Die Idee der neuen App "Machbarschaft" von Marc Sommer und seinem Team ist, dass Hilfebedürftige auch ohne Internetzugang schnell und unkompliziert Unterstützung in Zeiten von Corona erfahren. (Foto: t&w)

Die App zum Anrufen

Adendorf. Während der Corona-Krise brauchen viele Menschen Hilfe, und glücklicherweise gibt es auch in der Region dutzende Hilfsangebote. Zu finden sind die etwa als Aushänge in Treppenhäusern, als Meldungen bei uns in der LZ – oder vielfach im Netz. Und darin liegt ein Problem, sagen die Entwickler der neuen App namens "Machbarschaft": In Deutschland gebe es etwa 14 Millionen Menschen, die über 60 Jahre alt sind und keinen Internetzugang besitzen. Gerade sie seien in diesen Zeiten oft hilfsbedürftig, bräuchten jemanden der für sie einkauft und kleinere Erledigungen übernimmt. Gerade sie haben zu einem Großteil der Hilfsangebote keinen oder nur einen erschwerten Zugang.

Zur Person

Tausendsassa und Überflieger

Marc Sommer, 20 Jahre alt, kommt ursprünglich aus der Nähe von Winsen und wohnt seit acht Jahren in Adendorf. Als 14-Jähriger gründete er mit einer Sondergenehmigung sein erstes Webdesign-Unternehmen, war Chefredakteur der Schülerzeitung, die er mitgegründet hat, Jahrgangssprecher, Kassenwart und Protokollant im Schülerrat, beteiligt an Arbeitsgemeinschaften, einer Schülerfirma, Workshop-Leiter bei verschiedenen Events. Er engagiert sich in zahlreichen Stiftungen, ist Mentor bei "Jugend gründet" und nahm an einer Latein-Akademie in Rom teil. Als nächstes plant er sein Master-Studium der Wirtschaftsinformatik an der TU München.

Diesem Problem stellen sich der Adendorfer Wirtschaftsinformatikstudent Marc Sommer und sein Team . "Machbarschaft ist eine App, die von normalen Telefonen angerufen werden kann", erklärt der 20-Jährige. Wenn alles fertig ist, funktioniere das so: Über eine Telefonnummer können Hilfebedürftige mit einer künstlichen Intelligenz telefonieren, die über wenige Fragen das Gesuch aufnimmt. Das Gesuch landet automatisch in der App. Diese benachrichtigt dann die nächsten registrierten Helfer in der Nähe und bittet sie, mit der Person Kontakt aufzunehmen. "Das ganze ist natürlich kostenlos und gemeinnützig", erklärt Sommer. Und verhältnismäßig sicher: Wer helfen möchte, muss sich mit seinem Personalausweis in der App registrieren und verifizieren lassen.

Die Idee für dieses Projekt hatte ein Unternehmer aus München und reichte sie ein bei einem sogenannten "Hackathon", den die Bundesregierung Mitte März veranstaltet hat (siehe Infobox). Marc Sommer klinkte sich darin ein, mit einem etwa 20-köpfigen Team aus ganz Deutschland arbeiteten sie 48 Stunden lang Tag und Nacht dafür, dass die Idee Realität werden kann. Sie waren aber nicht die einzigen, die schufteten: Mehr als 26.000 Entwickler, Marketingspezialisten aber auch Ärzte haben versucht, für drängende Probleme der Coronakrise Lösungen zu finden. Das alles komplett übers Internet, die Kommunikation fand über E-Mail und Chat statt. Insgesamt kamen so fast 1500 Projekte zusammen, am Ende erhielten aber nur 20 davon eine Förderung durch die Bundesregierung – eines davon ist das Projekt "Machbarschaft."

Gefördert werde das Projekt jetzt finanziell und ideell, berichtet Sommer. In welchem Ausmaß stehe noch nicht fest, allerdings wissen alle Beteiligten, dass das Projekt so schnell wie möglich an den Start gehen soll, denn: "Die Coronakrise ist jetzt." Während des Hackathons ist das Team um Sommer aber schon recht weit gekommen. "Die Telefonnummer ist eingerichtet, die App befindet sich auf einem guten Weg, und der Werbeclip – obligatorisch für die Jury des Hackathons – ist auch fertig."

Mehr Informationen gibt es auch im Netz unter www.machbarschaft.jetzt .

Zur Sache

Was ist ein Hackathon?

Das Wort "Hackathon" setzt sich aus dem englischen Wort "Hack", was so viel bedeutet wie ein technischer Kniff, und "Marathon" zusammen. Bei einem Hackathon arbeiten meistens ITExperten, allerdings auch Profis aus anderen Bereichen über einen vorgegebenen Zeitraum intensiv an kreativen, unterhaltsamen und nützlichen Softwareprojekten. Mitte März veranstaltete die Bundesregierung unter dem Motto "wirvsvirus" einen Hackathon, dessen Ziel es war, Lösungen für akute Probleme während der Coronakrise zu finden. Die Bundesregierung wählte die Form eines Hackathons, da sie in Zeiten des "Social Distancings" viele Möglichkeiten bietet, intensive und produktive Kontakte herzustellen und zu pflegen.

Von Robin Williamson