Mittwoch , 21. Oktober 2020
Michael Finkbeiner und Uli Stehr vom Reisebüro Rossberger hoffen, dass die Lüneburger nach der Corona-Krise wieder Lust auf Urlaub in der Ferne haben und verpasste Reisen nachholen. Foto: t&w

Verluste sind kaum aufzufangen

Lüneburg. Am Freitag, den 13. , sei er noch einigermaßen zuversichtlich gewesen, sagt Michael Finkbeiner, Geschäftsführer des Lüneburger Reisebüros Rossberger. Doch drei Tage später mussten auch die Reisebüros – wie viele andere Geschäfte – aufgrund der Corona-Pandemie für den Publikumsverkehr schließen. Die Stornowelle rollte an. Inzwischen ist die Situation düster. „Bis zum 30. April werden alle Pauschalreisen von Reiseveranstaltern kostenfrei storniert. Bei den Fluggesellschaften ist die Situation hingegen kompliziert – viele Flüge wurden und werden umgebucht, es fehlt eine klare Regelung bezüglich der kostenfreien Rückerstattung oder Umbuchung“, schildert Finkbeiner. Das trifft Reisebüros aus mehreren Gründen hart, bedroht manches Unternehmen existenziell. Zur Unterstützung hofft die Branche nun auf Kunden, die umbuchen statt stornieren.

Stornierungen sorgen für Arbeit, aber ohne Provision

Das Rossberger-Team hat sieben Mitarbeiter, ab 1. April heißt es für sie Kurzarbeit. Erreichbar sei das Team weiter über Telefon und E-Mail, sagt Finkbeiner, der auch erklärt, dass von Hunderten von Reisebuchungen die Stornierungen abgearbeitet, Anzahlungen und Zahlungen an die Kunden rücküberwiesen werden müssen. „Unser Problem: Die Rückerstattungen von den großen Veranstaltern und Fluggesellschaften an die Reisebüros fließen nur zäh. Sie sind für uns per Telefon zum Teil nicht zu erreichen, auch der Mail-Kontakt und die Antworten dauern mitunter tagelang.“ Kunden und Reisebüros bräuchten einen langen Atem. Das Ostergeschäft ist komplett unter den Tisch gefallen. „Dazu kommt, dass Reisebüros für abgesagte Reisen, Flug- und Zimmerreservierungen in der Regel keine Provision bekommen.“

Dabei habe viele Reisebüros erst vor sechs Monaten die Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook hart getroffen. „Wir haben immer null Euro verdient und defizitär gearbeitet – bei allen Insolvenzen, Naturkatastrophen, Epidemien, Terror- und Kriegssituationen ist immer so viel Mehrarbeit angefallen, und es gab keine Finanzspritze. Nun haben wir Corona und sind skeptisch, was die finanzielle Unterstützung des Staates angeht.“

Nicht absehbar sei, wie lange die Beschränkungen in der Corona-Krise anhalten. Deshalb werde im Moment kaum gebucht, auch der Mai habe sich schon so gut wie erledigt. Finkbeiners Erfahrung aus den vergangenen Wochen: „Die Kunden möchten zwar reisen, wollen im Moment verständlicherweise aber nicht buchen, weil die Situation völlig unklar ist.“ Einige Reiseveranstalter böten deshalb an, die Reise umzubuchen – statt sie zu stornieren. Für Kunden die Möglichkeit, die Reise zu einem späteren Termin im Jahr anzutreten, für Reisebüros und -veranstalter eine gewisse Perspektive.

Mitarbeiter gehen ab April in Kurzarbeit

Reisen in die ganze Welt vermittelt auch das Reisebüro Ihden in Adendorf. Inhaberin Roswitha Apel macht deutlich, dass in ihrer Branche im Januar, Februar und März das Geschäft fürs ganze Jahr gemacht wird. „Das ist alles weggefallen. Auch wenn wieder gereist werden darf, wird das die Verluste nicht aufwiegen.“ Auch ihre vier Mitarbeiterinnen seien ab April in Kurzarbeit. „Und wir versuchen, die Ausgaben zu reduzieren.“ Die Werbekosten sind quasi auf Null gesetzt, mit dem Vermieter hat sie gesprochen, damit die Miete vorübergehend gesenkt wird.

Erreichbar für Kunden bleibt auch das Adendorfer Reisebüro per Telefon oder E-Mail – so halten es auch die Läden vieler Kollegen in Stadt und Kreis. Roswitha Apels Erfahrung ist, dass die meisten Kunden durchaus Verständnis dafür haben, dass es mit der Rückerstattung bei Stornierung dauern kann. Auch sie verweist auf die Möglichkeit: umbuchen statt stornieren. Um die Geschäftsvielfalt in Stadt und Landkreis zu erhalten, bittet sie die Menschen, vor Ort in einem Reisebüro zu buchen. „Hier gibt es auch den persönlichen Ansprechpartner.“ Mit Blick nach vorne geht sie davon aus, dass erst einmal mehr Reisende in Deutschland bleiben und Auslandsreisen sowie Kreuzfahrten weniger gefragt sein werden. „Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen“, sagt sie mit Zuversicht.

Von Antje Schäfer

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