Freitag , 25. September 2020
Der Wasserverbrauch ist kaum gestiegen, betonen die Versorger. Foto: A/AdobeStock

Trinkwasserversorgung ist sicher

Lüneburg. So sauber wie in den vergangenen Tagen waren die Hände der Lüneburger wohl schon lange nicht mehr. Hat das gründliche Händewaschen Auswirkungen auf den Trinkwasserverbrauch? Und wie sicher ist die Trinkwasserversorgung, wenn Mitarbeiter in Quarantäne müssen? Die Wasserversorger klären auf.

Jürgen Lütgens, technischer Betriebsleiter des Wasserbeschaffungsverbands (WBV) Elbmarsch mit Sitz in Seevetal-Hittfeld, sagt: „Wegen Corona gibt es bei uns nicht im Ansatz einen Mehrverbrauch des Trinkwassers.“ Ein halber Liter Wasser wird beim Händewaschen verbraucht – eine Toilettenspülung hingegen kommt schon mindestens auf drei Liter. Selbst wer zehn oder zwanzig Mal pro Tag seine Hände wäscht, wird daher den Verbrauch nicht merkbar anheben.

Hälfte des Personals arbeitet im Home-Office

Verändert hat sich durch Corona etwas Anderes: Der Tagesgang des Trinkwasserverbrauchs. Normalerweise erkennt Lütgens einen deutlichen Höhepunkt am Morgen. Dann waschen sich die Menschen, putzen Zähne und gehen auf Toilette. Die nächste Spitze folgt abends nach der Arbeit, wenn beispielsweise Wäsche gewaschen oder im Sommer der Rasen beregnet wird. Seit zwei Wochen müssen allerdings einige Menschen nicht mehr zur Arbeit fahren und arbeiten im Home-Office – sie können also später aufstehen. Infolgedessen verschob sich die Verbrauchskurve des Trinkwassers. Lütgens wählt als Beispiel Amelinghausen: „Anfang des Monats lag hier die Verbrauchsspitze unter der Woche noch bei 8 Uhr. Am Mittwoch und Donnerstag stieg der Verbrauch erst gegen 10 Uhr an.“ So deutliche Peaks wie morgens um 8 Uhr kommen derzeit aber nicht mehr vor, stattdessen verteilt sich der Verbrauch länger über den Vormittag.

Der WBV Elbmarsch versorgt rund 87.000 Einwohner mit Trinkwasser, vom östlichen Teil des Kreises Harburg mit der Stadt Winsen und der Samtgemeinde Elbmarsch über den nördlichen und östlichen Bereich des Kreises Lüneburg mit den Samtgemeinden Bardowick, Scharnebeck und Dahlenburg sowie den Einheitsgemeinden Adendorf, Bleckede und Amt Neuhaus. Im Betrieb wird derzeit mit Minimalbesetzung gearbeitet: Über die Hälfte des Personals arbeitet im Home-Office. Ganz vermeiden lassen sich die Kontakte untereinander nicht, wie Lütgens erklärt: „Am Mittwoch hatten wir zum Beispiel einen Rohrbruch – für die Reperatur mussten mehrere Handwerker zusammenarbeiten. Aber wir versuchen, das Maß auf ein Minimum zu beschränken.“

Problem nur, wenn alle unter Quarantäne stünden

Sorgen über die Wasserversorgung sind laut Lütgens unbegründet: „Wenn alle Menschen unter Quarantäne stünden, hätten wir ein Problem. Aber im Moment sind überhaupt keine Schwierigkeiten absehbar.“

Ähnliche Statements gibt der kommunale Wasserversorger „Purena“. Er versorgt die Stadt Lüneburg und die Samtgemeinde Amelinghausen und führt den Betrieb des WBV Lüneburg-Süd, zu dem die Samtgemeinden Gellersen, Ilmenau und Ostheide gehören. Auch in der Stadt veränderte sich der Verbrauch an Trinkwasser pro Tag nicht, laut technischem Geschäftsführer Thomas Meyer. Die aktuelle Menge liege stabil bei 15.000 Kubikmetern pro Tag. Im südlichen Landkreis seien die Abnahmen hingegen etwas mehr geworden. Meyer: „Ich vermute, dass das an Berufspendlern liegt, die jetzt zu Hause sind.“

Einen Grund zur Beunruhigung über die Versorgung sieht Meyer nicht. Vieles läuft voll automatisch und funktioniert auch sonst am Wochenende, wenn keiner da ist. Darüber hinaus zog Purena strenge Schutzmaßnahmen: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in der Verwaltung erledigt ihren Dienst von zu Hause aus und auch technische Mitarbeiter reduzieren ihren Austausch auf das Nötigste. Zudem erklärt Meyer: „Unser Personal führt freiwillige Kontaktlisten. Jeder trägt dort ein, zu wem er Kontakt hatte.“ Im Fall einer bestätigten Infizierung mit COVID-19 könnten dadurch einzelne Personen in Quarantäne gesetzt werden.

Die Sicherheit ist also gewährleistet – und Hamsterkäufe auf Mineralwasser sind nicht zu befürchten.

Von Franziska Ruf