Donnerstag , 22. Oktober 2020
100 Zimmer auf bis zu sechs Vollgeschossen mit einer direkten Verbindung zur Sauna- und Badelandschaft waren geplant. Foto: phs

„Ein dramatischer Zustand“

Bad Bevensen. Der Traum von einem Thermenhotel in Bad Bevensen – noch Anfang März sah es aus, als würde er schon bald in Erfüllung gehen. Doch inzwischen ist klar: Auch im zweiten Anlauf wird daraus nichts. Die Investoren haben einen Rückzieher gemacht – wegen der Corona-Krise, wie Stadtdirektor Martin Feller mitteilt. Für die Kurstadt ein harter Schlag in ohnehin schon angespannten Zeiten.

Eigentlich sollte im April ein erster Vertrag mit einem der beiden Investoren geschlossen werden. Doch es kam anders: Im Rathaus gingen ein Anruf und ein Schreiben ein, mit denen die Bewerber unerwartet ihren Rücktritt von dem Millionen-Projekt verkündeten. Zur Erklärung habe es laut Feller geheißen, dass eine derartige Investition vor dem Hintergrund der Corona-Krise „nicht zeitgemäß“ sei. „Ein Investor hat mir am Telefon gesagt, er sehe Investitionen in den Tourismus auf bis zu zwei Jahre tot.“

Vorhaben konkretisierte sich im Jahr 2016

Das Hotel sollte als drittes Glied neben Kurhaus und Therme entstehen: 100 Zimmer auf bis zu sechs Vollgeschossen mit einer direkten Verbindung zur Sauna- und Badelandschaft waren geplant. Die Idee kursierte schon länger in Bad Bevensen. Konkret wurde das Vorhaben, als 2016 das neue Kurhaus stand. Damals habe man erstmals einer Investorengruppe das exklusive Recht für die Planung des Projekts eingeräumt, schildert Feller das Vorgehen. Doch die Ergebnisse seien zu weit vom Ursprungsentwurf abgewichen. Die Zusammenarbeit scheiterte.

Dass die Projektvergabe nun erneut platzen würde, damit hatte Feller nicht gerechnet. „Aber es passt zu dem, was im Moment in Bad Bevensen passiert.“ Der Tourismus ist der größte Wirtschaftsfaktor der Stadt, doch Hotels und Gaststätten brechen aufgrund der Corona-Pandemie die Umsätze weg. „Für Bad Bevensen ist das wirklich ein dramatischer Zustand“, sagt Feller.

Schon länger befinde sich die Branche in einem Strukturwandel: In den zurückliegenden Jahren habe die Kurstadt viele Betten verloren, Hotels wurden geschlossen. Der Stadtdirektor hat sich umgehört: Betriebe, die schon vor der Krise in Schwierigkeiten waren, stünden jetzt vor der Entscheidung: Weitermachen oder aufgeben?

„Ich glaube, dass die Corona-Krise für uns dennoch auch eine Chance birgt.“ – Martin Feller, Stadtdirektor

Den Traum vom Thermenhotel jedenfalls will Feller noch nicht zu den Akten legen. Der Standort an Kurpark und Jod-Sole-Therme sei ideal. „Und ich glaube, dass die Corona-Krise für uns durchaus auch eine Chance birgt.“ Feller rechnet schon bald mit einem Aufschwung für den Natur- und Gesundheitstourismus. „Man muss sich vorstellen: Da sitzen Menschen auf Kreuzfahrtschiffen mit 2500 Leuten, die Urlauber infizieren sich gegenseitig und kommen da nicht weg. Ich glaube, das wird noch sehr, sehr lange nachwirken.“

In der Folge würden die Menschen ihre Urlaube wohl künftig vor allem an sicheren und schnell erreichbaren Orten verbringen wollen. Feller geht darum davon aus, dass die Verwaltung die Investorensuche für das Thermenhotel in spätestens zwei Jahren wieder anschieben wird.

Von Anna Petersen