Freitag , 25. September 2020
Am 1. April 1970 begann Hans-Jürgen Lewandowski seine Ausbildung bei Paul Rickert zum Maurer. Foto: t&w

Eigentlich wäre er schon in Rente

Lüneburg. Die Entscheidung fiel ihm leicht: „Ich wählte diesen Beruf, weil damals der bestbezahlte Lehrling der Maurerlehrling war. Dabei blieb ich, weil es mir bis heute Freude bereitet“, berichtet Hans-Jürgen Lewandowski. Seit 50 Jahren betreibt er das traditionelle Maurerhandwerk, wie es seit Jahrhunderten ausgeübt wurde und heute vor allem in der Denkmalpflege noch Anwendung findet. „Ein wichtiger Bestandteil meiner Aufgaben sind das Beurteilen historischer Bausubstanz und die Erfahrung in der Beurteilung der Tragfähigkeit, die meistens statisch schwer berechnet werden kann“, fügt Lewandowski noch hinzu.

Geboren im Museum Lüneburg

Der Handwerker ist gebürtiger Lüneburger. „Geboren wurde ich tatsächlich im Museum Lüneburg und aufgewachsen bin ich in Lüneburg in der Wallstraße. Ich habe viel im Museum gespielt, da mein Onkel und meine Tante dort Hausmeister und Museumsführer waren“, so Lewandowski. Am 1. April 1970 begann er seine Ausbildung bei Paul Rickert zum Maurer. Nach der Lehre wechselte er als Geselle zu Jürgen Kathmann nach Melbeck. Von 1974 bis 1976 musste er sein Handwerk jedoch unterbrechen und ist auf dem Zerstörer Z5 bei der Bundesmarine gefahren. Anschließend nahm er dieses aber wieder auf und ist seitdem – also seit 39 Jahren – ununterbrochen für das Baugeschäft Mahnke als Polier und Lehrlingsausbilder tätig. Außerdem ist er stolzer Vater und Großvater von zwei eigenen Kindern und drei Enkelkindern.

Lewandowski erklärt worauf es ankommt: „Wichtig in meinem Beruf ist der Leistungswille und die Einsatzbereitschaft auch unter schwierigen Bedingungen wie zum Beispiel bei sehr schlechtem Wetter. Es ist eben keine Büroaufgabe.“ Nicht auf die leichte Schulter zu nehmen seien auch das Fachwissen bezüglich technischer Ausführung, Baukonstruktion und Bauchemie – sowie der nicht immer einfache Umgang mit Bauherrn und Architekten. Die körperliche Beanspruchung eines langen Arbeitstages auf der Baustelle werde auch schnell unterschätzt.

„Eigentlich wäre ich schon in Rente. Aber mein Chef und mein Bauleiter erlauben mir das nicht.“ – Hans-Jürgen Lewandowski

Für ihn persönlich bedeutet sein Beruf die Wahrnehmung einer wichtigen Aufgabe im Erhalt historischer Gebäude und die Freude daran, später an den sanierten Bauwerken vorbeizugehen wie in jüngerer Zeit der Viskulenhof, die jetzige Bäckerei Junge an den Brodbänken, die Nikolaikirche oder die gemauerten dreidimensionalen Rosetten beim Fruchthof Habig in der Grapengießerstraße. Aber auch das Interesse am fachlichen Austausch mit anderen Handwerkern, über die Denkmalpflege und einigen Ingenieuren sowie Architekten bedeuten Lewandowski viel.

Derzeit ist Lewandowski auf mehreren Baustellen für den Ablauf verantwortlich, unter anderem bei der Sanierung des großen Bauernhauses der Loewe-Stiftung in Ochtmissen. Hier werde der ganze Straßengiebel nach historischem Vorbild erneuert.

Viskulenhof-Sanierung war sehr berührend

„Eigentlich wäre ich schon in Rente. Aber mein Chef und mein Bauleiter erlauben mir das nicht“, gibt der Maurer ehrlich zu. „Wenn alle am Bau Beteiligten etwas mehr im Sinne des Ganzen denken und handeln würden, dann wäre es sowohl für die Menschen wie auch für die Bauwerke von Vorteil.“ Und was war das eindrucksvollste Erlebnis auf der Arbeit? „Als ich die Fassade des Viskulenhofes das erste Mal abgerüstet nach der Sanierung gesehen habe. Das hat mich sehr berührt“, verrät Lewandowski.

Für die Zukunft wünscht er sich Gesundheit und viel Freude mit seinen Enkeln. Deswegen muss er sich gerade in Zeiten wie diesen auf Grund seines Alters in Acht nehmen und Abstand einhalten. Ansonsten habe sich in seinem Arbeitsleben trotz Corona-Krise noch nicht so viel geändert. Am meisten fehle ihm der direkte Umgang mit seinen Kindern und den Enkeln Cora, Swantje und Keno.

Von Malin Mennrich