Montag , 28. September 2020
Kurze Pause zum Durchatmen: In der Apotheke von Hans Nabil Humsi war in der vergangenen Woche viel los. Er glaubt, dass die Lüneburger ihre „Hausapotheken“ auffüllen wollten. Foto: t&w

Die Kundenzahl hat sich verdoppelt

Lüneburg. Die Hamsterkäufer machen auch vor Apotheken nicht Halt. Vor allem Schmerzmittel, Erkältungsmedikamente, Fieberthermometer und Windeln sind derzeit stark nachgefragt. Die Kundenzahl hat sich in vielen Apotheken im Stadtgebiet in den vergangenen zwei Wochen nahezu verdoppelt, ergab eine LZ-Umfrage. Mancherorts ist Entspannung in Sicht, dort nimmt der Ansturm langsam wieder etwas ab.

„In der vorigen Woche sind wir an unsere Kapazitätsgrenze gestoßen“, verdeutlicht Andrea Hopp, Apothekerin bei „Wir leben“ am Sand. Die anderen Filialen des Apothekenverbunds hätten „so viele Kunden wie sonst an Weihnachten“ gehabt. Vor allem an der Feldstraße, die bis 23 Uhr geöffnet hat, hätten die Kunden auch in den späten Abendstunden bis auf die Straße Schlange gestanden.
„Dabei haben die Kunden wirklich alles gekauft, was wir anbieten: vom Lippenstift bis zu Babywindeln.“ Daneben seien natürlich auch Mittel gegen Erkältung, Durchfall und Schmerzen auf Vorrat gekauft worden. „Schlimm war es, als das Gerücht herumgeisterte, dass Ibuprofen das Coronavirus begünstige – da haben plötzlich alle massenweise Paracetamol gekauft“, schildert Hopp. Deshalb hätten sie die Anzahl pro Kunde zeitweise begrenzen müssen.

Situation hat Lieferengpässe noch verschärft

Ähnliches erlebte Meike Rehnelt, Apothekerin in der Hirsch-Apotheke im Roten Feld. „Die Hamsterkäufe waren so enorm, dass wir nur noch zwei bis drei Packungen eines Medikaments herausgegeben haben.“ Wenn etwas ohnehin schlecht zu bekommen war, wurde es auch mal auf eine Packung reduziert. „Diese ganze Situation hat die Lieferengpässe auf jeden Fall noch verschärft.“ Der Pneumokokken-Impfstoff sei zum Beispiel mittlerweile bei ihnen gar nicht mehr zu bekommen.

Verstärkt werde das Hamstern noch dadurch, dass die Ärzte mittlerweile häufig die doppelte Menge auf einem Rezept verschreiben. „Wer ein Arzneimittel regelmäßig braucht, will jetzt eben vorsorgen“, vermutet Rehnelt. Sie ist überzeugt, dass es vielen anderen Apotheken in Lüneburg ähnlich geht: „Wir haben hier nicht viel Laufkundschaft, die Leute kommen schon gezielt zu uns. Und da hat man gemerkt, dass viele schon einige Apotheken vor uns abgeklappert hatten.“

Anders sieht die Situation indes in der Löwen-Apotheke aus. Inhaber Hans Nabil Humsi spricht von „geregelten Verhältnissen“. Zwar sei die Anzahl der Kunden stark gestiegen, diese hätten aber lediglich ihre Haus-apotheke auffüllen wollen. „Die Nachfrage war ganz gemischt, da war von allem etwas dabei.“

„Einige Kunden sind verständnislos“

Lieferengpässe habe es bei ihm bisher nur in einem Fall gegeben: „Wir haben nach den Anweisungen der WHO begonnen, selbst Desinfektionsmittel herzustellen. Allerdings fehlten uns dazu dann irgendwann die Behälter.“ Mittlerweile sei aber alles wieder vorhanden, sodass die Apotheke auch mit dieser derzeit sehr begehrten Ware aushelfen könne.

Während Andrea Hopp von höflichen und geduldigen Kunden spricht, die „dankbar sind, dass wir noch arbeiten und für sie da sind“, musste Meike Rehnelt auch Gegenteiliges erfahren. „Einige sind verständnislos, wenn wir einen Engpass haben und nicht alles verfügbar ist.“

Hopp beobachtet, dass sich die Nachfrage nun vor allem auf den kostenlosen Boten- und Bestelldienst verlagert. „Die Menschen wollen nicht mehr so gerne vor die Haustür und rufen stattdessen bei uns an.“ Sie glaubt, dass sich die meisten Haushalte nun ausreichend eingedeckt haben. Sicher aber ist sie sich nicht. „Es bleibt natürlich abzuwarten, wie sich das entwickelt.“

Von Lilly von Consbruch