Montag , 26. Oktober 2020
Konstanze Dahlkötter von der Lüneburger Tafel. Foto: t&w

Tafel braucht im Moment keine Spenden

Lüneburg. Konstanze Dahlkötter und ihre Mitstreiter von der Lüneburger Tafel fühlen sich überfordert: Bei der Vorsitzenden rufen viele an, die die Hilfsorganisation unterstützen wollen. Das sei zwar nett gemeint, aber eben nicht hilfreich. Die Ausgabestelle Im Tiefen Tal ist noch bis Mitte April geschlossen – voraussichtlich. Denn niemand wisse, welche Vorgaben es dann gebe.

Die Vorsitzende berichtet, dass ihr Telefon immer wieder klingle: Es gebe Menschen, die Ideen haben, wie doch Lebensmittel verteilt werden könnten, Anregungen, Wirte zu fragen, ob sie angesichts geschlossener Lokale nicht ihre Waren an Bedürftige verteilen wollten, die dann per Taxi zugestellt werden könnten. Manches sei nicht überlegt, denn verderbliche Lebensmittel dürfen nicht einfach weitergegeben werden. Gastronomen wie Heiko Meyer, Vorsitzender der Handelsorganisation LCM und Betreiber des Coffeeshops an der Schröderstraße, hatten zudem erklärt, dass sie beispielsweise Eier und Salat an Mitarbeiter und Freunde weitergegeben haben.

400 regelmäßige Kunden pro Woche

Konstanze Dahlkötter sagt klar: „Wir möchten nicht, dass in unserem Namen oder für die Tafel gesammelt wird. Wir müssen unsere Kunden schützen und auch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter.“ Angesichts von 400 regelmäßigen Kunden pro Woche gebe es auch nicht genug Ware zum Verteilen, zumal aus den Logistikzentren des Handels, die sonst Überkapazitäten abgeben, im Moment kein Nachschub zu erwarten sei.

Die Lüneburgerin verweist auch auf eine Erklärung des Bundesverbandes der Tafeln: „Als Tafel Deutschland möchten wir nochmals in aller Deutlichkeit sagen, dass die Tafeln keine Grundversorger sind. Die Tafeln leisten Hilfe, unterstützen und erleichtern den Alltag vieler Menschen. Es gibt jedoch keinen Anspruch auf diese Hilfe. Sie sind kein Supermarkt, sondern können immer nur das und so viel weitergeben, wie sie selber an Spenden erhalten. Es ist Aufgabe des Staates Menschen zu helfen, die am Rand der Gesellschaft stehen. Nicht die Pflicht einer Ehrenamtsorganisation wie der Tafel.“

Konstanze Dahlkötter stellt aber auch klar: „Wenn wir unseren Betrieb wieder aufnehmen können, sind wir für Hilfe natürlich dankbar.“ Und die werde dann bestimmt benötigt.

Von Carlo Eggeling