Prof. Dr. Peter Dall ist Chefarzt der Frauenklinik. Foto: t&w

Geburten in besonderen Zeiten

Lüneburg. Pflegepersonal und Ärzte sind stark gefordert, planbare Operationen werden verschoben, um alle Kräfte für Corona-Patienten zu bündeln. Doch was ist mi t werdenden Müttern, die in dieser Zeit ihr Kind zur Welt bringen? Dürfen die Partner noch mit in den Kreißsaal? Ist Besuch am Wochenbett erlaubt? Prof. Dr. Peter Dall, Chefarzt der Frauenklinik in Lüneburg, erläutert die Situation.

Vorweg: Väter dürfen auch während der Corona-Krise bei der Geburt ihres Kindes dabei sein. In den vergangenen Wochen war allerdings das Besuchsrecht ausgesetzt – bis Dienstag (24. März).

"Hier sind im Notfall alle vor Ort"

Prof. Dr. Peter Dall: „Seit Dienstag stellen wir Eltern wie gewohnt Familienzimmer zur Verfügung, Besuche des Partners sind wieder erlaubt.“ Die Lockerung des Besuchsverbots auf der Geburtsstation begründet der Gynäkologe damit, dass verhindert werden soll, dass Frauen aus falscher Motivation heraus zu Hause gebären wollen. „Die Geburtshilfe in der Klinik ist die sicherste Möglichkeit, wie man sein Kind bekommen kann“, betont Dall. „Wir wollen das Risiko für Frauen nicht unnötig erhöhen. Lieber sollen sie hier Besuch vom Partner bekommen, als sich gegen uns zu entscheiden. Hier sind im Notfall alle vor Ort, Anästhesisten und Kinderärzte, auch Notkaiserschnitte sind rund um die Uhr möglich.“

Jährlich gebären im Klinikum Lüneburg etwa 1730 Frauen, nur 80 zu Hause. Dass es im Augenblick deutlich mehr kurzfristige Anfragen für Hausgeburten gibt als sonst, bestätigt die Hebamme Vera Krause. Noch sei für sie alles normal, „ob wir Hebammen einen Anspruch auf Schutzbekleidung haben, wird gerade noch vom Deutschen Hebammenverein und den Landesverbänden geklärt. Zu Patientinnen in Quarantäne könnten wir bislang nicht.“

"Unsere Station ist gut vorbereitet"

Dall ist auch besorgt, dass Frauen, um einen Krankenhausbesuch zu vermeiden, lieber die 112 wählen. „Notärzte sind keine Gynäkologen, die ruft man zu Herzinfarkten oder bei Autounfällen, Geburten sind nicht ihr Spezialgebiet.“

Es bestehe kein Grund, aus übertriebener Sorge vor Corona nicht im Klinikum entbinden zu wollen. „Wer kein Corona hat, der bekommt hier auch keins“, betont Dall. Bislang gibt es in Lüneburg nur wenige Patienten, die auf der normalen Situation isoliert sind und diese sind dezentral separiert, weit weg von der Frauenklinik. „Wir haben eine Corona-Patientin auf der Intensivstation“, berichtet Dall.

Der Mediziner macht auch deutlich: „Eine an Corona erkrankte Frau kann das Virus nicht an ihr ungeborenes Kind übertragen. Sie könnte ihr Kind hier auf ganz normalem Wege bekommen, das Personal würde natürlich Schutzkleidung tragen. Sie kann ihr Baby auch stillen, die Versorgung geht aber nicht ohne Mundschutz und Handschuhe bis die Infektion vorbei ist, in der Regel nach drei Wochen. Außerdem müssen zwei Tests negativ ausfallen.“ Man dürfe Corona nicht auf die leichte Schulter nehmen, sagt Dall, aber: „Für junge Mütter ist Covid nicht gefährlich. Außerdem infizieren sich Schwangere nicht leichter. Unsere Station ist gut vorbereitet.“

Von Lea Schulze

Erfahrungsbericht

Der Papa durfte im Kreißsaal dabei sein

Unsere Kollegin Anke Dankers hat vor wenigen Tagen im Krankenhaus in Winsen ihre zweite Tochter zur Welt gebracht. Ihre Gedanken hat sie für die LZ-Leser aufgeschrieben.

„Ich hatte nicht so sehr Angst, mich selbst mit dem Virus anzustecken, aber natürlich entwickelt man Unsicherheiten. Vor allem, weil sich die Rahmenbedingungen bei den Voruntersuchungen beim Frauenarzt am Schluss alle zwei Tage geändert haben. Als Patientin ist man verunsichert, weiß selbst nicht genau, wie man sich verhalten soll, was noch erlaubt ist und was nicht. Ich habe vorab im Krankenhaus angerufen, um die wichtigsten Fragen zu klären. Schon am Telefon haben mir die Hebamme, Ärzte und Mitarbeiter die meisten Sorgen genommen. Am Tag der Geburt fielen mir im Krankenhaus das gespenstisch leere Foyer und die vielen Warnschilder auf. Aber als ich in den Kreißsaal kam, war ich in einer anderen Welt. Als ich ein paar Stunden später meine Tochter zur Welt gebracht hatte, war Corona völlig vergessen. Dank der liebevollen Betreuung war es für mich eine Geburt, die so oder so ähnlich auch zu jedem anderen Zeitpunkt hätte stattfinden können. Für mich ganz wichtig: Mein Mann durfte bei der Geburt dabei sein, auch die Tage danach im Familienzimmer an unserer Seite stehen. Der einzige Wermutstropfen in dieser Zeit ist für mich, dass unsere große Tochter ein paar Tage warten muss, bis sie ihre kleine Schwester kennenlernen darf. Natürlich ist es schade, keinen Besuch empfangen zu können. Andererseits verschafft es mir eine Pause zum Durchschnaufen und gegenseitigem Kennenlernen, ganz ohne Druck von außen. Jeden Tag können sich die Dinge ändern, das merke ich etwa daran, dass das Essen auf die Zimmer gebracht wird oder die Mitarbeiter seit kurzem Mundschutz tragen. Dennoch wird versucht, den Krankenhausaufenthalt für uns Patienten so normal wie irgend möglich zu gestalten, und dafür bin ich sehr dankbar.“