Mittwoch , 21. Oktober 2020
Wie andere Einwohner des Bienenbütteler Ortsteils Hohnstorf auch prostet Meike Karolat ihren Nachbarn auf die Distanz zu. (Foto: privat)

Prosten auf die Distanz

Hohnstorf. „Ich geh mal eben ein Distanzbier trinken.“ Dieser Satz sorgte erst für irritierte Blicke und dann für eine neue Idee im Hause von Matthias Sost. Das „Distanzbier“ war ein Einfall des Sohnes seiner Lebensgefährtin, um mit dem Kumpel von gegenüber auch in Zeiten von Corona in Kontakt zu bleiben. Von Haustür zu Haustür prostete man sich aufmunternd zu.

Diese Idee hat in Hohnstorf inzwischen Schule gemacht: Am Mittwoch um 18 Uhr öffneten rund 60 Bewohner des 200-Einwohner-Dorfs ihre Türen und Fenster, um sich mit Kaffee, Brause, Sekt oder Bier aus der Entfernung zuzuprosten. „So hat man endlich mal wieder seine Nachbarn gesehen“, freut sich Sost. „Da hat man gemerkt, wie sehr die Leute das gerade brauchen: einen Lichtblick in schwierigen Zeiten.“

Als Ortsvorsteher von Hohns­torf hat Sost gerade allerhand zu tun. Mit Unterstützung der Gemeindeverwaltung organisiert er die Versorgung hilfsbedürftiger oder gefährdeter Menschen im Dorf – erfolgreich, wie er sagt. „Wir sind hier sehr gut vernetzt. Es gibt hier niemanden, der nicht durch seine Nachbarn oder Verwandte versorgt wird.“

Jetzt hofft Sost, dass die Gemeinschaft weitere Ideen einbringt, um auch in Zeiten der Krise einen Moment des Miteinanders und des Frohsinns zu genießen. „Schließlich ist das Lachen ja noch nicht verboten“, sagt der Hohnstorfer Ortsvorsteher.

Von Anna Petersen