Sonntag , 27. September 2020
Peter Strampe und Erntehelfer Jaroslaw freuen sich über die Unterstützung aus Rumänien. Foto: phs

Flugzeug für Erntehelfer gechartert

Neetze. Das war kurz vor knapp für den Spargelhof Strampe. Bevor Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wegen der Corona-Pandemie ein Einreiseverbot für landw irtschaftliche Saisonarbeiter aus Osteuropa erließ, konnte der Betrieb in Neetze seinen Bestand an Erntehelfern gerade so noch etwas ausbauen.

Am Mittwoch reisten sechs von ihnen aus Rumänien an, nachdem bereits am Sonntag 40 ihrer Landsleute ankamen. „Dabei handelt es sich um unsere Leute, um Mitarbeiter, die schon seit Jahren bei uns im Betrieb tätig sind“, sagt Peter Strampe und ergänzt: „Das ist sehr wichtig für unsere Abläufe bei der Spargel-ernte, denn die Helfer sind eingearbeitet.“

Für die Saisonarbeiter, die seit Sonntag da sind, hatte Strampe eigens ein Flugzeug per Internet gechartert. Der Flug startete in der Universitätsstadt Iași im Nordosten Rumäniens nahe der Grenze zu Moldawien und endete auf dem Flughafen in Hannover. Die anderen Helfer kommen aus der gleichen Region und kamen ebenfalls per Flugzeug. „Das war der letzte Flug, der möglich war“, berichtet Peter Strampe.
Das Einfliegen der rumänischen Mitarbeiter sei teuer gewesen, doch nicht nur die Neetzer setzen auf diesen Weg, um Stammkräfte aus Osteuropa in die landwirtschaftlichen Betriebe zu holen. „Wir gehen davon aus, dass es sich irgendwie rechnet.“ Eine Alternative zu den bewährten Saisonarbeitern aus Rumänien hätte es kaum gegeben. „Wir hätten nicht wie gewohnt ernten können.“

Für die Haupternte fehlen noch 30 Arbeiter

Rund 60 Erntehelfer stehen für die Arbeit auf den Spargelfeldern nun in den Startlöchern. „So ganz reicht das noch nicht an Personal. Wir sind jetzt bei ungefähr 75 Prozent der benötigten Kräfte. Für die Haupternte in einigen Wochen fehlen noch 30 Helfer.“ Der Spargelhof hat darüber hinaus ganzjährig 40 festangestellte Mitarbeiter.

Woher die noch fehlenden Arbeiter kommen sollen, das weiß Peter Strampe nicht. „Es ist schwierig, das Einreiseverbot ist für uns ein massives Problem.“ Je schneller die Corona-Krise vorbeigeht, desto schneller ist es möglich, Erntehelfer zu bekommen. „Kommt es nicht so, wird es weniger Spargel geben.“

Es erreichen den Spargelhof zunehmend Fragen, warum der Betrieb während der Ernte nicht auf Schüler, Studenten oder Menschen zurückgreife, die ihren Job momentan nicht ausführen können. Dass sich hinter der Idee mehr Probleme als Chancen verbergen, erläutert der Spargelhof auf seiner Facebook-Seite.

Einige der Argumente sind: „Unsere Mitarbeiter sind in Gruppen eingeteilt, die zusammen arbeiten, das Essen gemeinsam einnehmen und in einem Bereich wohnen. Da unsere Mitarbeiter aus einem Nicht-Risikogebiet kommen, wollen wir diese Gruppen möglichst autark erhalten. Zum Einkaufen haben wir mit unserem örtlichen Edeka-Markt gesonderte Öffnungszeiten vereinbart beziehungsweise lassen die Lebensmittel auf unserem Hof anliefern.“

Klage über zu viel Bürokratie

Ein weiteres Argument sei die Bürokratie. „Es gibt Hinzuverdienstgrenzen und das Jugendschutzgesetz bei Schülern. Erhält ein Student zum Beispiel Bafög, ein junger Mensch bis 25 Jahre in Ausbildung oder ein Schüler noch Kindergeld, so ist ein Zuverdienst von maximal 450 Euro gegeben. Zudem muss bei einem Minijobber bis 450 Euro der Hauptarbeitgeber dieser Beschäftigung schriftlich zustimmen. Zur Zeit sind aber viele Betriebe geschlossen, etwa in Gastronomie und Hotelgewerbe.“

Und es könne sein, dass es aufgrund der körperlich schweren Arbeit etwa zu einem Bandscheibenvorfall kommt. Folge: Der Mitarbeiter fehlt langfristig bei seinem Hauptarbeitgeber. „Entstehen hier eventuell Ansprüche an uns? Wir brauchen Vollzeitkräfte mit einer wöchentlichen Stundenzahl von 40 Stunden. Ein Minijobber bis 450 Euro kann bei einem Mindestlohn von 9,35 Euro in der Stunde also maximal 48 Stunden im Monat für uns arbeiten.“

Von Stefan Bohlmann