Samstag , 24. Oktober 2020
Birte Grimme weiß nicht, wie sie ihr „Capitol“ für die nächsten Wochen über die Runden bringen soll. (Foto: t&w)

Schließung ins Ungewisse

Lüneburg. Von verzweifelt bis empört, so reagierten am Freitag Lüneburger Gastronomen auf die Nachricht, dass sie ab Sonntag ihr Geschäft vorerst nicht mehr öffnen dürfen. Eine entsprechende Anweisung aus Hannover erging am Freitag an die niedersächsischen Kommunen.

„Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll.“ Aufgelöst und tief verzweifelt vernahm Birte Grimme die Nachricht am Telefon. Die Inhaberin des „Capitol“ an der Reichenbachstraße hatte noch bis zuletzt gehofft, die ohnehin schon schwere Zeit irgendwie überstehen zu können. Dass sie nun ganz schließen muss, ist dennoch ein harter Schlag. Denn damit verflüchtigte sich ihre vage Hoffnung, wenigstens noch ein paar Einnahmen erzielen zu können. „Ich habe allein 30 000 Euro Warenbestand, was soll ich damit nun machen?“

Zwar wird den Betreibern von Restaurants, Gaststätten und Mensen, die jetzt zunächst bis zum 18. April schließen müssen, der Außerhaus-Verkauf noch gestattet, eine Hilfe ist das für die meisten Betroffenen aber wohl nicht. „Die Kosten, das jetzt aufzubauen, sind höher als die dabei erzielten Einnahmen“, sagt neben Birte Grimme auch Heiko Meyer vom „Coffee-Shop Nr. 1“ am Schrangenplatz.

„Meine Mitarbeiter sagen: Wir stehen das zusammen durch.“ – Anja Winterberg, Inhaberin „Zum Roten Tore“

„Das ist bitter, aber wenigstens eine klare Ansage“, bewertet Meyer die neue Verfügung. Er geht davon aus, dass mögliche Entschädigungsansprüche aus der verordneten Schließung nun an den Landkreis beziehungsweise das Land gerichtet werden können. Auch für ihn sei ein kompletter Stopp besser als das „Wischi-Waschi der vergangenen Tage“. Seine 20 Mitarbeiter, davon acht feste, würden jetzt freigestellt, seinen Warenbestand will er an Freunde verschenken.

Eine „große Katastrophe“ nennt Frank Hein, Inhaber von „Müller‘s Stübchen“ an der Grapengießerstraße, die Entscheidung. Zwar war auch bei ihm der Umsatz zuletzt auf rund 30 Prozent weggebrochen, „aber es kamen noch Gäste, und zwar die arbeitende Bevölkerung. Wo sollen die jetzt essen, wenn auch die Betriebskantinen dicht sind?“ Er geht davon aus, die Zeit finanziell überstehen zu können, ärgert sich aber über die gleichgültigen jungen Menschen: „Die machen es durch ihr Verhalten für alle kaputt.“

Anja Winterberg, Inhaberin des Hotels und Restaurants „Zum Roten Tore“, überraschte die Nachricht weniger, sie wollte ohnehin zumindest für die kommenden 14 Tage schließen. Ihre Mitarbeiter hat sie auf Kurzarbeit gesetzt und für den Betrieb einen Kredit beantragt, „die fixen Kosten laufen ja weiter“. Positives sieht sie dennoch in der jetzigen Situation: „Meine Mitarbeiter sagen: Wir stehen das zusammen durch.“

Die Mitarbeiter zu halten, dazu rät auch Heiko Meyer als Vorsitzender der Lüneburger Händler-Organisation LCM. „Auch wenn es finanziell derzeit nicht geht, aber ganz wichtig ist es, die freigestellten Mitarbeiter jetzt nicht in ein tiefes Loch fallen zu lassen.“ Er hat dafür eine Whatsapp-Gruppe für den täglichen Austausch eingerichtet.

54 gemeldete Fälle im Landkreis Lüneburg

Scharnebecker Schule unter Quarantäne

Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in Stadt und Landkreis ist auf 54 gestiegen. Auch bei einer Lehrkraft der Oberschule in Scharnebeck wurde das Virus nachgewiesen. Die ganze Schulgemeinschaft mit rund 600 Schülern und 50 Lehrern steht unter Quarantäne – zunächst bis 27. März. „Wie beim Johanneum handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, mit der wir die Ausbreitung des Virus verzögern wollen“, erklärt Yvonne Hobro, Leiterin des Fachbereichs Soziales.

Die Leiterin des Gesundheitsamts , Dr. Marion Wunderlich, erklärt: „Sollte ein Kind bisher keine Erkältungssymptome zeigen, besteht kein Grund zur Besorgnis. Auch ein Test ist nicht notwendig.“ Der sei bei gesunden Menschen ohne Symptomen nicht sinnvoll, da zu diesem Zeitpunkt kein Erreger nachweisbar ist. „Die Probe würde in jedem Fall negativ ausfallen.“ Wenn ein Kind Symptome zeigt, muss das Bürgertelefon unter (04131) 261000 kontaktiert werden.

Die entsprechende Allgemeinverfügung des Landkreises mit den Regeln finden Sie hier.

 

Von Ulf Stüwe