Leckeres Essen hält bekanntlich Leib und Seele zusammen. Die „Grüne Stute“ liefert – wie viele Lokale in Stadt und Kreis – jetzt außer Haus. Nur kurz fürs Foto haben Bernhard und Heike Most den Mundschutz abgenommen. Foto: t&w

Die Existenzfrage

Lüneburg. „Wir haben uns das über so viele Jahre aufgebaut und wir werden hier nicht einfach abschließen und unser Unternehmen zurücklassen.“ Viel Laufkundschaf t hatten Kirsten und Gabriele Penserini nie. Dafür liegen ihre Lokale „Osteria“ und „Pizzeria“ einfach zu weit ab vom Schuss. Wer die Restaurants der beiden Eheleute in Häcklingen aufsucht, der kommt gezielt hierher, um zu essen. Vielmehr: Er kam. Denn den Penserinis geht es so wie allen Kollegen in Stadt und Landkreis Lüneburg – sie dürfen keine Gäste mehr bewirten. Corona-Schließung zu einer Zeit, in der eigentlich das Geschäft brummt.

„Mit einem Schlag ist alles anders“, schildert Kirsten Penserini. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, die Eheleute stehen nur mit dem Pizzabäcker im Geschäft, um die Außer-Haus-Kundschaft zu bedienen. Zwar erweisen sich die Menschen im Stadtteil auch in der Krise als treue Abnehmer, „aber natürlich haben wir riesige Umsatzeinbußen“. Planen können die beiden derzeit nur von Tag zu Tag, dennoch machen sich die Penserinis noch andere Gedanken: „In dieser schweren Zeit muss man doch irgendwie helfen können, wir haben schon mit Kollegen überlegt, ob man nicht zum Beispiel für Obdachlose kochen oder andere soziale Projekte starten kann.“

Die Gemütslage der beiden Häcklinger Gastronomen steht exemplarisch für die Situation von Geschäftsleuten in Stadt und Kreis, die ihre Betriebe zwangsschließen mussten. Die Stimmung schwankt zwischen Verzweiflung, Fassungslosigkeit, Entschlossenheit – und der Suche nach neuen Wegen. Für viele ist es längst ein Überlebenskampf geworden.

Im leeren Geschäft stapelt sich die Ware

Beispiel Bekleidungsbranche: Das Jahr beginnt ohnehin mit den schwächsten Monaten Januar und Februar und dann kam das Coronavirus. Verschlossene Läden statt Frühjahrsmode und Ostergeschäft. „Es geht nicht darum, Panik zu machen. Aber der Begriff Überlebenskampf beschreibt schon den Modus, in dem man sich gerade befindet“, sagt Andre Elfers. Mit seiner Schwester betreibt er 20 Modefilialen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Sein Vater hat die „Hold Moden Vertriebs GmbH“ aufgebaut, es ist ein Familienbetrieb in zweiter Generation. Während sich die Frühjahrskollektion im Laden stapelt, kämpft Elfers an allen Fronten, um keinen der rund 100 Mitarbeiter entlassen zu müssen.

Seien es die zugesagten Finanzspritzen des Bundes, die Verhandlungen mit Zulieferern oder die Kulanz von Vermietern – es ist ein Kampf an vielen Fronten. Ermutigend sei die Solidarität in der Belegschaft, gibt sich auch Andre Elfers kämpferisch. Er gehört den „jungen Lüneburgern“ an, ein Zusammenschluss von Geschäftsleuten, auch hier will jeder jedem helfen. „Aber letztlich hat jeder seine eigenen Schwierigkeiten, die er bewältigen muss.“

Berufsleben plötzlich zu 100 Prozent ein anderes

Das Berufsleben ist plötzlich zu 100 Prozent ein anderes für den Lüneburger Kaufmann, aber auch er ist wie so viele Kollegen motiviert weiterzumachen. Nicht allen wird das gelingen, ist er sich sicher, schon gar nicht ohne die Bundeszuschüsse. „Aber für manche werden auch die zu spät kommen.“ Mit Kollegen hat er eine Kampagne gestartet, um auf die Bedeutung des Einzelhandels auch für eine Stadt wie Lüneburg hinzuweisen und ist entschlossen, dass „Hold“ auch im nächsten Jahr noch seine Türen öffnet. Dann feiert das Familienunternehmen 25-jähriges Bestehen.

