Mittwoch , 30. September 2020
Letzte Klappe am Freitag: Die Roten Rosen stellen die Produktion wegen der Corona-Krise vorübergehend ein. Hauptdarstellerin und die Grand Dame im Team, Brigitte Antonius, versichert, dass in den vergangenen Tagen unter großen Sicherheitsbedingungen gearbeitet wurde. Foto: be

TV-Stars gehen auf Distanz

Lüneburg. Das Coronavirus lässt die Roten Rosen demnächst etwas weniger zärtlich erscheinen. Denn wo eigentlich Küsse oder Umarmungen geplant waren, wird nun auf Körperkontakt verzichtet. Die Szenen wurden entsprechend umgeschrieben, verdeutlicht Produktionssprecherin Daniela Behns. Auch auf Händeschütteln sei verzichtet worden. Nur ein Beispiel dafür, wie die Macher der Lüneburger Fernsehserie auf die veränderte Lage in den vergangenen Tagen reagierten. Es war nur der Anfang, denn jetzt gibt es sogar eine Zwangspause in den Studios im Industriegebiet Hafen. Gestern war letzter Drehtag.

Der Schein der Fernsehwelt wird plötzlich mit ganz realen irdischen Dingen konfrontiert. Der Alltag am Set hat sich für das gesamte Team verändert. Jeder, für den es möglich war, konnte schon von Zuhause aus arbeiten, sagt Produzent Emmo Lempert. Für die Schauspieler gilt das eher nicht. Herbert Ulrich, der den Bauunternehmer Henning Maiwald spielt, beschreibt die letzten Drehtage: „Man ist vorsichtiger im Umgang mit den anderen. Kein Küssen, keine Umarmungen. Man desinfiziert seine Hände. Trotz allem versuchen wir, den Spaß an unserer Arbeit nicht zu verlieren. Aber jeder sollte sich natürlich bemühen, die Empfehlungen einzuhalten. Umso schneller werden wir diese Periode auch überstehen.“

Eine mögliche Gefahrenquelle: das Mittagessen

Und Rosen-Urgstein Brigitte Antonius sagt: „Ich bin ja in einem gefährdeten Alter, habe aber keine Angst und keine Furcht.“ Das liege eben auch daran, dass in der Produktion großen Wert darauf gelegt wurde, dass alle Vorgaben auch eingehalten wurden.“ Die 87-Jährige überlegt nun, ob sie in ihrer kleinen Wohnung in Lüneburg bleibe oder doch – wie sonst in längeren Drehpausen – in ihre Heimat nach Österreich zurückfahre. „Allerdings habe ich die Sorge, dass ich nicht rechtzeitig zurückkommen darf, denn die Österreicher sind ja noch etwas strenger in ihren Maßnahmen.“

Eine mögliche Gefahrenquelle für Ansteckungen im Rosen-Studio war – neben den Szenen, in denen sich die Darsteller näherkommen – das Mittagessen. Die Rosen haben eine eigene Kantine, in der mittags reger Betrieb herrscht. Schon vor der entsprechenden Allgemeinverfügung des Landkreises gab es einen neuen Verhaltenskodex. Daniela Behns erklärt: „Vor dem Betreten der Kantine mussten die Hände desinfiziert werden. Nur jeder zweite Platz wurde besetzt. Die Essensausgabe ist hinter dem Tresen, sodass Mitarbeiter nicht mit den Lebensmitteln in Berührung kamen. In der Schlange wurde Abstand gehalten.“

Die Zwangspause sorgt nun dafür, dass der enge Zeitplan nun noch weniger Luft lässt. Aktuell liegen zwischen dem Dreh einer Folge und der Ausstrahlung etwa neun Wochen. Noch weiß niemand genau, wie lange die verordnete Drehabstinenz dauern wird, doch Lempert ist zuversichtlich: „Nach unserer jetzigen Planung senden wir auch mit der Pause nahtlos weiter.“

Fantag im Juni fällt definitiv aus

Die Rosen sind ein Format, das immer wieder auch aktuelle Themen in die Handlung einbindet, „Orientierung und Lebenshilfe“ geben will. Da stellt sich natürlich auch die Frage, ob das Thema Corona-Krise auch jetzt Eingang in die Handlung finden wird. Lempert sagt: „Bisher haben unsere Zuschauer es sehr genossen, dass wir aktuelle Themen zu einer Zeit behandeln, wenn nicht sowieso alle Kanäle, Nachrichten und Zeitungen damit voll waren.“ Das ist bei Corona aktuell sicher der Fall, deshalb hält sich der Produzent in dieser Frage zurück: „Wir bleiben da dran und schauen, wann der richtige Zeitpunkt ist.“

Fest steht dagegen bereits: Der Fantag, der am 28. Juni über die Bühne gehen sollte, wird nicht wie vorgesehen stattfinden. Die Rückerstattung bereits gekaufter Karten läuft über die Marketing GmbH.

Von Alexander Hempelmann