Freitag , 2. Oktober 2020
Nicole Heins sitzt allein in dem Zimmer, in dem sie sonst fünf Kinder betreut. Sie hofft auf klare Ansagen von der Stadt. Foto: t&w

In der Schwebe

Lüneburg. Auch für sie steht in diesen Wochen alles auf dem Spiel: Die 260 Tageseltern in Stadt und Landkreis Lüneburg wissen noch nicht, in welchem Ausmaß sich die Maßnahmen gegen das Coronavirus auf ihre Berufsgruppe aufwirken werden. Arbeiten dürfen sie derzeit nicht mehr, bis zum 18. April ist die Betreuung ausgesetzt. Zwar werden die Tagesmütter noch bezahlt – doch womöglich müssen sie die Zeit als Jahresurlaub verbuchen.

„Im Moment folgt die Stadt der Allgemeinverfügung“, erklärt Nicole Heins, Vorsitzende des Tageselternvereins Lüneburg. „Uns wurde zugesichert, dass wir im März und April unsere Vergütung vom Jugendamt in vollem Umfang erhalten. Wir müssen allerdings damit rechnen, dass es sich hierbei um unsere Ausfallzeiten, das heißt Urlaubs- und Krankheitstage, handelt.“

23 Ausfalltage

Daraus würden mehrere Probleme entstehen, schildert die 38-Jährige. Seit dem Tag des Erlasses, 13. März, bis zum 18. April müssten die Tagespflegepersonen 23 Ausfalltage verbrauchen, sieben blieben demnach noch übrig. Normalerweise werde der Urlaub jedoch schon ein halbes Jahr im Voraus geplant, damit Tageseltern und Eltern gleichzeitig freinehmen. Heins erläutert: „Wenn die Eltern ihr Kind im Sommer für drei Wochen nicht in die Betreuung geben, wird uns das Geld gekürzt.“ Denn fehlt ein Kind mehr als die Hälfte der Betreuungszeit, kürzt das Jugendamt auch die Vergütung um die Hälfte ein. „Somit sind wir die doppelten Verlierer: kein Urlaub und weniger Geld.“

Ein weiteres Problem sieht Heins darin, dass das Coronavirus auch nach Auflösen der Kontaktsperre noch in einer Tagesbetreuung ausbrechen könnte. „Dann müssen wir alle 14 Tage in Quarantäne, haben aber keine Ausfalltage mehr.“ Auch wisse derzeit niemand, ob das Betreuungsverbot über den 18. April hinaus andauern wird.

Stadt Lüneburg plant Info-Veranstaltung

Da diese Situation viele Tageseltern in ihrer Existenz gefährde, sei es wichtig, dass die Stadt eine „gut überlegte Entscheidung“ treffe. „Deshalb hat sich unser Verein mit der Regionalgruppe der Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen (BvK) zusammengeschlossen und der Stadt angeboten, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten“, sagt Heins. Die Regionalgruppensprecherin der BvK, Axinja Schubert, spricht von „Schwarmwissen“, das durch die Zusammenarbeit der beiden Vereine entstünde und in dieser Situation besonders wichtig sei.

Denn Schubert betont: „Wenn die Stadt eine falsche Entscheidung trifft, gefährdet sie die Kindertagespflege.“ Dass die Stadt Lüneburg dies nicht beabsichtigt, habe sie den beiden Vereinen bereits zugesagt. „Die wissen, wie unentbehrlich unser Beruf ist und dass wir, wenn es wieder losgeht, der Rückhalt der Gesellschaft sind“, meint Heins.

Stadtpressesprecher Sebastian Köpcke-Millon erklärt, dass Tagespflegepersonen ab sofort zwei Möglichkeiten haben: „Entweder können sie die Fortzahlung so weiter laufen lassen, dann ist ihr Anspruch auf Urlaub allerdings tatsächlich bald aufgebraucht. Oder sie melden sich bei der Stadt beziehungsweise dem Landkreis und beantragen Zuschüsse über die NBank.“ Auch Arbeitslosengeld II sei für die Tageseltern eine Option. Darüber wollen Stadt und Landkreis die betroffenen Personen heute in einem Informationsschreiben per E-Mail aufklären. Köpcke-Millon betont: „Ferner ist eine Informationsveranstaltung geplant, bei der die Tagespflegepersonen über diese Möglichkeiten informiert werden sollen.“

  • Das Bürgertelefon zum Corona-Virus ist unter der (04131) 26-1000 zu erreichen.
  • Über den aktuellen Stand zum Coronavirus in Lüneburg und Umgebung informieren wir Sie hier.

Wer Hilfe anbieten möchte oder Unterstützung sucht: www.coronahilfe.bfw-design.de oder www.lebendiges-lueneburg.de/solidaritaet

Von Lilly von Consbruch