Samstag , 31. Oktober 2020
Es wird einsam im Standesamt: In Zeiten von Corona müssen Eheschließungen im kleinsten Kreis stattfinden. Nicht mal die Eltern des Paares dürfen dabei sein. Foto: t&w

Strenge Vorgaben für das Jawort

Lüneburg. 969 Trauungen haben die Standesbeamten der Stadt Lüneburg im vergangenen Jahr vollzogen. Für 2020 ist der Terminkalender des Standesamtes ähnlich voll – oder genauer gesagt: Er war es. Denn in Corona-Zeiten gilt, dass eigentlich nichts mehr gilt. Feste Rituale werden ebenso über den Haufen geworfen wie die Abläufe selbst. Bis unmittelbar vor der Eheschließung müssen die Brautleute ihre Planungen immer wieder korrigieren und vor allem reduzieren. Und das macht nicht jeder mit: Rund ein Drittel der Eheschließungen wird in diesen Wochen gar nicht stattfinden. „Die Betroffenen haben entweder ganz abgesagt oder um Verlegung gebeten“, heißt es aus dem Rathaus. Das Problem: Einen neuen Termin zu finden, ist schwierig, da die Monate Mai und Juni gewissermaßen Hochsaison und entsprechend ausgebucht sind. Abgesehen davon, dass niemand abschätzen kann, wie sich die Krise in den nächsten Wochen weiterentwickelt.

Behörden müssen ständig neu disponieren

Die LZ hat mit einem Paar gesprochen, das daran festhält, sich am Freitag das Ja-Wort zu geben. Ihren Namen möchten beide lieber nicht in der Zeitung lesen. Denn auch ohne Öffentlichkeit ist die Situation schwierig genug. Praktisch im Wochentakt neue Beschränkungen, zwischenzeitlich stand sogar eine Absage im Raum. Bereits vor einem Dreivierteljahr hat das Paar den Termin zur Eheschließung in Lüneburg angemeldet. Geplant war eine Trauung im Heinrich-Heine-Haus mit Trauzeugen und Eltern, anschließend eine kleinere Feier in einem Restaurant. Doch die Corona-Krise spitzte sich in den vergangenen Wochen immer weiter zu. „Erst hieß es, nur die Trauzeugen, der Standesbeamte und wir dürfen anwesend sein“, schildert die Ehefrau in spe.

Anfang dieser Woche wurden dann gar die Trauzeugen von der Behörde gestrichen – nur noch drei Personen dürfen anwesend sein, teilte das Standesamt mit. Diese Regelung wird nun womöglich schon wieder aufgeweicht, Trauzeugen könnten nun doch gestattet sein. Eine Entscheidung fällt womöglich erst am Tag vor der Trauung – auch die Behörden müssen in Corona-Zeiten ständig neu disponieren.

Wo sollen die Trauzeugen denn noch übernachten?

„Wir wissen, dass dies keine leichte Situation für die Paare ist und versuchen alles, die Zeremonie trotz der Einschränkungen so feierlich, schön und persönlich wie möglich zu gestalten“, erklärt eine Sprecherin der Stadt. Besondere Sicherheitsvorkehrungen seien aber unerlässlich. Abstand zu halten, ist dabei auch hier die erste Regel. Auf einen Handschlag wird verzichtet, das Ja-Wort allein ist entscheidend. Für die Unterschriften werden zwei Kugelschreiber bereitgelegt, einer ist für das Paar, einer für den Standesbeamten. Desinfektionsmittel steht auch bereit. Außerdem finden Trauungen derzeit vorrangig im Heinrich-Heine-Haus statt. Die Paare werden einzeln hineingelassen und wieder hinaus begleitet.

Der unmittelbare Ablauf der Trauung ist dabei nur ein Aspekt, den die 31 Paare, die sich in den nächsten drei Wochen in Lüneburg das Jawort geben, beachten müssen. Es stellt sich auch die Frage, wie man den weiteren Tag gestaltet. Essen zu gehen ist ohnehin angesichts geschlossener Restaurants unmöglich. Doch mit wie vielen Personen darf man zu Hause anstoßen? Wie viele davon müssen Familie sein? Die Probleme beginnen schon, wenn selbst nur die engsten Verwandten daheim zum Essen eingeladen werden. Denn wo können sie übernachten? Ferienwohnungen sind gesperrt, viele Hotels geschlossen. Und für Touristen gilt ein Übernachtungsverbot. „Wenn es sich um wichtige familiäre Angelegenheiten handelt, darf man ein Hotelzimmer buchen“, heißt es dazu vom Landkreis, der die entsprechenden Verbote ausgesprochen hat. Das gelte allerdings nur für die Trauzeugen selbst – wenn sie denn zugelassen sein sollten. Viel Improvisation ist also gefragt für den schönsten Tag des Lebens.

Von Thomas Mitzlaff