Samstag , 26. September 2020
Fahrlehrer Cem Aksoy und seine Kollegen sind aktuell zur Untätigkeit verdammt. Foto: be

Die Folgen des Fahrverbots für die Fahrlehrer

Lüneburg. Von 100 auf 0 – keine Fahrstunden mehr, kein theoretischer Unterricht, keine Prüfungen, keine Einnahmen. Seit 17. März müssen wegen der Corona-Krise auch die Fahrschulen in Stadt und Landkreis Lüneburg komplett geschlossen sein. Für viele Fahrlehrer ist das eine finanzielle Herausforderung. Und Fahrschüler fragen sich, was zum Beispiel passiert, wenn jetzt wegen gestrichener Prüfungen wichtige Fristen verpasst werden.

Cem Aksoy ist Vorsitzender des Lüneburger Kreisfahrlehrerverbandes und als solcher Sprachrohr der hiesigen Fahrschulen. Als Fahrlehrer ist er derzeit zur Untätigkeit verdammt, als Funktionär und Betreiber einer Fahrschule hat er jede Menge damit zu tun, am Telefon und per Mail Fragen zu beantworten und Unwägbarkeiten abzuklären. Gesprächsbedarf gibt es von vielen Seiten. „Schließlich ist niemand auf Corona vorbereitet gewesen“, sagt er. Seine Mitarbeiter hat er in Kurzarbeit geschickt, viele Kollegen haben dasselbe getan. Und sie haben allesamt staatliche Soforthilfe beantragt. Denn laufende Kosten wie Pachten müssen weiter gezahlt werden.

Gesprächsbedarf gibt es von vielen Seiten

Doch auch die abgesagten Prüfungen sind ein Thema. Denn Fahrschüler sind verpflichtet, innerhalb eines Jahres nach Beginn ihrer Schulung die theoretische Prüfung abzulegen. Anschließend hat man ein weiteres Jahr Zeit, sich der praktischen Fahrprüfung zu stellen. Konkret bedeutet das: Wer am 1. April 2019 mit der Fahrschule begonnen hat, muss bis 31. März dieses Jahres die theoretische Prüfung abgelegt haben. Doch Einrichtungen wie der TÜV, die entsprechende Tests abnehmen, haben alle Termine abgesagt.

Aksoy hat sich dazu mit der Führerscheinstelle des Landkreises abgestimmt und ist auf offene Ohren gestoßen. „Die Frist für das Ablegen der theoretischen und praktischen Prüfung ist um drei Monate bis 30. Juni verlängert worden“, erklärt der Sprecher des Fahrlehrerverbandes. Das gelte allerdings nur für Betroffene, deren Prüfungstermin nach dem 16. März liegt, „denn bis dahin lief ja der reguläre Zeitplan“. Sollten die Prüfungsverfahren auch im Juni nicht wieder aufgenommen werden, „müssen wir über eine weitere Fristverlängerung sprechen“, sagt Aksoy.

Behörden sind kulant bei den Fristen

Andere Regelungen gelten auch für Fahranfänger, die während der Probezeit Verstöße im Straßenverkehr begangen haben und deshalb innerhalb einer gewissen Frist ein Aufbauseminar besuchen müssen, um nicht den Führerschein zu verlieren. „Auch hier sind die Behörden aktuell bei den Fristen kulant“, erklärt Aksoy. Denn da die Fahrschulen derzeit geschlossen sind, werden auch keine entsprechenden Seminare angeboten.

Dass Fahrschüler jetzt wochenlang auf Fahrstunden verzichten müssen, sieht Cem Aksoy derweil nicht als problematisch an: „Das verlernen sie nicht so schnell.“ Abgesehen davon würden manche Schüler ohnehin längere Unterbrechungen einlegen. Und am Schreibtisch Verkehrsregeln zu büffeln, sei ja weiter möglich: „Die renommierten Verlage haben den Zugang für die elektronischen Übungsbögen über die bezahlten zwölf Monate hinaus freigeschaltet.“

Von Thomas Mitzlaff