Das Rad ist derzeit das geeignete Mittel für den Kontakt zu den Kunden, die selbst nicht ins Geschäft kommen können. Jan Orthey und Andreas Göhring setzen auf schnelle Lieferung von Lesestoff. Foto: t&w

Mit dem Fahrrad durch die Krise

Lüneburg. In Zeiten von Corona haben es Geschäftsleute extrem schwer. Der Verkauf im Laden kommt zum Erliegen, die Fixkosten laufen weiter. Diese Misere trifft auch den örtlichen Buchhandel hart, obwohl doch gerade jetzt viele Menschen mehr Zeit haben also sonst, um mal ein gutes Buch zur Hand zu nehmen. Die örtlichen Händler versuchen, so gut wie möglich gegen die Krise anzusteuern.

„Soziale Verantwortung“

Um die laufenden Kosten zu verringern, musste „Lünebuch”-Geschäftsführer Jan Orthey für die meisten seiner 36 Mitarbeiter ab April Kurzarbeit anmelden. Für März sollen sie noch ihr volles Gehalt bekommen, denn das sei seine „soziale Verantwortung“, findet der 41-Jährige. Doch die Einnahmen sind auch für ihn weggebrochen. Nicht nur der Verkauf von Büchern im Laden am Marktplatz, sondern auch die Zusatzverkäufe in Form von Dekoartikeln, Postkarten oder Schreibwaren fallen weg. Diese machen einen wesentlichen Teil des Umsatzes der Buchhandlungen aus, verdeutlicht Orthey. Besonders ärgerlich sei, dass das Ostergeschäft ausbleibt.

Doch auf neuen Lesestoff aus der lokalen Buchhandlung soll trotzdem keiner verzichten müssen: „Lünebuch“ hat schließlich schon seit 15 Jahren einen einen Internetshop. Gerade jetzt ist der besonders wichtig. Was im Netz, per E-Mail oder auch telefonisch bestellt wird, bekommen die Kunden nach Hause geliefert – per E-Bike, Lastenrad oder Auto. Um gerade jetzt eine schnelle Lieferung zu ermöglichen, hat Orthey die Anzahl der Boten verdoppelt. Da er auch ausreichend Ersatzakkus habe, können die Räder ohne Aufladepause genutzt werden. Das ist in diesen Tagen besonders wichtig, um die Ware an den Mann oder die Frau zu bringen. Je nach Verfügbarkeit – fast 90.000 Artikel sind bei „Lünebuch“ vorrätig – betrage die Lieferdauer ein bis zwei Werktage.

Persönliche und schnelle Lieferung nach Hause

Auch die Buchhandlung „Bücher am Lambertiplatz” setzt auf die Lieferung nach Hause während der erzwungenen Schließung. Von 9 bis 13 Uhr sind die beiden Inhaberinnen Andrea Westerkamp und Annette Matthaei telefonisch erreichbar. In dieser Zeit nehmen sie Bestellungen auf und beraten bei Bedarf. Wer lieber online bestellen möchte, kann das per E-Mail und im eignen Internetshop tun. Ab Mittags liefern die beiden Frauen die Bücher zu den Kunden nach Hause. Je nach Entfernung mit dem Fahrrad oder per Auto.

Um den Kontakt so gering wie möglich zu halten, sind beide Buchhandlungen darauf bedacht, so viel Abstand wie möglich zu halten: die Lieferung werde an der Tür hinterlegt, der Bote klingelt und entfernt sich wieder etwas von der Tür. Auch ein vereinbarter Ablageort ist nach individueller Absprache möglich, falls jemand nicht zu Hause sein sollte. Gezahlt wird entweder per Rechnung oder online.

„Den individuellen Lieferdienst nehmen nicht nur Stammkunden an, sondern auch neue Kunden”, freut sich Andrea Westerkamp. Viele kaufen jetzt Gutscheine – „eine tolle Solidarität“, findet die 59-Jährige, „das ist sehr rührend, man fühlt sich wertgeschätzt von den Kunden“. Besonders Kinderbücher seien momentan gefragt, schließlich ist der Nachwuchs allerorten derzeit zu Hause und will bei Laune gehalten werden.

Abholstation vor dem Geschäft

Auch die „Buchhandlung Häcklingen” bietet einen Lieferdienst an. Bestellungen werden telefonisch und per E-Mail angenommen. Die „Bücherstube vor Ort” in Adendorf und Bardowick ermöglichen ihren Kunden die Abholung von Bestellungen während der eigentlichen Öffnungszeiten über eine Bücherbox, die vor den beiden Geschäften aufgestellt ist.

Eine weitere Möglichkeit bietet die „Buchhandlung Vogel” in Reppenstedt: Hier steht eine Abholstation bereit. Die funktioniert so: Telefonisch oder per WhatsApp können Kunden ihre Bestellungen aufgeben. Nach erfolgter Bezahlung auf dem Bezahldienst PayPal können sich die Kunden ihre Bestellung vor dem Laden aus der Abholstation holen. Inhaberin Anja Vogel möchte so ihren Kunden das Gefühl geben, „dass da noch ein normales Leben ist”. Ihre Stammkunden unterstützen sie mit Schokolade und viel Zuspruch. Gelegentlich runden die Kunden den zu zahlenden Betrag auch auf. Vogel will den Mut und ihre gute Laune nicht verlieren, auch wenn ihr die Zukunft ihres Geschäfts große Sorgen bereitet.

Von Henriette-Sophie Glag

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Wer Hilfe anbieten möchte oder Unterstützung sucht: www.coronahilfe.bfw-design.de oder www.lebendiges-lueneburg.de/solidaritaet