Sonntag , 27. September 2020
Katrin Gerke hat ihr Fahrrad wieder auf Vordermann gebracht, in ihrer „Klimafasten“-Woche wollte sie ganz aufs Autofahren verzichten. Corona durchkreuzte ihren Plan. Foto: t&w

Klimafasten für die ganze Welt

Von Katrin Gerke
Bardowick. Eine Woche Klimafasten, auf Etwas verzichten für den Klimaschutz. Das hatte ich mir vorgenommen. Doch wo setze ich den Schwerpunkt? An welcher Stelle kann ich am meisten einsparen?

Mit dem CO₂-Rechner des Umweltbundesamtes berechne ich meinen jährlichen CO₂-Ausstoß im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt. Insgesamt stehe ich im Vergleich gar nicht so schlecht da. Nur im Bereich der Mobilität, da verursache ich mit meinem Auto fast doppelt so viele Tonnen CO₂ pro Jahr wie der Durchschnitt. Hier gibt es offenbar Einsparpotenzial.

Ich nehme mir also vor, in meiner Klimafasten-Woche das Auto stehen zu lassen. Mit dem Fahrrad zum Bahnhof zu fahren, um dann den Metronom zu nehmen für meine Kundentermine in Hamburg. Auch meine Kinder und Enkel will ich auf diesem Wege besuchen. Soweit mein Plan.

Mittwoch

Zuerst hole ich mein altes Fahrrad ganz hinten aus dem Schuppen. Dort steht es mindestens seit sechs Monaten. Es bringt Spaß, mein Rad von Spinnweben und Schmutz zu befreien. Die Kette und die Gangschaltung werden geschmiert, die Reifen aufgepumpt. Eine kleine Probefahrt im Wald um unser Haus zeigt mir: Auch wenn es etwas klappert, mein Rad ist einsatzbereit.

Donnerstag

Heute früh habe ich am anderen Ende von Lüneburg einen Termin. Obwohl es nieselt, setze ich mich auf mein frischpoliertes Rad und fahre los. Schnell merke ich: Diese Muskeln habe ich lange nicht beansprucht. Es ist anstrengender als gedacht. Hinterher fühle ich mich erschöpft, aber auch stolz. Ich bin nicht nur für das Klima geradelt, sondern auch für meine Gesundheit. Das fühlt sich gut an.

Freitag

Der Kalender ist leer, denn alle meine Termine als selbstständige Einrichtungsberaterin wurden abgesagt wegen der Coronakrise. Also arbeite ich im Homeoffice und erstelle einen Marketingplan. Eine kleine Runde mit dem Fahrrad durch den Wald gönne ich mir zwischendurch.

Sonnabend

Diese Woche sollte mein Auto stehen bleiben. Aber die Coronakrise durchkreuzt meinen Plan. Heute muss ich nach Hamburg fahren zu meiner Tochter. Sie befindet sich mit der ganzen Familie in der Isolation und ich habe den Kofferraum voll mit Einkäufen für sie. Lebensmittel, Babynahrung und Drogerieartikel. Das hätte ich mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln nicht bewältigen können. Außerdem möchte ich Bus und Bahn zur Zeit lieber meiden, ich will mich ja nicht anstecken.

Sonntag

Der herrliche Sonnenschein würde uns verlocken, an die Ostsee zu fahren. Aber Schleswig-Holstein ist für Touristen gesperrt. Deshalb fällt es uns leicht, auf den Ausflug mit dem Auto zu verzichten und eine Wanderung in der Umgebung zu machen.

Montag

Ab heute gilt eine allgemeine Kontaktsperre und ich nutze die Zeit, um mein Klimafastenprojekt zu überdenken. Zurzeit ist nicht nur mein CO₂-Ausstoß extrem reduziert. Sondern offenbar auch von vielen Menschen weltweit. Nicht deshalb, weil wir uns selber dafür entschieden haben, sondern weil die Corona-Krise uns dazu zwingt. Die Mobilität, die Industrie und der Konsum, alles ist stark eingeschränkt. Eigentlich ist die ganze Welt am Klimafasten.

Dienstag

Normalerweise treffen wir uns dienstags immer in Bergedorf im Rednerclub. Heute haben wir uns zum ersten Mal zu einer Videokonferenz verabredet. Statt Auto also Rechnerleistung und wieder habe ich CO₂ eingespart.

Und in Zukunft?

Ich werde mein Fahrrad nicht wieder einrosten lassen. Wenn nach der Krise neue Termine kommen, will ich mit dem Rad zum Bahnhof fahren und den Metronom nutzen. Damit das Klima sich auch weiter erholen kann.

Mehr dazu:

Einmal unverpackt, bitte!

Thermostat runter, Kamin an

Bete statt Bento