Montag , 26. Oktober 2020
Pia Ostermann. Foto: Landkreis

Blitzableiter und Seelsorgerin

Lüneburg. Die erste Anlaufstelle für knapp 183.000 Menschen in Sachen Corona hat elf Zahlen: (04131) 261000 – das ist die zentrale Rufnummer, die die Menschen aus Stadt und Landkreis Lüneburg anrufen müssen, wenn sie Fragen zu Allgemeinverfügungen und Einschränkungen, zu Krankheitssymptomen oder Angst vor einer Ansteckung haben. Auch wer meint, sich auf Corona testen lassen zu müssen, muss die Nummer wählen. Die Behörden wiederholen es seit Tagen gebetsmühlenartig: Das Bürgertelefon ist die erste Adresse, die Mitarbeiter sind Blitzableiter und Seelsorger, sie geben Hilfestellungen und nehmen Ängste.

Und wer so als erster Ansprechpartner hervorgehoben wird, der bekommt die Stimmungen und Nöte der Bevölkerung ungeschminkt und ungefiltert mit. Wenn plötzlich eine Ausgangssperre im Gespräch ist, wenn man im Krankenhaus nicht mehr die Liebsten besuchen darf – „mit jeder neuen Lage verändern sich entsprechend die Schwerpunkte der Fragen“, schildert Pia Ostermann. Die 25-Jährige ist eine von 25 Mitarbeitern, die im Schichtdienst dafür sorgen, dass die Menschen an jedem Tag der Woche die Hotline anrufen können. Ab nächsten Montag soll die Zahl sogar auf 30 aufgestockt werden.

Anrufe aus dem gesamten Bundesgebiet

Bis die Corona-Krise ausbrach war Ostermann im Fachdienst Personal und Interne Dienste beim Landkreis Lüneburg eingesetzt. Als dann das Bürgertelefon ins Leben gerufen wurde, war sie eine der ersten Mitarbeiterinnen, die sich an die Strippe setzten. Zunächst gab es eine umfassende Einweisung durch das Gesundheitsamt, „und nach wie vor gibt es einen täglichen Austausch über die neuesten Entwicklungen“, schildert sie.

Lüneburg war einer der ersten Landkreise, der das Bürgertelefon auch an Wochenenden freischaltete. Das machte sich besonders am 14./15. März bemerkbar, als viele Kommunen noch nicht so weit waren. „Da hatten wir Anrufe aus dem gesamten Bundesgebiet“, sagt Ostermann. Entsprechend liefen da die Drähte heiß, zumal an jenem Wochenende auch noch 1100 Schüler und Mitarbeiter des Johanneums in Quarantäne geschickt wurden, weil eine Lehrkraft erkrankt war.

Fünf Stunden täglich an der Hotline

Seitdem ist das Personal immer weiter aufgestockt worden. Wie lange die Wartezeiten sind, sehen Ostermann und ihre Kollegen auf dem Bildschirm. Die Mehrzahl der Anrufer sei freundlich und dankbar, sagt die 25-Jährige. In der Anfangszeit hätten viele Bürger ihre Verunsicherung geäußert, weil andere Länder schon viel weiter waren mit den Beschränkungen des täglichen Lebens. „Seit der Verhängung eines weitgehenden Kontaktverbotes vergangenen Sonntag fragen jetzt viele, ob sie überhaupt noch rausgehen dürfen, manche verwechseln das mit einer Ausgangssperre.“

Fragen rund um die Gefahr einer Infizierung gebe es täglich. Das Kind war im Skiurlaub, was muss ich jetzt beachten? Wie schütze ich mich, woran erkenne ich, ob ich mich infiziert habe? Neben dem täglichen Update über Risikogebiete in Deutschland und der Welt haben die Mitarbeiter des Bürgertelefons ständig Ärzte für medizinische Fachfragen als Verstärkung im Hintergrund. Fünf Stunden pro Tag sitzt Pia Ostermann am Telefon und beantwortet Fragen. Und statt „Auf Wiedersehen“ lautet die Abschiedsformel fast immer „bitte bleiben Sie gesund“.

Von Thomas Mitzlaff

  • Das Bürgertelefon zum Corona-Virus ist unter der (04131) 26-1000 zu erreichen.
  • Über den aktuellen Stand zum Coronavirus in Lüneburg und Umgebung informieren wir Sie hier.

Wer Hilfe anbieten möchte oder Unterstützung sucht: www.coronahilfe.bfw-design.de oder www.lebendiges-lueneburg.de/solidaritaet