Montag , 21. September 2020
Seit 25 Jahren leiten Maria Krewet und Gudrun Schwarz (von links) zusammen eine Ergotherapie-Praxis. Als eingespieltes Team widmen sie sich jetzt in einem weiteren Projekt der Kultur auf dem Land. Foto: phs

Aufschwung in der „Schwundregion“

Wettenbostel. Die Hühner, Hunde und Pferde vom Hof Nummer drei in Wettenbostel haben schon viel gesehen: Hamlet und den Grafen von Monte Christo zum Beispiel, und natürlich die rund 60.000 Menschen, die in den letzten zwölf Jahren kamen, um sich die Stücke des Jahrmarkttheaters im Garten, auf dem Bootssteg oder in der Reithalle anzuschauen. Doch inzwischen hat die Theater-Crew ein Gebäude in Bostelwiebeck zur Spielstätte umfunktioniert, es drohte still zu werden in Wettenbostel.

„Wir leben hier in einer Schwundregion“, sagt Hofbesitzerin Maria Krewet und zuckt mit den Schultern. Bis vor ein paar Jahren habe es noch ein Gasthaus im Ort gegeben, und noch viel früher existierte sogar mal eine Schule. Alles längst Geschichte. „Es gibt hier nicht mehr viele Möglichkeiten, sich zu treffen“, bedauert auch Krewets Arbeitskollegin Gudrun Schwarz. Was also tun? Die Sache selbst in die Hand nehmen, dachten sich die beiden Frauen. Jetzt soll aus dem Hof in Wettenbostel ein „Ort der Begegnung“ werden – mit Café und Kulturprogramm. Das ist zumindest der Plan für die Zukunft nach Corona.

„Ich wollte schon immer gern ein Café“

Die Idee dazu war bereits im letzten Sommer geboren. „Da dachten wir: Wäre doch schade, wenn auf dem Hof nichts mehr stattfindet“, erzählt Maria Krewet. Zusammen mit Gudrun Schwarz beschloss sie, in der kleinen Küche an der Reithalle, die einst für die Versorgung der Theatergäste eingerichtet wurde, wieder Kuchen und Waffeln für Nachbarn und Gäste zu backen.

„Ich wollte schon immer gern ein Café“, verrät Gudrun Schwarz, gelernte Bäckerin. Und tatsächlich: Das Angebot sprach sich herum, überall auf dem Hof nahmen Besucher Platz und plauderten – natürlich auch mit den Gastgeberinnen: „Wir wollten wissen: Worauf haben die Leute Lust?“ Die Antwort: Kultur und Kontakt.

Das beides soll auf dem fast 500 Jahre alten Hof bald regelmäßig auf dem Programm stehen: Schluss mit Landwirtschaft, Schluss mit Theater: Mindestens einmal im Monat werden am Wochenende die Tore für Konzerte, Workshops und Open-Air-Café geöffnet – also, wenn die Corona-Krise überwunden ist. In der Zwischenzeit gibt es in Wettenbostel aber ohnehin noch einiges zu tun: Am Dienstag kam der Förderbescheid für einen Umbau der Diele des Haupthauses. Dort sollen die Events bei schlechtem Wetter stattfinden. Größere Gesellschaften kommen in der Reithalle unter.

„Wir wollen, dass sich die Leute wohlfühlen“

„Es wäre doch cool, wenn man im Winter nicht allein vor dem Fernseher sitzt, sondern hier gemeinsam einen Kinoabend macht“, überlegt Maria Krewet. Gudrun Schwarz nickt: „Wir wollen, dass sich die Leute wohlfühlen, ins Gespräch kommen und Gemeinschaft stattfindet.“ Etwa beim Käsekurs mit der Käseschule Heidetal, bei einem Workshop für Hobbyfotografen, Unterhaltung mit Clown Frako oder Saxofonmusik von Frollein Sax – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Der offizielle Startschuss für das Projekt KuKuK (Kunst-Kultur-Kaffee) ist noch für Sonnabend, 25. April, mit einem Livekonzert der Band „Heart Rock Café“ geplant. Ob das klappt, ist ungewiss. Das Programm reicht aber bis in den Herbst hinein. Informationen zu den Veranstaltungen und Künstlern gibt es unter www.wettenbostel3.de.

Von Anna Petersen