Phillip Berger zeigt an einem Sarg, unter welchem Schutz Bestatter einen möglicherweise mit Corona infizierten Leichnam umgehen. Anzug, Atemschutz und Leichenhülle sind dann selbstverständlich. Foto: t&w

Schwieriger Abschied in Würde

Lüneburg. Trauern und Abschied nehmen ist im Moment vielleicht noch etwas schmerzlicher und schwieriger als sonst – die Folgen von Corona verändern auch Beerdig ungen. Bestattungsunternehmer Andree Berger erlebt täglich, wie die Furcht, sich mit dem Virus anzustecken, Vorgaben annulliert: Durften anfänglich Gäste zur Feier in der Kapelle Platz nehmen, wurde die Zahl gesenkt, inzwischen hören die Verwandten und Freunde die Trauerrede auf dem Friedhof: „Die Kapellen wurden überall geschlossen.“ Zeitweilig sollten nur zehn Personen am letzten Gang auf dem Lüneburger Waldfriedhof teilnehmen dürfen: „Wenn Sie Sargträger und Pastor einrechnen, bleibt nur Platz für zwei, drei Familienangehörige.“ Das sei nun wieder geändert worden.

„Bei aller Vorsicht muss man auch das Leid der Trauernden sehen“, sagt Berger, der im Beirat des niedersächsischen Bestattungsgewerbes sitzt. Der Lüneburger und seine Kollegen bieten – so weit sie können – in ihren eigenen Räumen die Möglichkeit, zusammenzukommen.

„Manche kommen Arm in Arm"

In der Trauerhalle sind die Stühle wie auch in Gaststätten auseinandergezogen, sodass die Besucher Abstand halten können. Das funktioniert naheliegenderweise aber nur begrenzt: „Manche kommen Arm in Arm, anderen umarmen sich.“ Trauerfeiern seien nach den aktuellen Regeln mit bis zu 50 Personen erlaubt, für seine eigene Räume begrenzt Berger die Zahl aber auf 40.

Es ist die nicht einzige Herausforderung. Denn ein Leichnam kann selbstverständlich auch Virenträger und damit hochgradig ansteckend sein. Die Bestatter arbeiten im Zweifelsfall in Schutzanzügen, mit besonderen Atemmasken, einer Brille und Handschuhen. Sie legen den Toten in eine Hülle, Särge werden von außen gereinigt. Gleiches gilt nach der Fahrt ins Institut für den Wagen.

Es klingt sehr nüchtern, fast technisch, wenn Berger und sein Sohn Phillip schildern, wie sie mit Toten umgehen: Sie waschen und desinfizieren den Leichnam, verschließen Körperöffnungen, damit keine Flüssigkeiten austreten. Wenn nötig, kommt der Körper dann wieder in eine Kunststoffhülle und wird luftdicht verpackt. Es ist ein Vorgehen, das man generell anwende, wenn die Gefahr ansteckender Krankheiten bestehe.

Preise für Material steigen deutlich

Wie viele andere Branchen klagen die Bestatter, dass sie kaum noch Material erhalten. Lieferanten seien ausverkauft oder der Preis für bestimmte Hygiene-Hilfsmittel habe sich verzehnfacht. Weder Handschuhe, noch Einmalanzüge, noch Reinigungsmittel seien aktuell zu beziehen. Berger senior sagt: „Kollegen aus dem Salzburger Land haben angerufen, ob wir helfen könnten, Schutzhüllen zu besorgen.“ Keine Chance.

Corona trifft das Gewerbe auch wirtschaftlich. Da Preise für Material deutlich steigen, gleichzeitig Trauerfeiern mit Suppe, Kuchen und Kaffee kleiner ausfallen, sinken die Einnahmen. Alles bleibe unsicher, sagt Berger. Die Vorgaben der Behörden änderten sich immer wieder. Und wann die Krise ende, sei nicht absehbar.

Von Carlo Eggeling

Auszug aus Merkblatt

Exakte Vorschriften für die Unternehmer

Das Bestattungsgewerbe hat in einem Merkblatt an die Mitgliedsunternehmen unter anderem Folgendes festgehalten:

„Verstorbene sind in eine Leichenhülle/Unfallhülle zu legen, diese Hülle wird danach von außen desinfiziert. Der Verstorbene ist in einen Sarg einzubetten, der Sarg ist von außen zu desinfizieren. Offene Aufbahrungen sollten nicht erfolgen. Die Bestattungsart der Erdbestattung ist genauso möglich wie die Feuerbestattung.“