Jörg Middelbeck kann dem unfreiwilligen Homeoffice auch Positives abgewinnen. (Foto: t&w)

Zur Arbeit einmal um die Ecke

Lüneburg. Zumindest das Hemdenbügeln ist jetzt überflüssig. Und auch sonst kann Jörg Middelbeck dem unfreiwilligen Homeoffice einiges Positives ab gewinnen: mehr Flexibilität der Bürozeiten, mehr freie Phasen durch das Wegfallen der Wegezeiten, vor allem aber mehr Momente für die Familie. Und trotzdem wäre ein solches Arbeitsmodell für ihn keine Alternative: „Es fehlt der Austausch.“

Mitunter auch ganz schön anstrengend

Seit mittlerweile zweieinhalb Wochen befindet sich der Firmenkundenbetreuer nun schon am heimischen Arbeitsplatz, kümmert sich von Lüneburg aus um seine Kunden. „Ich arbeite eigentlich in Hamburg in einer Niederlassung einer bayerischen Bank“, sagt er, „und bin für große und mittelständische Unternehmen zuständig.“ Auch die hat die Corona-Krise getroffen – und deshalb hat Jörg Middelbeck auch gut zu tun: „Was ich in normalen Zeiten im direkten Kontakt bespreche, muss ich nun aber alles per Telefon erledigen. Das ist mitunter doch ganz schön anstrengend.“
Seine Frau Nicola ist zu Hause, hätte jetzt ohnehin Urlaub gehabt. Aber auch sie weiß: „Wenn ich mir in der vergangenen Woche nicht freigenommen hätte, wäre das mit dem Homeoffice nicht wirklich umsetzbar gewesen.“ Zwei Söhne hat das Paar, sie lernen in der 1. und 4. Klasse der Hermann-Löns-Schule. Der Lüneburger sagt: „Wir haben jetzt eine Ausnahmesituation, das haben wir den Kindern auch ganz klar gemacht. Das können sie gut akzeptieren.“

Leise sein fällt dennoch schwer, und wenn der Vater immer präsent ist, wird er auch konsultiert: „Letztlich öffnen sie aber ab und an nur vorsichtig die Tür und sehen nach, ob ich telefoniere. Dann warten sie eben.“ Das funktioniert gut. Erfolg hat das Projekt aber nur, weil der Firmenkundenbetreuer ein eigenes Büro zu Hause hat. „Das erleichtert die Situation natürlich ungemein.“
Noch rechtzeitig hat er sich einen großen Monitor gekauft, hat das Zimmer zudem aufgeräumt und etwas wohnlicher gestaltet: „Eine gute Arbeitsatmosphäre ist mir einfach wichtig“, meint er, „besonders dann, wenn das mein tägliches Umfeld ist.“ Homeoffice ist für ihn an sich nichts Neues, auch deshalb war er auf die Anordnung des Chefs gut vorbereitet: „Wenn ich beispielsweise Kunden in Bremen besucht habe, bin ich danach auch nicht mehr nach Hamburg gefahren.“

Zu den Bürokernzeiten sitzt er nun immer am heimischen Schreibtisch, zusätzlicher Arbeitsbedarf kann auch außerhalb dieser Phasen erledigt werden. So nutzt er die Flexibilität – und das bietet Raum für die Familie: „Wir gehen jeden Morgen und jeden Abend eine halbe Stunde Spazieren“, erklärt Jörg Middelbeck, „essen gemeinsam und treiben Sport.“ Auf Dauer wäre die so gewonnene Freiheit aber dennoch nichts für ihn: „Der Austausch mit Kollegen und Kunden im direkten Kontakt ist einfach wichtig - fachlich und zwischenmenschlich. Und das fehlt.“

Homeoffice-Tipps

Die Deutsche gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Spitzenverband der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, gibt Tipps zum Homeoffice mit Kindern:

  • Feste Zeiträume definieren, in denen im Homeoffice gearbeitet wird. Mit dem Arbeitgeber sollte besprochen werden, ob bestimmte Aufgaben auch am Abend ausgeführt werden können, wenn die Kinder im Bett sind.
  • Sollte kein eigenes Büro zur Verfügung stehen, sollten „Bannmeilen“ mit Klebeband oder Gegenständen eingerichtet werden, die signalisieren, „bitte nicht stören, hier wird gearbeitet“.
  • Wenn beide Erziehungsberechtigten von zu Hause aus arbeiten, sollten Zeiten für die jeweilige Kinderbetreuung definiert – und diese bei schönem Wetter am besten draußen genutzt werden.
  • Für Homeoffice generell gilt: einen festen Arbeitsplatz einrichten, um die Trennung zwischen Arbeits- und Privatbereich zu schaffen, Zeiten strukturieren, sich gesund ernähren, genug Pausen einlegen, den Körper dehnen und strecken, da vorübergehende Heimarbeitsplätze selten ergonomisch eingerichtet sind.

Von Ute Lühr