als nichts. Aber nicht optimal.“

Auch auf dem Sand, wo es Setzlinge und Kräuter gab, und am Liebesgrund, landeten Pflanzen und Blumen in den Einkaufskörben.

Ein anderer Eindruck an Corona-Ostern: Der Wochenmarkt wirkt wie ein Magnet in der Stadt. Offenbar wollen die Bürger diesen Hauch von Normalität nicht missen. So waren viele Menschen mit einem Kaffee im Pappbecher zu sehen. Auf Abstand im Gespräch, sitzend auf den Stufen des Landgerichts. Gut zu tun hatte auch Schlachter Meier am Berge: Schaschlik, Schnitzel und Bratwurst waren gefragt – Schlange stehen im Freien und in der Sonne.

Der Vorsitzende der Marktbeschicker, Cord Wöhnecke. (Foto: ca)
Wöhneckes Blumenstand, jetzt An der Münze stationiert. (Foto: ca)
Auch hier am alten Kran können Kunden heute Blumen kaufen. (Foto: ca)

Von Carlo Eggeling