Mittwoch , 21. Oktober 2020
Vielerorts hat das Gerücht, dass Haustiere sich ebenfalls infizieren und ihren Besitzer anstecken können, schon dazu geführt, dass Tiere im Tierheim abgegeben wurden. Foto: A/t&w

Keine Angst vor Haustieren

Lüneburg. Das Gerücht, dass Haustiere sich ebenfalls mit dem neuen Coronavirus anstecken können und dieses dann an Menschen übertragen können, hat vielerorts bereits dazu geführt, dass Bürger ihre Tiere im Tierheim abgegeben haben. In Lüneburg war das bisher jedoch nicht der Fall.

„Es gab schon ein paar Anfragen übers Telefon, weil Bürger nicht genau wussten, was an dem Gerücht dran ist“, erklärt eine Tierpflegerin des Lüneburger Tierheims. Einfach vor der Tür abgesetzt wurden aber noch keine Tiere. Das sei auch nicht nötig, denn „bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass sie das Virus übertragen können.“

Tiefergehende wissenschaftliche Untersuchungen fehlen noch

Die besorgten Anrufer werden von den Tierpflegern mit den Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts versorgt. Auch das Lüneburger Veterinäramt beruft sich auf diese Tiergesundheitsexperten. Demnach kann das Coronavirus nach aktuellem Forschungsstand nicht von Haustieren auf den Menschen oder umgekehrt übertragen werden. Es heißt dort aber auch, dass derzeit noch tiefergehende wissenschaftliche Untersuchungen fehlen.

Das Institut empfiehlt aber zunächst keine Maßnahmen wie die Trennung von Mensch und Haustier. Jedoch sollten Personen, die sich in Quarantäne befinden, jemand anderen bitten, mit dem Tier vor die Haustür zu gehen. Dabei sollte derjenige eine eigene Leine nutzen. „Das Risiko geht dabei nicht von dem Hund aus, sondern von dem möglicherweise infizierten Besitzer“, schreibt das Friedrich-Loeffler-Institut.

Besitzer warten vor der Tür auf ihr Haustier

Dass Kunden derzeit nur beschränkt Zugang zum Tierheim Lüneburg haben, hat ebenfalls nichts mit der möglichen Übertragung von den Tieren auf die Besucher zu tun. „Wir machen das zum Schutz der Tierpflegerinnen, damit wir nicht ausfallen sondern uns weiter um die Tiere kümmern können“, erklärt die Mitarbeiterin.

Auch in Tierarztpraxen werden aktuell neue Wege eingeschlagen, um dem Virus standhalten zu können. In der Kleintierpraxis Bienenbüttel von Dr. Caroline Becker arbeiten die Mitarbeiter seit kurzem in zwei Teams, die untereinander nicht miteinander in Kontakt kommen. „So besteht die Hoffnung, dass wir auch weiterarbeiten können, wenn ein Team ausfällt.“

Auch sie meiden den Kontakt zu Besitzern. Diese geben ihre Tiere jetzt in der Regel nach Terminabsprache in der Praxis ab und warten vor der Tür auf ihre Rückkehr. Wie lange das noch so laufen kann, ist ungewiss. Becker: „Die Frage ist: Sind Tierarztpraxen systemrelevant?“ Sie glaubt schon. Schließlich habe die Berufsgruppe ja neben der Behandlung von erkrankten Tieren auch den Auftrag, Tierseuchen einzudämmen. lvc/ape