Donnerstag , 22. Oktober 2020
Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Christian Spangenberg muss erst zum Fieber messen, bevor er die Schulaula betreten darf. Foto: be

Lichtblick in der Krise

Bardowick. Vor dem Eingang der Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule bildete sich eine gut 100 Meter lange Warteschlange – vom Beginn bis zum Ende der Veranstaltung fa st dauerhaft. „Wir wurden total überrannt mit insgesamt 139 Spendern, von denen 41 Erstspender waren. Das hatten wir so noch nie“, lautete am Abend das Fazit der glücklichen DRK-Vorsitzenden Marion Maack. Die Resonanz bei der Blutspende in Bardowick ist ein Lichtblick in der Corona-Krise.

Sie und gut ein Dutzend anderer ehrenamtlicher Helfer des Ortsvereins hatten unter der Regie von Siegrid Paleit den Blutspendetermin in der Schulaula organisiert, unterstützt vom Team des DRK-Blutspendedienstes Springe und Mitgliedern der DRK-Bereitschaft des Kreisverbandes Lüneburg. Bis zur Einfahrt zur Bardenhalle standen Frauen und Männer geduldig an, immer mit je zwei Metern Sicherheitsabstand zueinander. Eine tolle Belohnung für das Team, das die wegen der Schulschließung bereits abgesagte Blutspende innerhalb weniger Tage dann doch auf die Beine gestellt hat, nachdem es grünes Licht aus dem Rathaus gegeben hatte.

Viele Spendetermine fallen aus

Eingereiht hatte sich auch Wolfgang Dieterich. Der 71-jährige Bardowicker spendet regelmäßig Blut. „Jetzt erst recht, weil wegen der Corona-Krise viele Spendetermine ausfallen.“ Patrick Reinecke (33) spendete zum 25. Mal: „Blut wird immer benötigt, deshalb war es für mich keine Frage mitzumachen.“

Zum ersten Mal mit von der Partie war Christian Spangenberg. Nachdem der Bardowicker die Eingangskontrolle mit Fieber messen, gründlicher Handdesinfektion und Fragen zu seinem Gesundheitszustand erfolgreich gemeistert hatte, bekam er die Unterlagen für Erstspender ausgehändigt. „Ich hatte mir die Teilnahme schon immer vorgenommen, nun ist wirklich der richtige Zeitpunkt dafür. Ich bin bislang immer gesund gewesen, also kann ich auch helfen“, findet der 57-Jährige. Angst vor der Ansteckung mit dem Coronavirus habe er keine.

Markus Baulke, Hauptabteilungsleiter für Blutspenderwerbung und Öffentlichkeitsarbeit beim DRK Niedersachsen, verdeutlicht: „Corona wird nicht übers Blut übertragen. Dafür gibt es bislang keinen wissenschaftlichen Nachweis.“

Eine große Herausforderung

Auf einer der Liegen, die dieses Mal weiter voneinander platziert waren als sonst, war Anneliese Kloodt zum Aderlass gekommen. „Ein bisschen anders als sonst ist es schon. Das Gefühl ist etwas mulmig“, gab sie zu. Dennoch sei für sie nie die Frage aufgekommen, die Teilnahme abzusagen. Nicht nur, weil sie volles Vertrauen in die hygienischen Schutzmaßnahmen hat, sie war zudem mit beteiligt an der Vorbereitung des Büfetts, das diesmal zur Ausgabe für Lunchpakete wurde. Niemand sollte länger als notwendig in der Schule verweilen.

Das DRK in Amelinghausen hat ähnliche Erfahrungen wie die Bardowicker gemacht, zum jüngsten Blutspendedienst kamen 92 Spender, davon etliche Erstspender, berichtet die Vorsitzende des Ortsvereins, Yvonne von Hodenberg. Für die Organisatoren vor Ort sei es eine große Herausforderung gewesen, die vielen Spender vor Ansteckung zu schützen. Doch die Spender hätten sich durchweg geduldig gezeigt und die längeren Wartezeiten in Kauf genommen.

Termine wie diese sind auch dringend notwendig, denn Corona zeigte auch bei den Blutvorräten Wirkung. Markus Baulke sagt: „Die Blutspenden sind um bis zu zehn Prozent wegen der Corona-Krise eingebrochen.“ Das liege auch daran, das die entsprechenden Räume fehlen. Noch gebe es aber keinen Engpass bei Blutkonserven. „Deshalb müssen wir weitermachen wie bisher, damit das auch so bleibt.“

Von Stefan Bohlmann

Zur Sache

Extra-Termin für Mitarbeiter

Am Klinikum Lüneburg seien Engpässe bei den Blutkonserven spürbar, heißt es von Sprecherin Angela Wilhelm. „Das Klinikum wird deshalb in dieser Woche eine spontane Blutspendeaktion für seine Mitarbeiter durchführen.“ Dem Aufruf des DRK, Blut zu spenden, schließe sich das Haus an. „Wir bitten die Bevölkerung, die öffentlichen Spendeaktionen wahrzunehmen.“ Wenn die Vorräte knapp werden würden, sei auch das Notdepot davon betroffen, sagt Wilhelm. „Blutkonserven im Notfall von anderen Kliniken anzufordern, ist theoretisch zwar möglich, wir beziehen unsere Blutkonserven in der Regel aber über den DRK-Blutspendedienst.“ row