Sonntag , 27. September 2020
Fast 95 Prozent der rund 1600 Lehrveranstaltungen der Leuphana Universität finden nun online statt. Foto: t&w

Studieren mit virtuellen Flipcharts und Gruppenchats

Lüneburg. Während viele Universitäten in Deutschland den Semesterbeginn wegen Corona um mehrere Wochen verschieben, bleibt die Leuphana im Zeitplan. Das Sommers emester ist in dieser Woche mit einem umfangreichen digitalen Angebot gestartet: Fast 95 Prozent der rund 1600 Lehrveranstaltungen finden nun online statt.

„Für uns war klar: Online heißt nicht einfach, den Studenten Aufgaben zu stellen und sie dann sich selbst zu überlassen“, betont Matthias Barth, Professor für Sachunterricht und ehemaliger Dekan der Fakultät Nachhaltigkeit. Statt Vorlesungen soll es nun Videokonferenzen geben, an die Stelle von Seminaren treten virtuelle Arbeitsgruppen. „Man kann zum Beispiel mit 30 Leuten in einer Konferenz sein“, erklärt Barth das Prozedere, „und dann kann ich die Studenten in sechs Gruppen einteilen, die dann sozusagen in einen eigenen virtuellen Raum eintreten. Wenn sie mir ein Zeichen geben, kann ich diesem Raum ebenfalls beitreten. So kann ich zwischen den Arbeitsgruppen hin und her wechseln, wie ich sonst von Tisch zu Tisch gehe.“

Außerdem haben sich die Lehrenden mit virtuellen Flipcharts vertraut gemacht, „sodass die Studenten auch online ihre Gedanken ordnen und teilen können“. Zudem soll es Möglichkeiten geben, gemeinsam in einem Dokument zu arbeiten und in Gruppenchats zu diskutieren.

Die Herausforderung: Niemanden überrollen

Organisiert und koordiniert wurde all das vom Lehrservice der Universität, der von Julia Webersik geleitet wird. „Die Herausforderung war, alle Lehrenden in diesem Prozess mitzunehmen“, erklärt Webersik. Da jeder unterschiedliche Kenntnisse von digitalen Werkzeugen und Programmen besitze, sei es wichtig gewesen, niemanden zu überrollen.

Unterstützt wurden die Dozenten dabei von einem Support-Team, das alle Fragen zum Thema Digitale Lehre beantworten sowie Ideen vermitteln und den Austausch zwischen den Fakultäten fördern konnte. Auch für Studenten gab es eine zentrale Anlaufstelle, außerdem erklärt Daryoush Danaii, Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), dass sie in regelmäßigen Telefonaten mit in den Prozess einbezogen wurden.

Allerdings hätten sie sich eine Testphase für die Studenten gewünscht, da einige Probleme in der digitalen Lehre lauern: „Ob es die Internetkapazität ist, die in einer 6er-WG stark überlastet wird, oder die fehlende Hardware, um überhaupt teilzunehmen. Wir hätten uns von der Uni an dieser Stelle mehr Bemühungen gewünscht, den Studenten zu helfen, beispielsweise durch die Bereitstellung von Laptops oder LAN zu USB-Adaptern.“

AStA sieht neue Probleme im Unialltag

Der AStA ist froh, dass sich die Uni den Umständen so schnell angepasst hat und die Studenten die Möglichkeit bekommen, weiter zu studieren. Er sieht jedoch „aktuell eher mehr und neue Probleme auf den Universitätsalltag zukommen“, da sich erst zeigen müsse, wie gut die Universitätsgemeinschaft mit den neuen Bedingungen umgehen kann.

Auch Barth betont, dass es jederzeit möglich sei, die digitale Lehre wieder in eine Präsenzveranstaltung umzuwandeln – wenn die Umstände dies hergeben. Zwar sei die Krise eine Chance, da die Universität viel Neues ausprobieren könne. Dennoch sei die Leuphana nicht ohne Grund eine überzeugte Präsenzuniversität. Barth: „Das hier wird uns einen größeren Schub geben, als jedes Digitalisierungsprojekt es je gekonnt hätte, aber wir werden auch Vorteile der Präsenzlehre zu schätzen lernen.“

Von Lilly von Consbruch