Mittwoch , 30. September 2020
Die Arbeiten auf der Baustelle der Arena Lüneburger Land laufen weiter, die Details für den Dienstleistungs- und Pachtvertrag will der Kreisausschuss in der Osterwoche beraten und beschließen. Foto: t&w

Weichenstellungen für die Arena

Lüneburg. Mit der Ostereiersuche wird es in Zeiten von Corona nicht so einfach. Ein dickes Ei haben die Mitglieder des Kreisausschusses in der Osterwoche indes noch auszubrüten: Dienstleistungs- und Pachtvertrag für die Arena müssen von der Politik genehmigt werden, damit die Projektmanager der Firma Reese die europaweite Ausschreibung vorbereiten können.

Dafür ist extra in der Osterwoche noch eine Sondersitzung anberaumt worden. Denn der Zeitplan ist ambitioniert. Ende Juni soll der Kreistag über die Vergabe entscheiden.

Und das ist eigentlich schon zu knapp. „Nach Auskunft von Veranstaltungsexperten muss die Vermarktung der Arena mindestens ein Jahr vor Beginn, also im April 2020, erfolgen“, räumt die Verwaltung ein. Fertig werden soll der Bau Ende dieses Jahres. Die Übergabe an den Betreiber soll im ersten Quartal 2021 erfolgen. Damit die Arena dann schon mit Leben erfüllt wird, enthält der Aufhebungsvertrag mit der Campus Management GmbH, die Vereinbarung, dass der bisherige Betreiber im ersten Betriebsjahr die Sport- und Eventhalle kostenfrei für 15 Veranstaltungen nutzen kann.

Den Zeitverzug kalkulieren Verwaltung und die große Mehrheit der Kreispolitik allerdings ein, weil sie darauf setzen, so die Vorsteuer ziehen sowie unterm Strich einmalig bis zu zwei Millionen und jährlich bis zu 100.000 Euro sparen zu können.

Kritik vom Behindertenbeirat kommt auf den Prüfstand

Doch es gilt noch andere Probleme zu lösen. Eine Baustelle auf der Baustelle ist, dass die Arena „in weiten Teilen nicht barrierefrei geplant ist“, wie der erst spät in das Bauprojekt eingebundene Behindertenbeirat kritisiert. Dessen Vorsitzender Jörg Kohl­stedt hat einen umfangreichen Mängelkatalog vorgelegt. In der Politik gibt es deutliche Signale, dass Nachbesserungen erfolgen müssen. Nicht zuletzt ist auch die Baugenehmigung hier an die Erfüllung von Auflagen gebunden.

Eine erste Grobkalkulation durch die Projektsteuerer sollte vor einer Woche im Hochbauausschuss beraten werden. Dazu kam es wegen der Corona-Krise noch nicht. „Wir werden alle Punkte mit in die Prüfung aufnehmen“, kündigt Kreisrätin Sigrid Vossers jetzt an. Dazu gehören auch Umbauten der Umkleiden und ein weiterer Aufzug. Maßnahmen, die nach einer ersten Einschätzung von Projektleiter Hans-Richard Maul vor den Mitgliedern des Hochbauausschusses weder mit dem Kostenrahmen noch dem Zeitplan kompatibel seien. Vossers: „Auch das gehört jetzt zur Prüfung.“

Der Hochbauausschuss ist der erste, der nach Ostern wieder tagen soll – nach heutigem Stand.

Die wichtigen Hürden beiseite geräumt werden konnten dagegen beim Verkehrskonzept. Die Stadt hatte deutliche Nachbesserungen gefordert. So plant der Kreis neben 150 Fahrradstellplätzen auf dem Arena-Gelände nunmehr weitere 150 über mobile Fahrradabstellanlagen. Diese sollen „im Bedarfsfall“ auf öffentlichen Flächen in unmittelbarer Nähe aufgestellt werden.

Bei Veranstaltungen werden die Buslinien 5006, 5700 und 5900 zeitlich erweitert. Damit kommt der Kreis der Forderung nach, die Arena an den Öffentlichen Personennahverkehr anzubinden.

Gespräche über zusätzliche Parkplätze

Um neben den 272 auf dem Arena-Gelände weitere Parkplätze anbieten zu können, befindet sich der Kreis mit Anliegern der Lüner Rennbahn im Gespräch. Weitere 400 Plätze sollen so genutzt werden können. Die Gespräche seien „auf einem guten Weg“, betont Vossers.

Eine neue Lösung hat die Verwaltung auch für den Shuttleverkehr gefunden. Neben dem Bahnhof soll als weitere Parkfläche das Areal am Freibad Bardowick genutzt werden. Dies sei verkehrlich besser angebunden, liege näher als die erste Variante am Schiffshebewerk Scharnebeck und biete statt 220 auch 300 Stellflächen, so die Kreisrätin. Die Vergabe dieser Parkplätze samt Shuttlenutzung soll über das Ticketsystem realisiert werden.

Kreisverwaltung will Anwohner einbeziehen

Über diese Punkte hatten Landrat Jens Böther und Oberbürgermeister Ulrich Mädge bereits Ende Februar Einvernehmen erzielt. Im Kreisausschuss gab es jetzt positive Signale aus der Kreispolitik, berichtet Vossers: „Das war uns wichtig.“ Sie kündigt an, dass der Landkreis im nächsten Schritt die Anwohner einbeziehen will, sobald wieder Bürgerversammlungen möglich sind.

Von Marc Rath

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