Sonntag , 27. September 2020
Mike Klapp am Eingang zum ehemaligen Heizungsraum, in dem seine Dreherei entsteht. Foto: tm

Der Fernsehturm als Pfeifenstopfer

Lauenburg. Im neuen Domizil, das Mike Klapp seinen „beruflichen Lebenstraum“ nennt, duftet es nach frischem Tabak. Die über 130 Jahre alten Backsteinwände sind achteinhalb Meter hoch und zwei Meter dick. In der Ecke stehen ein altes Schweißgerät aus dem Jahr 1902 und ein Amboss, der wohl sogar noch älter ist. Hier, im ehemaligen Heizungsraum des riesigen Getreidespeichers an der Lauenburger Hafenstraße, baut sich der 44-jährige Neetzer unter einem Dach mit einem Pfeifenbauer und einem Tabakhersteller eine neue Existenz als Metallbildner mit Schwerpunkt Industriedesign auf.

Mit 14 Jahren den Hauptschulabschluss, dann eine Lehre als Zerspanungsmechaniker mit Schwerpunkt Drehtechnik, anschließend in diesem Beruf verschiedene Jobs unter anderem in einem Betrieb für Raum- und Luftfahrtechnik – gearbeitet hat er eigentlich immer schon und um einen Job musste sich Mike Klapp nie sorgen, Fachkräfte wie er sind begehrt. Und dennoch hat er da immer eine Idee in seiner Schublade, selbstständig zu sein und nach Herzenslust zu drehen. „Kreativität und eigene Ideen waren nicht gefragt in meinem Job, doch mir wurde immer klarer, dass ich genau das brauche“, sagt er.

Gewerberäume in Lüneburg für viele nicht bezahlbar

Doch weil in seiner Heimatstadt Lüneburg Gewerberäume ohnehin nicht bezahlbar sind, schiebt der heute 44-Jährige das Vorhaben zunächst immer wieder auf. Bis ihn der Zufall nach Lauenburg führt. Dort im alten Getreidespeicher baut sein Bekannter Holmer Knudsen in Handarbeit hochwertige Pfeifen. Das im Jahr 1885 errichtete markante Gebäude gegenüber dem Yachthafen hat eine bewegte Geschichte hinter sich, diente auch schon als Mälzerei, Sägerei und Schmiede.

Mike Klapp verliebt sich sofort in einen rund 70 Quadratmeter großen Raum, in dem früher der Heizkessel stand und der nur noch als Lager genutzt wird.
Bei der Lüneburger Arbeitsagentur stößt er auf offene Ohren, die Behörde bezahlt ihm sogar fachliche Unterstützung bei der Erstellung eines Businessplanes. „Ich hatte ständig neue Ideen, der hat ganz schön was aushalten müssen mit mir“, erinnert sich Klapp schmunzelnd an seine zahlreichen Termine beim Mitarbeiter der Beratungsgesellschaft Willkomm. Doch schließlich steht der Plan und die Sparkasse Lüneburg findet ihn so überzeugend, dass sie eine Finanzierung zusagt – „ich bin froh, dass ich es gewagt habe“, sagt der Neetzer heute.

„Ich hatte ständig neue Ideen, der hat ganz schön was aushalten müssen mit mir.“ – Mike Klapp

Dabei fing die Arbeit mit der Finanzierungszusage erst an. Mike Klapp reist durch ganz Deutschland, um Maschinen zu finden, die bezahlbar sind („für den Mittelstand gibt es da nichts und ich bin ja kein Hobbybastler“), ist schließlich erfolgreich und muss jetzt den Heizungsraum auf Vordermann bringen. 4,6 Tonnen Bauschutt schleppt er heraus, 10,2 Tonnen handgerührter Estrichbeton kommen auf den Fußboden – und jetzt können die Maschinen folgen.

Kreativ sein – für Mike Klapp sind das unter anderem „Hamburger Fernsehtürme“. Diese kleinen Stifte aus Messing werden an einem Stück gedreht und können sowohl als Pfeifenstopfer wie auch als Fahrradventile verwendet werden. „Beachcruiser nutzen das, die sind ganz scharf darauf“, weiß Klapp. Doch auch Möbelbeschläge, spezielle Lampen für Lichtdesign, Staffeleien für Künstler – der Familienvater hat viele Ideen, wie er sich kreativ „austoben“ kann. Er ist angekommen in seinem Traum.

Von Thomas Mitzlaff