Die Intensivstation des Städtischen Klinikums sei gut vorbereitet für den Fall, dass viele Patienten zeitgleich behandelt werden müssen. (Foto: t&w)

Das Warten auf die große Welle

Lüneburg. Das Lüneburger Klinikum ist „bestmöglich darauf vorbereitet“, wenn es zu einer Corona-Welle kommen sollte und Covid-19-Patienten stationär versorgt werden müssen. In den vergangenen Wochen wurden mehr Mitarbeiter für den Einsatz in den Intensivstationen geschult und zwei neue Infektionsstationen geschaffen. Das erklärten Dr. Jörg Cramer, Ärztlicher Direktor des Klinikums, und Chefarzt Prof. Dr. Torsten Kucharzik im Rat der Stadt. Sie machten aber auch deutlich: „Wir sind in einer angespannten Erwartungshaltung, was auf uns noch zukommt.“

Kein Mangel an Schutzausrüstung

Mit den beiden Chefärzten war auch Dr. Michael Moormann, Geschäftsführer des Klinikums, ins Gesellschaftshaus der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL) gekommen, um die Politik zu informieren. Er verwies darauf, dass seit Mitte März das Corona-Diagnosezentrum in Betrieb sei, in dem Abstriche gemacht werden, die an ein Hamburger Labor gehen. Die Diagnose stehe in der Regel innerhalb eines Tages. Mit Stadt, Landkreis, Kassenärztlicher Vereinigung und Katastrophenschutz spreche man sich regelmäßig ab. „Ich denke, wir haben im Moment alles im Griff. Wir warten auf die Welle, die auf uns zukommen kann.“

Verärgert reagierte der Klinikum-Chef auf Gerüchte, dass es eine Knappheit bei der Schutzausrüstung für die Mitarbeiter gebe. Derartige Falschmeldungen sorgen für Verunsicherung bei den Mitarbeitern. „Wir haben ausreichend Material für mehrere Wochen.“ Zertifizierter medizinischer Mundschutz sei schwierig zu erhalten gewesen, inzwischen habe man aber solchen bestellen können, wie auch Schutzkittel. Auch Desinfektionsmittel gebe es ausreichend.

„Wir haben ausreichend Material für mehrere Wochen.“ - Klinikum-Chef Dr. Michael Moormann

Um im Falle eines Falles eine große Anzahl von Patienten stationär versorgen zu können, „haben wir zwei weitere Stationen frei gezogen“, erklärte Cramer. Derzeit würden drei Covid-19-Patienten im Klinikum versorgt, die aber nicht beatmet werden müssen. Doch was in zwei, drei Wochen sei, könne keiner sagen.

Kucharzik erklärte, dass laut Hochrechnungsszenarien bis zu 85 Prozent der mit dem Coronavirus Infizierten eine milde Symptomatik haben – ähnlich einer Grippe. Diese könnten ambulant behandelt werden von niedergelassenen Ärzten. 10 bis 15 Prozent bräuchten eine stationäre Aufnahme.

„Dafür haben wir die Kapazitäten geschaffen wie auch für eine intensivmedizinische Versorgung, die etwa zwei Prozent der Patienten brauchen.“ 15 Beatmungsplätze seien vorhanden, weitere 15 könnten ohne weiteres eingerichtet werden. Inzwischen sei man in Niedersachsen auch digital gut vernetzt bezüglich freier Kapazitäten von Beatmungsplätzen in Kliniken. Auch ein fachlicher Austausch unter Kliniken könne im Bedarfsfall mittels Bildschirmkonferenzen erfolgen, betont Direktor Cramer.

Bis zu 30 Beatmungsplätze

Derweil müssen planbare Operationen verschoben werden. Das ist aufgrund der Corona-Pandemie so gesetzlich geregelt. Welche Eingriffe unaufschiebbar sind, liegt in dem Ermessen der Chefärzte, machte Moormann deutlich, der aber auch klarstellte: Dringliche Operationen werden selbstverständlich durchgeführt. Dass in dieser Situation planbare Operationen nicht gemacht werden dürfen, hat erhebliche finanzielle Auswirkungen. Diese wie auch die Kosten, die im stationären Bereich zur Versorgung von Covid-19-Patienten entstehen, werden das Klinikum vor eine enorme finanzielle Herausforderung stellen.

Die Mittel, die Bund und Land als Hilfspakete für Kliniken angekündigt haben, seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sind sich Moormann und Oberbürgermeister Ulrich Mädge einig.

Der Klinikum-Chef geht zum Jahresende von einem Defizit in Höhe von mindestens 7,5 Millionen Euro aus, Mädge spricht von einem zweistelligen Millionenbetrag. Er sieht auch den Landkreis gefordert, denn das Haus an der Bögelstraße leiste etwas für die gesamte Region.

Von Antje Schäfer