Freitag , 25. September 2020
Das Schützenfest in Bleckede ist eines der größten im Landkreis. Im vergangenen Jahr wurde Präsidenten-Sohn Christian Beusch zum König proklamiert. Ob es auch in diesem Jahr eine Majestät geben wird, steht wegen der Corona-Krise noch nicht fest. Die ersten Feste sind bereits abgesagt. Foto: A/ki

Nach den Osterfeuern, jetzt auch die Schützenfeste

Lüneburg. Nicht nur den Alltag beschränkt das Coronavirus massiv. Auch das gesellschaftliche Leben droht in den Dörfern und Lüneburger Stadtteilen in diesem Jah r deutlich auszudünnen. Zu spüren bekommen es die Dorf- und Ortsteilgemeinschaften schon in der kommenden Woche. Die traditionellen Osterfeuer, die sonst ab Gründonnerstag in vielen Orten fest im Kalender notiert sind, wurden allesamt abgesagt. Inzwischen melden sich auch die ersten Schützenvereine, die ihre Jahreshöhepunkte absagen: die Schützenfeste, die ab Anfang Mai eigentlich starten sollen.

Lüneburgs Kreisbrandmeister Torsten Hensel sagt, die Erlasse wegen der Corona-Pandemie seien eindeutig, Großveranstaltungen derzeit nicht erlaubt. „Da sehen die meisten ohne große Überzeugungsarbeit ein. Auch wenn die Osterfeuer für die Feuerwehren wichtig sind für ihre Außendarstellung und ihren Einsatz für die Dorfgemeinschaft“, meint er. Denn die traditionellen Osterfeuer werden meistens von den Mitgliedern der Feuerwehren organisiert und stellen in manchen Orten oft den gesellschaftlichen Höhepunkt des Jahres dar. „Die Absagen sind schade, aber es hilft ja alles nichts“, sagt Kreisbrandmeister Hensel.

„Wir müssen da flexibel sein“

Nicht zum ersten Mal fallen Osterfeuer wegen einer Krisensituation im Landkreis Lüneburg aus. Beim Jahrhunderthochwasser der Elbe im Frühjahr 2006 gab es auch Absagen, weil viele Feuerwehrleute dafür kämpften, dass die Deiche der Elbeflut erfolgreich trotzen konnten. Osterfeuer wurden nach Ende des Katastrophenalarms später nachgeholt.

Das wird in diesem Jahr jedoch keine Option sein, glaubt der Kreisbrandmeister. „So wie es zurzeit aussieht, wird sich die Corona-Krise noch eine Weile hinziehen. Es ist nach derzeitigem Stand fraglich, ob nach einer Lockerung der Kontaktbeschränkungen Großveranstaltungen gleich wieder möglich sind.“ Torsten Hensel kann sich sogar vorstellen, dass es in diesem Jahr gar keine Genehmigungen für größere Veranstaltungen mehr geben könnte.

Ein wenig optimistischer ist der Präsident des Bezirksschützenverbandes Lüneburg, Carsten Diercks. „Vielleicht können wir die Schützenfest-Saison bis in den Herbst verlängern. Wir müssen da flexibel sein und den Kalender im Blick behalten“, sagt der Hittberger.

Zunächst habe der Bezirksschützenverband jedoch alle Termine bis Ende April abgesagt: Bezirkskönigsschießen, Bezirksmeisterschaften der Sportschützen, Königsball und diverse Präsidiumssitzungen.

Veranstaltungen spielen auch wirtschaftlich eine Rolle

„Die ersten Absagen für Schützenfeste, die im Mai stattfinden sollten, liegen auch schon vor“, berichtet er. Dabei handelt es sich ihm zufolge um die Veranstaltungen in Adendorf, Ochtmissen und Scharnebeck. „Handorf und Wendisch Evern wären auch im Mai an der Reihe. Da habe ich aber noch keine Rückmeldung“, sagt Carsten Diercks. Er rechnet allerdings damit, dass alle Schützenfeste vor den Sommerferien, die Mitte Juli beginnen, ausfallen werden.

„Das würde meinen Verein in Hittbergen dann auch treffen. Wir wollen eigentlich Ende Juni feiern. Vielleicht wird es ja doch noch etwas. Wir hoffen.“ Denn, so betont der Bezirkspräsident, Schützenfeste seien nicht nur für die Bürger als gesellschaftlicher Höhepunkt wichtig. „Die Veranstaltungen spielen auch wirtschaftlich eine Rolle: für Wirte, Schausteller und Musikgruppen.“ Aus all diesen Gründen wäre es schade, würden die Schützenfeste ausfallen. „Gerade aber auch deshalb, weil wegen der derzeitigen Kontaktbeschränkungen die Menschen irgendwann mal wieder zusammenkommen wollen“, sagt er.

Von Stefan Bohlmann