Mittwoch , 28. Oktober 2020
Die Innenstadt ist leer, die Geschäfte sind geschlossen: Unternehmer bangen um ihre finanzielle Existenz. Foto: be

Die Katastrophenschützer von der NBank

Lüneburg. Für einen Banker erlebt Stephen Struwe-Ramoth in diesen Tagen eher ungewöhnliche Szenen: „Wir haben Leute am Telefon, die sind verzweifelt und weinen. “ Der Leiter der Lüneburger Geschäftsstelle der landeseigenen NBank versteht das nur zu gut: „Für viele geht es um die Existenz.“ Wer seinen Laden aufgrund der Corona-Krise schließen muss in dem Bewusstsein, dass viele seiner Kosten weiterlaufen, aber die Einnahmen wegbrechen, der hat das Gefühl, dass ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Zig Geschäftsleute haben das der LZ berichtet. Die NBank wird so zum wirtschaftlichen Katastrophenschutzhelfer für Maßnahmen aus Berlin und Hannover.

Von dort gibt es immer neue Versprechen „unbürokratischer Hilfe“. Doch wer glaubt, dass die Ansagen, die Wirtschaftsminister Peter Altmaier am Sonntagabend im Fernsehen zur Beruhigung ausgibt, auch am Montag gelten, erlebt eine Enttäuschung. Struwe-Ramoth will das nicht kommentieren, er sagt diplomatisch: „Trifft die Politik Entscheidungen, setzen wir sie mit Hochdruck um.“ Übersetzt in die Realität heißt das: Altmaiers Verkündigung kann voraussichtlich von Mittwoch an umgesetzt werden.

Server der Bank waren so überlastet, dass sie zusammenbrachen

Welcher Druck herrscht, zeigt eine Pressemitteilung vom Sonntag: „Am Samstagabend gegen 22 Uhr lagen der NBank etwa 22.000 Anträge zur Niedersachsen-Soforthilfe Corona vor. Schon bewilligt und zur Zahlung angewiesen wurde ein Volumen von etwa 2,6 Millionen Euro. Für den Niedersachsen-Liquiditätskredit lagen zu diesem Zeitpunkt 580 Darlehensanträge vor. Davon wurden bereits Darlehen in Höhe von 200.000 Euro bewilligt.“ Und bekanntlich waren Server der Bank so überlastet, dass sie zusammenbrachen. Der Alltag der Mitarbeiter bedeutet Krisenmanagement. „Von den rund 500 Kollegen, die wir landesweit haben, sind fast alle von ihren üblichen Aufgaben abgezogen und arbeiten in der Beratung“, sagt der Lüneburger NBank-Chef. Sein sechsköpfiges Team an der Stadtkoppel hat Sonnabend und Sonntag an einer Hotline gesessen. Allein bei den Mitarbeitern gingen binnen zwei Tagen gut 600 Anrufe ein, dazu 700 E-Mails. Der Banker erklärt, dass man aufgrund der Überlastung neben dem Telefon eben auch auf die elektronische Post setze. Natürlich dauere es etwas, bis alles bearbeitet sei.

Den größten Teil der Kundschaft machen – wie erwartet – Solo-Selbstständige und Chefs kleiner Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern aus. Um Hilfen zu erhalten, müsse einer von drei Punkten erfüllt sein, heißt es auf einer NBank-Seite im Internet: „1. In dem Monat, in dem der Antrag gestellt wird, liegt ein Umsatz- bzw. Honorarrückgang von mindestens 50 Prozent vor. 2. Der Betrieb wurde auf behördliche Anordnung wegen der Corona-Krise geschlossen. 3. Die vorhandenen liquiden Mittel reichen nicht aus, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu zahlen (Liquiditätsengpass).“

Fixkosten laufen weiter

Doch die Erfahrung von Geschäftsleuten, mit denen die Redaktion gesprochen hat, zeigt, der Teufel liegt im Detail. Der Hauptknackpunkt sind die Eigenmittel. Die Bank definiert sie so: „Eigenmittel sind das verfügbare liquide Vermögen. Vor Inanspruchnahme der Soforthilfe ist verfügbares liquides Vermögen einzusetzen, das heißt: gebundenes Vermögen ist nicht zu aktivieren. So sind zum Beispiel nicht anzurechnen: langfristige Altersversorgung, Aktien, Immobilien oder Mittel, die für den Lebensunterhalt benötigt werden. Bei Personengesellschaften kann ein kalkulatorischer Pauschalbetrag von 1180 Euro pro Monat für Lebensunterhalt des Inhabers berücksichtigt werden.“

Aus einem Lüneburger Lokal heißt es: „Ich habe keine Aktien oder Immobilien. Nach dieser Vorgabe muss ich meine angesparte Altersvorsorge in den Betrieb stecken. Denn meine Fixkosten laufen weiter. Ich lande am Ende bei Hartz IV.“ Ob es eine Lösung gibt, scheint unklar. Aber eins ist sicher: Genau diese Unsicherheit dürfte die Anfragen bei NBank weiter befeuern.

Weitere Informationen unter: www.nbank.de/Blickpunkt/Covid-19-–-Beratung-für-unsere-Kunden.jsp

Von Carlo Eggeling

  • Das Bürgertelefon zum Corona-Virus ist unter der (04131) 26-1000 zu erreichen.
  • Über den aktuellen Stand zum Coronavirus in Lüneburg und Umgebung informieren wir Sie hier.

Wer Hilfe anbieten möchte oder Unterstützung sucht: www.coronahilfe.bfw-design.de oder www.lebendiges-lueneburg.de/solidaritaet