Freitag , 18. September 2020
Bei der Gemüseernte werden Steffen Maack Erntehelfer fehlen, wenn die Grenzen zu lange geschlossen bleiben. Foto: t&w

Gemüse wird es geben, doch zu welchem Preis?

Bardowick. „Wenn es nicht zu lange dauert, dann gibt es keinen Engpass“, sagt Gemüsebauer Steffen Maack aus Bardowick. „Gemüse wird es geben. Doch es kann passi eren, dass nicht, wie bisher gewohnt, immer alles jederzeit verfügbar ist, und dass Produkte teurer werden.“

Steffen Maack weiß auch, dass seine Einschätzung morgen schon hinfällig sein kann. Das lehrt die Corona-Krise mit ihren ständigen Veränderungen und neuen Entwicklungen. Deshalb bleibt der 52-Jährige bei dem, was er für den Moment mit Sicherheit sagen kann. „Meine Stammkräfte bei den Erntehelfern aus Polen und Rumänien sind da. Zurzeit passt es noch bei mir im Betrieb.“ Seine Mitarbeiter bereiten das Wintergemüse wie Sellerie, Pastinaken und Möhren auf, damit es im Kühlhaus gelagert werden kann.

„Auch die Frühjahrs-Aussaat klappt, weil auf dem Großmarkt in Hamburg weniger Ware abgerufen wird“, sagt der Landwirt. Er beliefert den Großhandel, das Bardowicker Gemüse landet dann in Supermarktregalen und in der Gastronomie. „Weil Restaurants geschlossen haben, werden zurzeit weniger Produkte benötigt. Dadurch haben wir weniger Aufwand als üblich und mehr Zeit für die Feldbestellung.“

Rucola-Ernte beginnt Anfang Mai

Dennoch befürchtet er, dass er in Schwierigkeiten kommen könnte, wenn wegen der Corona-Pandemie die Grenzen für Saisonarbeiter zu lange geschlossen bleiben. „Spätestens Anfang Mai, wenn ich mit der Rucola-Ernte beginnen muss, benötige ich mehr Leute als ich sie jetzt habe.“

Bis zu 20 Erntehelfer würden dann fehlen, bleiben die Grenzen dicht. Zumal er schon jetzt auf zwei bewährte Kräfte aus Rumänien und einen Polen verzichten muss. „Sie wollten wegen des Coronavirus zu Hause bei ihren Familien bleiben.“ Daher hofft er, dass die Einschränkungen schnell wieder zu Ende gehen. „Wenn Spargel, Rucola, Kohlrabi und Salat erst einmal erntereif sind, muss das Gemüse sofort aus dem Boden raus.“

Arbeitswillige werden vermittelt

Wie er den Personalstamm auffüllen kann, das weiß Steffen Maack wie viele andere Bauern noch nicht. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat das Portal AgrarJobBörse eingerichtet. „Es kann Betriebe dabei unterstützen, Erntehelfer zu finden und bietet Arbeitswilligen die Gelegenheit, ihre Unterstützung anzubieten“, teilt die Kammer mit. „Ich habe meinen Betrieb in dem Portal der Landwirtschaftskammer für die Vermittlung von Saisonkräften angemeldet“, berichtet Maack. Doch das sei eher als Notnagel gedacht. Das Problem: Arbeitswillige werden zwar vermittelt, doch diese haben keine landwirtschaftliche Vorbildung. „Aus diesem Angebot kann ich daher nicht auf Fachkräfte zurückgreifen, wie es die Ernte-helfer aus Osteuropa sind. Doch die benötige ich, weil es schwierig und zeitaufwendig ist, diejenigen, die jetzt helfen wollen, komplett neu anzulernen.“

Zeit, die das Gemüse nicht lässt, wenn es geerntet werden muss. Auch gekühlte Lagerware sei nicht für ewig. „Es wird nichts schlecht, aber sobald die Ernte in Süddeutschland beginnt, ist frisches Gemüse bei den Kunden gefragt und Lagerware lässt sich kaum noch vermarkten.“

Von Stefan Bohlmann