Sonntag , 27. September 2020
Fröhliche Volksfeste, für die Benno Fabricius Spezialist ist, liegen derzeit noch in weiter Ferne. Foto: A/be

Corona tritt auf die Spaß-Bremse

Lüneburg. „Wir sind seit dem Ende der Weihnachtsmärkte ohne jegliches Einkommen.“ Für Benno Fabricius ist klar: Kaum eine Branche trifft der Stillstand des öff entlichen Lebens so hart wie die Schausteller. Den Jahresbeginn nutzten die Betreiber von Karussells und Buden für Instandhaltungsarbeiten, im März startet die Saison dann normalerweise mit den ersten Volksfesten – nur in diesem Jahr ist alles anders. „Das ist schon eine Extremsituation“, sagt der Vorsitzende des Schausteller-Verbandes Lüneburg.

Davon können auch die Mantaus, eine Schausteller-Familie seit mehreren Generationen, ein Lied singen. „Mein Sohn Roman hat kürzlich einen neuen Autoscooter gekauft und dafür einen Kredit aufgenommen“, schildert Helma Mantau. Das Fahrgeschäft stand am 12. März bereits fertig aufgestellt auf dem Jahrmarkt im schleswig-holsteinischen Heide, einen Tag später sollte es losgehen. Doch in letzter Minute wurde das Volksfest noch abgesagt – seitdem ist der Autoscooter eingemottet. Eingefahren hat er noch nicht einen Euro, doch die monatlichen Kreditraten laufen weiter.

„Ich setze einfach die Hoffnung darauf, dass die Menschen nach der Krise wieder unbeschwert Zeit miteinander verbringen wollen.“ – Schausteller-Cheff Benno Fabricius

Die Mantaus hoffen jetzt auf Staatshilfen. Denn auch für die nächsten Monate sieht es nicht gut aus: Der Hamburger Frühlings-Dom, der über vier Wochen Einnahmen versprochen hätte, wurde ebenso abgesagt wie der Hamburger Hafengeburtstag im Mai, immerhin das weltweit größte Hafenfest. Für die Mantaus gibt es derzeit daher nur ein Motto: Wir bleiben zu Hause.

Das tut weitgehend auch Benno Fabricius, der mehrere mobile gastronomische Betriebe sowie Imbisse betreibt. Das Personal hat in den Hallen noch alle Wartungsarbeiten durchgeführt, jetzt hat der Schausteller Kurzarbeit für sie beantragt. Auch Fabricius hätte mit seiner „Bauernschänke“ eigentlich auf dem Hamburger Dom gestanden, jetzt hofft er auf das Lüneburger Stadtfest Mitte Juni. „Ich setze einfach die Hoffnung darauf, dass die Menschen nach der Krise wieder unbeschwert Zeit miteinander verbringen wollen und was gibt es da Schöneres als ein Volksfest!“

Es bleibt der Besuch im Wildpark Lüneburger Heide

Eine weitere Idee zur Freizeitgestaltung nach der Krise hat Alexander Tietz: Ein Besuch des Wildparks Lüneburger Heide in Nindorf, dessen Geschäftsführer er ist. „Ein Rundgang bei uns ist ja ein Spaziergang durch die pure Natur“, sagt Tietz. Und angesichts einer Parkfläche von 70 Hektar komme man sich auch nicht in die Quere. Aktuell ist der Betrieb heruntergefahren, eine so lange Schließung hat es in der 50-jährigen Geschichte des Parks noch nicht gegeben.

Bis zu 150 Beschäftigte zählt der Wildpark in der Sommersaison normalerweise, derzeit sind es weniger. Und die nutzen die Zeit, um etwa das Wolfsgehege fertigzustellen und den Spielplatz sowie das Polarfuchsgehege zu erweitern. Angesichts der von behördlicher Seite verordneten Schließung hat der Park Anspruch auf staatliche Finanzhilfen, „aber wir hoffen natürlich, dass es bald nach Ostern auch losgeht“, sagt der Geschäftsführer. Schließlich will man ja auch diesen Sommer noch unbedingt das 50-jährige Bestehen feiern können.

In den Startlöchern steht man auch im Heidepark Soltau. Eigentlich strömen über die Ostertage täglich mehrere 1000 Besucher in die Anlage an der Autobahn 7. „Natürlich hoffen wir auf eine baldige Saisoneröffnung“, sagt Sprecherin Svenja Heuer. Sollte es grünes Licht geben, könne man schnell reagieren. Bis dahin habe man versucht, „für die Mitarbeiter den sozialverträglichsten Weg zu finden und auch die Unternehmerseite nicht außer Acht zu lassen“.

Von Thomas Mitzlaff