Dienstag , 29. September 2020
Seit zwei Wochen versucht Joachim Komander zurück nach Deutschland zu gelangen, bisher vergeblich. Fotos: privat

Im Wechselbad der Gefühle

Lüneburg/Cusco. Eigentlich wäre Joachim Komander am Dienstag in der peruanischen Stadt Cusco ins Flugzeug gestiegen und jetzt schon wieder zu Hause in Melbeck. Aber sein Flug wurde wie so viele gestrichen, jetzt harrt er in Lateinamerikas Kulturhauptstadt der Dinge – und schildert der LZ die Situation dort. Auf den Straßen patrouillieren Militär und Polizei. Es herrscht Ausgangssperre. Seit vierzehn Tagen schlägt Komander in seinem kleinen Appartment im sechsten Stock die Zeit tot. „Eigentlich hatte ich noch einiges vor in diesem wunderschönen Land“, sagt er bedauernd. Das Haus darf er ausschließlich verlassen, um einzukaufen. „Ich gehe eigentlich immer Umwege, um länger an der frischen Luft zu sein“, verrät Komander.

Manchmal stiehlt er sich auch einfach so aus dem Haus, setzt sich auf eine Parkbank, und wartet, bis er von Polizisten aufgegriffen und nach Hause geschickt wird. Das sei vermutlich nur möglich, weil er nicht unmittelbar im Zentrum wohne, dort seien die Kontrollen schärfer. „Es ist sonst wirklich schwer zu ertragen, unsere Wohnung hat nicht mal einen Balkon.“ Angst hat Komander nicht, vielleicht kommt ihm in dieser Situation zugute, dass er selbst Polizist war, erst seit November 2019 ist er in Pension. „Ich grüße freundlich, und die Kollegen grüßen freundlich zurück.“ Anfang Februar kam er nach Bolivien und reiste dort mit dem Rucksack herum, seit dem 14. Februar ist er in Peru, machte erst einen Sprachkursus in Cusco, dann drei Wochen Freiwilligenarbeit in einem Tierauffanglager im Dschungel.

Viel Lob hat er für die Generalkonsulin

Komander: „Als ich zurückkam war ich völlig überrumpelt von der Situation. Um nach Hause zu kommen, habe ich mich in viele verschiedene Listen des Auswärtigen Amtes, der Deutschen Botschaft in Lima und dem Honorarkonsulat in Cusco eingetragen. Bislang ohne Erfolg.“ Viel Lob hat er für die Generalkonsulin Maria Jürgens übrig: „Eine mega-toughe Frau, die sich sehr engagiert und uns immer ganz aktuell mit Informationen versorgt.“

Doch etwas erreichen konnte sie bislang nicht, in der WhatsApp-Gruppe der gestrandeten deutschen Touristen muss sie deren Hoffnungen immer wieder zerschlagen, avisierte Flüge wieder absagen. Das zehrt an den Nerven. Komander beschreibt die aktuelle Situation als Wechselbad der Gefühle. „Anfangs war ich noch sehr optimistisch und habe auf das Organisationsgeschick als eine der deutschen Tugenden vertraut. Das hat sich drastisch geändert. Ich höre und lese, wie andere Nationen, wie Amerikaner, Schweizer, Italiener, Russen Passiergenehmigungen auf dem Landwege nach Lima und Flüge in ihre Heimat organisiert und genehmigt bekommen. Warum schafft die deutsche Regierung das nicht? Was läuft da falsch?“

Warten auf den erlösenden Anruf von der Botschaft

Komander ist gerade froh über seine große Reiseerfahrung, besonders in Süd- und Mittelamerika. „Mich haut so schnell nichts um. Viele andere Backpacker hier sind unerfahren, mehr als 40 Jahre jünger als ich, da spürt man teilweise schon eine große Angt, es wird viel spekuliert.“ Die Grundversorgung in Cusco sei sichergestellt. Seine Zeit verbringt Joachim Komander mit Lesen, Einkaufen, dem Verfolgen der Nachrichten und dem Warten auf den erlösenden Anruf von der Botschaft. „Angeblich sollen heute, morgen und übermorgen Flüge über Santiage de Chile nach Frankfurt gehen, aber das glaube ich erst, wenn wir abheben.“

Die Zeit in Peru werde ihm dennoch immer positiv in Erinnerung bleiben, ist er sicher. „Alles vor Corona war absolute Spitzenklasse.“ Auch die nächste Reise ist bereits geplant: Im Sommer will Komander nach Mexiko.

Von Lea Schulze

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