Montag , 26. Oktober 2020
Neben pflegerischen Diensten gibt es auch Leistungen, die privat finanziert werden können: zum Beispiel ein Einkaufsservice. Gerade in diesen Zeiten möchten die älteren Menschen nicht mehr gern vor die Tür gehen. Foto: Adobe Stock

Im Einsatz für die Risikogruppe

Lüneburg. Dass pflegebedürftige Menschen auch in diesen Zeiten Hilfe brauchen, steht außer Frage. Klar ist aber auch: Die Arbeit mit der Risikogruppe erfordert gerade jetzt besondere Vorsicht. Lüneburger Pflegedienste haben deshalb entsprechende Maßnahmen ergriffen.

„Unsere Landesstelle hat einen ausgeklügelten Pandemieplan erstellt“, erklärt Ralf Gremmel, Geschäftsführer des Kreisverbands Lüneburg vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. Dieser gebe genau vor, welche Maßnahmen umgesetzt werden müssen. „Über 40 davon haben wir schon eingeführt.“ Darunter falle das Anbringen von Plakaten mit Hygienetipps sowie die genaue Dokumentation, wann wer die Geschäftsstelle betritt und wieder verlässt. „Nur so können wir im Ernstfall die Infektionskette nachvollziehen“, erklärt Gremmel.

„Unsere Landesstelle hat einen ausgeklügelten Pandemieplan erstellt.“ – Ralf Gremmel, Paritätischer Wohlfahrtsverband

Für die Mitarbeiter im Ambulanten Dienst stehe nun vor allem Vorsicht auf dem Programm – noch mehr als sonst. „Wir halten ja sowieso immer feste Hygienestandards ein, deshalb ist das für uns jetzt nichts Neues.“ Dennoch werde der direkte Kontakt wo möglich zurzeit reduziert.

„Das geht zum Beispiel bei unserem Angebot ‚Essen auf Rädern‘“, meint Gremmel. Normalerweise würden die Mitarbeiter das Essen ins Haus bringen, aus der Wärmebox auspacken und manchmal noch auf den Tisch stellen. „Jetzt wird die Box vor der Haustür abgestellt.“ Über 400 Kunden werden so täglich mit einer warmen Mahlzeit versorgt. „Die Nachfrage steigt derzeit enorm. Die älteren Menschen wollen einfach nicht mehr so gerne raus gehen“, vermutet Gremmel.

Bei Verdacht auf Corona kommt die Schutzausrüstung zum Einsatz

Auch in den Wohnanlagen des Wohlfahrtverbands werden derzeit strenge Regeln verfolgt, erläutert Gremmel. „Unsere Veranstaltungen haben wir abgesagt, stattdessen werfen wir den Bewohnern Dinge wie Kreuzworträtsel in den Briefkasten.“ Auch die regelmäßigen „Wohlauf-Kontrollen“, bei denen Mitarbeiter bei den Kunden des Paritätischen klingeln, müssen derzeit wegfallen. „Das übernehmen wir nun telefonisch, schließlich müssen wir uns natürlich weiterhin um das Wohlergehen sorgen und den Menschen zeigen, dass wir auch in dieser Zeit für sie da sind“, sagt Gremmel.

Während der Wohlfahrtsverband bisher kaum Personalausfall zu bemängeln hat, bemerkt der Pflegedienstleiter des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) Lüneburg, Christian Vollmer, ein erhöhtes Arbeitsaufkommen für die Mitarbeiter, die noch im Dienst sind. „Wir sind sehr vorsichtig. Wenn jemand nur kleine Erkältungssymptome hat, muss er zu Hause bleiben. Auch, wenn er sonst normalerweise trotzdem zur Arbeit gekommen wäre.“ Deshalb hätte es beim ASB schon einige Krankschreibungen gegeben.

Der ASB hat noch genügend Mundschutze

Vollmer betont, dass auch beim ASB grundlegend Hygienevorschriften eingehalten werden. Etwas kommt nun aber hinzu: „Unsere Mitarbeiter tragen jetzt immer diese einfachen Mundmasken.“ Dahinter stecke allerdings eher ein psychologischer Gedanke: „Dann fühlen sich die Kunden sicherer.“ Genügend Mundschutze habe der ASB noch, nur die komplette Schutzausrüstung auf Lager zu haben, sei schwierig.

Denn jeder Pfleger trage derzeit ein Notfall-Kit mit sich, ausgestattet mit einem Schutzanzug, Brille, Handschuhen und Atemschutz. „Wenn die Pfleger merken, dass einer ihrer Patienten Fieber oder trockenen Husten hat, ziehen sie diese Ausrüstung an, um sich zu schützen.“
Sie sei aber erst in einem Fall zur Anwendung gekommen, betont Vollmer. „Die Enkeltochter einer unserer Kunden geht ans Johanneum und war deshalb in Quarantäne. Aber die zwei Wochen sind ja bald um.“

Von Lilly von Consbruch