Auch in der Grünen Stute in Brietlingen ist derzeit fast alles Chefsache. Die 18 Mitarbeiter mussten Heike und Bernhard Most in Kurzarbeit schicken, mit einer Handvoll Leute wird der Betrieb, momentan nur ein Abhol- und Lieferservice, in dem Traditionsgasthaus aufrecht erhalten. 90 Prozent des Umsatzes seien weggebrochen, eigentlich lohne sich der Betrieb derzeit nicht, sagt Most. Aber man wolle am Ball bleiben. Und die letzten Tage geben Hoffnung, dass die Kundschaft wiederkommt: „Erst haben meine Frau und ich allein weitergearbeitet, mittlerweile sind wir wieder zu viert in der Küche.“ Auch das macht Mut in schwierigen Zeiten. Most hofft, dass nach Ostern das reguläre Geschäft bald wieder anläuft. „Denn irgendwann schafft man es nicht mehr ohne Kündigungen.“

Weiter öffnen dürfen dagegen Läden, die als Grundversorger gelten. So wie die Schlachterei Isermann in Kirchgellersen. Was aber tun, wenn mit dem Partyservice einer der Hauptgeschäftszweige wegbricht, weil Partys ja nunmehr verboten sind? „Statt Buffets liefern wir jetzt Fleisch- und Wurstwaren und auch den Mittagstisch ins Haus“, schildert Geschäftsführer Daniel Henrich. Andere Mitarbeiter sind damit beschäftigt, einen Online-Shop aufzubauen. „So brauchte ich bislang niemanden in Kurzarbeit zu schicken oder gar zu entlassen.“

Dramatischer Kundenrückgang

Noch geöffnet haben dürfen Betriebe wie der Hundeausrüster „Freizeit mit Vier Pfoten“ in Kirchgellersen oder die Weinhandlung Wabnitz in Lüneburg. Beide Inhaber haben aber ein etwas anderes Problem: „Die Leute wissen oftmals nicht, wer überhaupt noch geöffnet hat“, schildern sie. Und wenn doch, hat sich auch hier das Einkaufsverhalten der Menschen grundlegend verändert. „Links steht bei uns das Zubehör, rechts das Futter. 90 Prozent der Leute gehen nach rechts“, schildert Gregor Purschke, Geschäftsinhaber von „Vier Pfoten“. Es geht jetzt vor allem darum, das Elementare einzukaufen. Auch hier wird der Lieferservice jetzt mehr in Anspruch genommen. Aber unter dem Strich stehe ein dramatischer Kundenrückgang.

Selbst ist der Mann, heißt es derzeit für Stefan Wabnitz, Inhaber der gleichnamigen Weinhandlung. Ganze drei Kunden hat er am Montag im Laden gehabt, anschließend setzte er sich ans Steuer und lieferte Weinkisten nach Hause. Hoffnung macht Wabnitz, dass das Online-Bestellportal „Kaufhaus-Lueneburg.de“ hiesiger Geschäftsleute gut angenommen wird: „Es wäre so wichtig, dass die Lüneburger in dieser schweren Zeit ihren Kaufleuten treu bleiben.“

Von Thomas Mitzlaff

Neue Regelungen gelten von Mittwoch an

Soforthilfe für kleine Unternehmen

Die vielen Hinweise und Beschwerden von Unternehmen zeigen Wirkung: Bund und Länder wollen sich künftig besser abstimmen, damit das Soforthilfeprogramm Firmen, Selbstständige und Kleinstunternehmen auch schnell erreichen kann. Ab Mittwoch treten dazu zwei modifizierte Richtlinien in Kraft. Die Auszahlung über die NBank wird so geregelt:

  • Kleinstunternehmen bis 10 Beschäftigte (Soforthilfeprogramm des Bundes): bis 5 Beschäftigte gibt es eine einmalige Soforthilfe bis zu 9000 Euro; bis 10 Beschäftigte bis zu 15.000 Euro. Antragsberechtigt sind Solo-Selbständige, Angehörige der Freien Berufe und kleine Unternehmen.
  • Kleinunternehmen bis 49 Beschäftigte (Soforthilfeprogramm des Landes): von 11 bis 30 Beschäftigte gibt es eine einmalige Soforthilfe bis zu 20.000 Euro; von 31 bis 49 Beschäftigten eine Soforthilfe von bis zu 25.000 Euro. Antragsberechtigt sind kleine Unternehmen und Angehörige der Freien Berufe mit 11 bis 49 Beschäftigten.

Antragsteller müssen jeweils versichern, dass sie durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, die ihre Existenz bedrohen, weil die fortlaufenden Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb voraussichtlich nicht ausreichen, um die Verbindlichkeiten in folgenden drei Monaten aus dem laufenden erwerbsmäßigen Sach- und Finanzaufwand wie gewerbliche Mieten, Pachten und Leasing­raten zu zahlen. Die konkrete Einmalzahlung orientiert sich an einem glaubhaft versicherten Liquiditätsengpass für drei aufeinander folgende Monate.

  • Das Bürgertelefon zum Corona-Virus ist unter der (04131) 26-1000 zu erreichen.
  • Über den aktuellen Stand zum Coronavirus in Lüneburg und Umgebung informieren wir Sie hier.

Wer Hilfe anbieten möchte oder Unterstützung sucht: www.coronahilfe.bfw-design.de oder www.lebendiges-lueneburg.de/solidaritaet