Dienstag , 20. Oktober 2020
Antonia Albani wollte im Sommersemester ihre Masterarbeit schreiben, das fällt flach. Wie es weitergeht, weiß sie noch nicht. Foto: t&w Foto: t&w

Wie wird jetzt studiert?

Lüneburg. Eigentlich hatte Antonia Albani geplant, ihre Masterarbeit im Sommersemester bei einem Automobilunternehmen in der Nähe von Wolfsburg zu schreiben. Ei n Thema stand schon fest, der Mietvertrag für eine neue Wohnung war unterschrieben. Doch vor zwei Wochen kam die Absage. Wegen der Corona-Krise sei das Unternehmen angehalten, überall zu sparen, wo es geht. Eine Leidtragende ist die Lüneburger Studentin, die nun nicht nur die für die nächsten fünf Monaten einkalkulierten 600 bis 700 Euro monatlich abschreiben muss, sondern auch erstmal ohne Masterarbeit dasteht. Problematisch wird das, wenn die Bearbeitungszeit der Arbeit ins nächste Wintersemester reicht. Dann drohen der Studentin nämlich hohe Langzeitstudiengebühren.

Antonia Albani dürfte kein Einzelfall sein. Am Montag startet die Leuphana zwar pünktlich ins Sommersemester – wegen der Corona-Pandemie vorerst nur online –, doch viele Studenten stehen nun vor Problemen: sei es der Verlust des Nebenjobs, mit dem eigentlich das Studium finanziert wurde, die erhöhte Anforderung durch Kinderbetreuung neben dem Studium oder der fehlende Zugang zu technischen Infrastrukturen, die zuvor von der Universität bereitgestellt wurden.

Lüneburger Professor unterstützt Petition

In einem offenen Brief fordern drei Professorinnen aus Trier, Hannover und München, die aktuelle Lage an Hochschulen nicht nur aus der Perspektive der Starken zur Kenntnis zu nehmen und liefern gleich einen möglichen Lösungsvorschlag. Die Idee: Das Sommersemester müsse ein Nicht-Semester werden. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt Andrea Geier, Professorin der Germanistik an der Uni Trier und eine der drei Initiatorinnen, das Konzept. Ein Nicht-Semester bedeute nicht, dass das Semester ausfällt, es solle nur nicht auf Regelstudienzeit und Maximalstudiendauer angerechnet werden. Studenten sollen Punkte erwerben können, Abschlüsse sollen gemacht werden können. Es dürfe aber nicht zulasten derer gehen, für die das angesichts der besonderen Lage eben nicht möglich ist.

Unter den bisher 10.303 Unterzeichnern sind auch 18 Mitglieder der Lüneburger Universität. Einer von ihnen ist Philipp Sandermann, Professor der Sozialpädagogik. Er hält den bundesweiten Aufruf für ein wichtiges Signal: „Neben den Bemühungen, das Semester digital zu organisieren, ist es unerlässlich zu hinterfragen, ob in gleicher Weise studiert werden kann.“ Viele Universitätsmitglieder, wie befristete Angestellte, Lehrbeauftragte und eben auch Studenten, könnten angesichts der Krise in wirtschaftliche Existenznöte gelangen. „Und wenn sich das so entwickelt, ist es wichtig, darüber nachzudenken, inwieweit das ein normales Semester in der Anrechnung sein kann.“

„Hauptsorge ist, das Sommersemester stattfinden zu lassen“

Auch bei der Studentenvertretung des AStA der Leuphana ist man sich einig: Die Umstellung des größtenteils analogen Lehrbetrieb, auf einen digitalen berge viele Herausforderungen. „Die Petition ,Nicht-Semester‘ fasst diese gut zusammen und führt auch auf, welche Folgen das für uns Studenten hat“, sagt Sprecher Adrian Wulf. Gemeinsam mit anderen Studentenvertretungen aus Niedersachen habe sich der AStA Lüneburg deshalb der Forderung eines Nicht-Semesters angeschlossen, ergänzt sein Sprecherkollege Daryoush Danaii. Zudem fordert der AStA, dass BAföG und andere Förderprogramme automatisch um mindestens ein Semester verlängert werden und diese auch bei keiner Ableistung von Creditpoints in diesem Sommersemester weiter und ohne Begründung gezahlt werden.

Leuphana-Sprecher Henning Zühlsdorff äußert sich bisher nur zurückhaltend: „Im Moment ist unsere Hauptsorge, das Sommersemester stattfinden zu lassen.“ Die Universität arbeite mit Hochdruck daran, die geplanten Lehrveranstaltungen in möglichst großer Zahl kurzfristig auf alternative, digitale Formate umzustellen. „Wenn wir jetzt das Sommersemester zu einem Nicht-Semester erklären würden, ginge man den zweiten Schritt vor dem ersten.“ Die Universität wolle erst einmal abwarten, ob die Bemühungen fruchten. Erst danach könne man über eventuelle Kulanzregelungen reden. Zühlsdorff versichert aber: „Es wird niemand die Studenten im Regen stehen lassen.“

Von Anna Hoffmann

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Wer Hilfe anbieten möchte oder Unterstützung sucht: www.coronahilfe.bfw-design.de oder www.lebendiges-lueneburg.de/solidaritaet

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