Schutzkleidung benötigen derzeit viele Lüneburger, wie hier die Retter des Arbeiter-Samariter-Bundes. Foto: t&w

Vorräte gibt es nicht

Lüneburg/Hannover. Die Lage spitzt sich zu: Inzwischen sind nicht nur viele Regale mit Mehl, Hefe, Konserven und Toilettenpapier zeitweise leer, auch Schutzkleidung und Desinfektionsmittel werden knapp. Anlässlich der Corona-Krise erhält die Pflegekammer Niedersachsen viele Anfragen von ambulanten Pflegediensten, denen einfachste Schutzmaterialien wie Mund- und Atemschutzmasken, aber auch Desinfektionsmittel ausgehen. „Bisher ist die häusliche Pflege in der Krisenplanung nicht ausreichend berücksichtigt worden“, sagt Rebecca Toenne, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin und Mitglied der Kammerversammlung der Pflegekammer Niedersachsen.

Elisabeth Gleiß, Mitglied der Kammerversammlung der Pflegekammer Niedersachsen und Oberin der DRK Augusta-Schwesternschaft Lüneburg, fordert daher, „dass das Land mit seinen Kommunen den Auftrag zur Sicherstellung für die Versorgung in den nächsten Wochen wahrnimmt Zudem muss es gewährleisten, dass alle Bereiche der Gesundheitsversorgung ausreichend mit Desinfektionsmitteln, Mund- und Atemschutzmasken sowie Schutzkitteln ausgestattet werden.“

Bislang kam nie die angekündigte Menge

Dass es auch in Lüneburg ernst wird, bestätigt Oliver Christoffers, Geschäftsführer der hiesigen Niederlassung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen: „Es gibt wenige Praxen, die keinen Bedarf angemeldet haben. Die leben alle von der Hand in den Mund.“ Gerade warte man auf Mittel vom Bund, „aber dass war bisher nie die angekündigte Menge, sondern immer viel weniger.“ Es fehle an allem. „Schutzbekleidung, Desinfektionsmittel, das geht quer durch den Garten.“ Vorrangig benötigen die Testzentren und Arztpraxen, die positiv getestete Patienten versorgen, die Materialien. „Die warten wirklich händeringend auf die Artikel, sonst können sie ihre Arbeit nicht mehr ausführen.“

Erschwerend komme hinzu, dass immer wieder dubiose Angebote über große Mengen an Schutzmasken und Co herumgeisterten. „Diese Fake News sorgen für zusätzlichen Ärger und Verwirrung.“ Christoffers hofft, dass die Versorgung weiterhin aufrechterhalten werden kann. Er appelliert deshalb eindringlich an die Lüneburger Bürger: „Bleiben sie zu Hause, seien sie nicht ignorant. Das ist wichtig, damit Ärzte und Pflegepersonal so lange wie möglich mit der Schutzkleidung auskommen. Vorräte gibt es nicht und auch nicht beliebig viele Betten.“

Die Kritik, dass an der Misere Versäumnisse des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn Schuld seien, die so von einigen Lieferanten geäußert wurde, teilt Christoffers allerdings nicht: „Corona hat Deutschland überrumpelt, so wie den Rest der Welt auch.“

Von Lea Schulze